Landkreis
Cottbus Donnerstag, 01 August 2013 von Benjamin Andriske

Grüne Wiese, Erweiterung des Blechen-Carrés oder Bauruine in der Cottbuser Innenstadt? Investor setzt Stadt unter Druck - die knickt ein

Grüne Wiese, Erweiterung des Blechen-Carrés oder Bauruine in der Cottbuser Innenstadt? Investor setzt Stadt unter Druck - die knickt ein

Vorgestern saßen die Verantwortlichen in einer Ausschussitzung der Stadt zusammen, um über den Fortschritt des zweiten Bauabschnitts des Blechen Carrés zu sprechen.
Schaut man sich die Baustelle an, ist seit Jahren keine Bewegung zu sehen. Die Außenverkleidung der Baustelle wurde erneuert, das wars. Der Investor spricht zwar immer wieder von Mietverträgen, die schon fest sind, z.B. hat H&M angekündigt von der Sprem in den zweiten Abschnitt zu ziehen, aber die Finanzierung war und ist der Dreh- und Angelpunkt. Am Bauentwurf wurden Veränderungen vorgenommen um Kosten zu sparen, die Stadt hat verschiedene Bedinungen zu Eingängen gestellt, um nicht ganze Abschnitte außerhalb des Carres außen vor zu lassen, nur die Baukräne drehen sich bis heute nicht.
In der Sitzung wurde erläutert, dass der Finanzierungsnachweis noch immer nicht vorhanden ist. Eine Frist vom vergangengen Freitag ist verstrichen, damit wäre ein Aufhebungsvertrag möglich. Statt des Nachweises flatterte eine Drohung im Baudezernat ein. Darin beklagt sich der Investor über schlechte Presse und droht damit, falls ein Aufhebungsvertrag zustandekommt, das Grundstück regelrecht verrotten zu lassen. Es seien keine weiteren Maßnahmen zur Begrünung, Weiterbau, Verkauf oder ähnliches geplant, sollte das Blechen Carré nicht weiter gebaut werden und die Stadt einen Rückzieher machen. Im schlimmsten Fall, so die EKZ Stadtpromenade Cottbus GmbH, würden sie 20 Jahre lang die Unterhaltskosten bezahlen und "nichts" machen.
Der Investor mit Geschäftsführer René Becker machte deutlich, das auf diesem privaten Grundstück keinerlei städtebaulichen Maßnahmen, die durch den Investor bezahlt werden, stattfinden würden.
Gleichzeitig stellten sie die Bedinung, die Frist zur Abgabe des Finanzierungsnachweises bis Ende des Jahres zu verlängern. Darüber hinaus versucht der Investor im Schreiben anscheinend deutlich machen zu wollen, dass die Voraussetzungen in der Stadt denkbar schlecht sind. Mit sinkenden Einwohnerzahlen und mangelnder Kaufkraft solle die Stadt froh sein, dass hier noch jemand investiert, wird suggeriert.
Nachdem dieses Schreiben am Montag die Stadtverwaltung erreichte, wurde für die Sitzung am Dienstag eine gemeinsame Erklärung von EKZ und Stadt Cottbus, in Person von Oberbürgermeister Frank Szymanski vorgelegt, in dem genau auf diese Forderung eingegangen wird. Mitte August werden die Finanzierungsgespräche weiter vorangeschritten sein und es gibt zwei neue Gutachten, einmal das Geomarketing- als auch das Objektbewertungsgutachten, die positiv ausfallen. Hier versichert der Investor, bis Ende des Jahres alles beisammen zu haben um anzufangen.
Wäre die Stadt konsequent, müsste sie diese Farce beenden und Alternativen für die Ruine mitten in der Stadt ausarbeiten. Wie wäre es beispielsweise mit einem innerstädtischen "Central-Park" mit Verbindung zur Spreegalerie und Blechen-Carré? Der Investor droht auch damit, nicht zu verkaufen. Sollten im Vertrag keinerlei Ausstiegsklauseln für den Fall des Nichtbaus vorhanden sein, muss man fragen wer die Stadt in solchen Vertragsangelegenheiten rechtlich vertritt. Aus den Worten der EKZ kann man schließen, dass nichts in der Richtung vorhanden ist. Hier kann man nur hoffen. In der Ausschusssitzung wurde indes deutlich gemacht, dass im Falle des Nichtbaus, grüne Wiese entstehen soll, das sei vertraglich so geregelt. Hier prallen anscheinend zwei Sichtweisen aufeinander. Einige Stadtverordnete haben ihren Unmut und Zweifel am Investor dabei auch in Worte gefasst und verschiedene Nachfragen gestellt.
So aber lässt sich die Stadt erpressen, für eine Erweiterung, die anscheinend eh kaum noch lohnt und seit Jahren hinausgezögert wird. Verlierer sind die Cottbuser, die schon lange einen Bogen um die Baustelle machen müssen.
Foto: Benjamin Andriske

Das könnte Sie auch interessieren