Im Land Brandenburg wird es voraussichtlich noch in diesem Jahr ein jüdisches Gotteshaus geben. Mit der gestrigen Unterzeichnung des Kaufvertrages ist der Weg frei für die Entwidmung der Evangelischen Schlosskirche in Cottbus. Diese wird am kommenden Sonntag (21.9.) im Rahmen eines Gottesdienstes vollzogen. Die feierliche Einweihung zur Synagoge ist noch in diesem Jahr geplant.
Dazu Kulturstaatssekretär Martin Gorholt: „Dass Cottbus ein jüdisches Gotteshaus bekommt, ist eine historische Zäsur für das ganze Land. Erstmals seit dem Holocaust gibt es in Brandenburg wieder eine Synagoge. Brandenburg setzt sich für das Wiedererstehen jüdischen Lebens in Brandenburg ein und sieht dieses als Bereicherung an. Ich freue mich daher, dass die jüdische Gemeinde Cottbus hier eine Heimstatt gefunden hat. Das Haus ist ein Zeichen für die Offenheit der Jüdischen Gemeinde in Cottbus und gleichermaßen Symbol für das gute Miteinander der Religionen.“
Am Mittag hatten Vertreter des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden, der Jüdischen Gemeinde Cottbus und der Evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai Cottbus den Kaufvertrag unterzeichnet. Damit wird die Schlosskirche in das Eigentum des Jüdischen Landesverbandes übergehen. Das Land hatte den Landesverband der Jüdischen Gemeinden mit einer Zuwendung von 582.000 Euro von der Kaufsumme freigestellt. Künftig will das Land jährlich 50.000 Euro für die Betriebskosten zahlen.
Zuletzt hatten der Landesverband und die Jüdische Gemeinde Cottbus erklärt, man denke darüber nach, wie das Gotteshaus der Öffentlichkeit zugänglich bleiben könne. Der Landesverband umfasst sechs Gemeinden an unterschiedlichen Orten in Brandenburg. Die Gemeinde in Cottbus wurde 1998 gegründet und zählt 420 Mitglieder.
Christoph Polster von der evangelischen Kirchengemeinde betont: „Am 21.09. um 18 Uhr findet ein Gottesdienst statt, um Abschied zu nehmen und danach etwas Neues beginnen zu lassen. Der Bischof wird da sein und den Gottesdienst leiten. Der jüdische Glaube gehörte in Deutschland für Jahrhunderte zum Alltag, bis heute ist das leider noch nicht wieder so. Mit dem Verkauf ändern wird das endlich. Das jüdische religiöse Leben bekommt so wieder einen Platz in der Stadt.“
Das 1984 installierte Nagelkreuz wird voraussichtlich Mitte Oktober in der Oberkirche wieder neu angebracht. Glocke, Kreuze und die Kanzel werden durch eine Firma aus der Schlosskirche entfernt. Der Umbau zur Synagoge ist bereits angelaufen.







