Landkreis Inzidenz
Cottbus Mittwoch, 27 Juni 2012 von Benjamin Andriske

Serie: Zwei Lausitzer Hochschulen kämpfen um die Existenz! Mittelbausprecher der BTU Cottbus äußert sich zum Hochschulverteilungsmodell

Serie: Zwei Lausitzer Hochschulen kämpfen um die Existenz! Mittelbausprecher der BTU Cottbus äußert sich zum Hochschulverteilungsmodell

Die Hochschulen und insbesondere Universitäten leiden seit vielen Jahren unter der längst überholten Steuerung in Form des Hochschulmittelverteilungsmodells.
Hieraus erwuchs das Grundproblem, das über Jahre hinweg zu Improvisationen an den Hochschulen führte, die letztlich die eigentliche wissenschaftliche Leistungserbringungen in vielen Bereichen beeinträchtigte. Eine Verständigung über Kooperationen zwischen BTU und HSL hätte schon vor vielen Jahren erfolgen können, wenn die Rahmenbedingungen seitens des Ministeriums keine verstärkte Konkurrenzsituation geschaffen hätten. Im Gegenteil! Hätte das Ministerium einen Teil der Mittel so eingesetzt, dass durch ein finanzielles Anreizsystem Kooperationen befördert worden wären, hätte es gezielt gegensteuern können.
Warum funktioniert das Mittelverteilungsmodell nicht?
In Brandenburg wird das Budget für die Hochschulen nach einem fixen Schlüssel verteilt. Diese Umverteilung belohnt besonders die Anzahl von Studierenden und extra verstärkt noch Studienanfängerzahlen. Forschungsleistungen werden im Vergleich dazu nur in vernachlässigbarer Höhe vergolten. Da das Budget immer begrenzt ist und sich alle neun Hochschulen daraus finanzieren müssen, entsteht ein reger Wettbewerb, um die (bundesweit geringsten) Ausgaben für Wissenschaft und Forschung in Brandenburg. Schaffen es alle Hochschulen, viele Studierende anzuziehen, so entsteht für alle ein höherer Betreuungsaufwand, aber es gibt nicht mehr Geld. Erschwerend kommen in den letzten Jahren die Kürzung des Budgets für die Hochschulen sowie die Einbehaltung von Mitteln bzw. die Rücknahme von Mittelzusagen im zweistelligen Millionenbereich hinzu. Bundesweit sind das die schlechtesten Ausgangsbedingungen für Hochschulen. Dies gilt insbesondere für die BTU, welche die am schlechtesten finanzierte Technische Universität in Deutschland ist.
Es ergibt sich also ein Experiment mit den zwei Hochschulen der Lausitz.
Ein Experiment, das ein großes Risiko für den zukünftigen Erfolg und auch die Beständigkeit von Wissenschaft und Forschung in der Lausitz birgt, wird an der Hochschule Lausitz und der BTU Cottbus praktiziert. Ein Experiment an Menschen, an Familien und Lebensplanungen, aber auch ein Experiment mit der Bevölkerungsstruktur. Das muss man sich – bildlich gesprochen – so vorstellen: Ein Baum, der Äpfel und Birnen trägt wäre eine praktische Sache, nur ist die Wahrscheinlichkeit des Erfolges relativ gering im Vergleich zu den zusätzlichen Problemen, verbunden mit der Gefahr des Scheiterns. Bisher haben ähnliche Versuche, Hochschulen zu verschmelzen, die in sie gesetzten Erwartungen nicht entsprechend erfüllen können. So hat die Leuphana-Universität in Lüneburg jahrelang mit den negativen Folgen der Zusammenlegung gekämpft. Die bereits angesprochene Fusion der beiden Universitäten Duisburg und Essen funktionierte letztlich besser, jedoch wurden allein die zusätzlichen Kosten des Prozesses auf ca. 40 Millionen Euro geschätzt. Geld, welche in Brandenburg keinesfalls zur Verfügung steht und mit großer Wahrscheinlichkeit den ohnehin drastisch niedrigen Haushalts-Etat für die Brandenburgischen Hochschulen zusätzlich verknappt. Zudem waren die organisatorischen Prozesse bei aller Schwierigkeit noch leichter zu bewältigen, da es um die Zusammenlegung zweier Universitäten mit ähnlichen Forschungsausrichtungen ging. Bei der Fusion zweier verschiedener Hochschultypen sind hier erhöhte Anforderungen vor allem in Bereichen der Beschäftigtenstrukturen, Studienordnungen, Aufgabenverteilungen und internen Koordination zu erwarten.
Wir wollen kooperieren!
Die Bereitschaft der beiden betroffenen Hochschulen zur Zusammenarbeit ist da. und wird momentan nur durch die Vorgehensweise des Ministeriums sowie der vorgefassten Entschlüsse blockiert. Mit dem David-Gilly-Instituts liegt sogar ein funktionierendes Beispiel vor, welches Lehrstühle der Fachrichtung Bauingenieurwesen beider Hochschulen seit kurzem intensiv kooperativ verbindet. Trotzdem ist auch für dieses Modell noch nicht absehbar, ob die Anfangserfolge auch zu dauerhaften Erfolgen führen. Fakt ist: Auch bei Aufrechterhaltung der Institutionen können die vom Ministerium hervorgehobenen Synergieeffekte erreicht und identifizierte Schwachstellen ausgeglichen werden. 21 Jahre sind für Hochschulen kein Alter. Es sind Aufbau- und Wachstumsjahre, die für die Profilbildung und das Erlangen von Reputation notwendig sind. Was aber noch viel wichtiger erscheint, ist die Notwendigkeit, dass die Landesregierung nach vielen Jahren wieder bessere Rahmenbedingungen für Forschung und Wissenschaft in Brandenburg herstellt, statt katastrophale Entwicklungen und Experimente einzuleiten, die sich die klammen Kassen in Brandenburg tatsächlich nicht leisten können.
Text: Dr. Sven Binkowski und M.Sc. Roberto Kockrow
Fotos: Johannes Koziol

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