Brandenburg Samstag, 23 Januar 2021 von Redaktion / Presseinfo

Corona: Übersterblichkeit Ende 2020 in Brandenburg

Corona: Übersterblichkeit Ende 2020 in Brandenburg

Im Land Brandenburg wurde zum Ende des Jahres 2020 eine Übersterblichkeit verzeichnet. Das teilte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mit. Demzufolge wurden mit der dritten Dezemberwoche 2020 insgesamt 916 Sterbefälle registriert. Damit liegt der Wert für 2020 um 41 Prozent über dem der Vorjahre. 

Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg teilte dazu mit: 

Seit einigen Wochen wird häufiger die Frage aufgeworfen, ob es in der Metropolregion eine Übersterblichkeit durch das Corona-Virus gibt. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg hat aus diesem Grund eine Sonderauswertung der Sterbefallzahlen des Jahres 2020 mit Fokus auf eine mögliche Übersterblichkeit während der Corona-Pandemie vorgenommen.

916 Sterbefälle 

Angedeutet während der ersten Corona-Welle um die 15. Kalenderwoche (KW) und deutlich ab der 46. KW in der zweiten Welle liegt die Anzahl der gemeldeten Sterbefälle über der der Vorjahre. Für die 51. KW (die dritte Dezemberwoche) 2020 wurden bisher 916 Sterbefälle registriert, im Mittel der Jahre 2016 bis 2019 lediglich 651. Damit liegt der Wert für 2020 um 265 Fälle bzw. 41 Prozent über dem Mittel der Vorjahre. Für die 52. KW stehen den bislang registrierten 983 Sterbefällen 640 im Mittel der Vorjahre gegenüber. Bei aller gebotenen Zurückhaltung muss für Brandenburg in Anbetracht dieser Zahlen von einer Übersterblichkeit in den letzten Wochen des Jahres 2020 gesprochen werden.

Übersterblichkeit liegt dann vor, wenn die Anzahl der Sterbefälle eine bestimmte Schwelle, die sogenannte Basismortalität, überschreitet. Zur Bestimmung der Basismortalität wird in diesem Fall auf die endgültigen Sterbefallzahlen 2016 bis 2019 als Referenzzeitraum zurückgegriffen. Bei einem kürzeren Zeitraum würde die Gefahr bestehen, dass spezifische Ereignisse – etwa Grippewellen oder Hitzetage – die Ergebnisse verzerren. Die Verlängerung des Zeitraums kann zu Problemen führen, wenn dadurch etwa demografische Faktoren einfließen, die sich so in der aktuellen Gesellschaftszusammensetzung nicht mehr finden.

Die Abbildung verdeutlicht, dass es zwischen den einzelnen Jahren neben den saisonalen Mustern erhebliche Schwankungen der wöchentlich registrierten Sterbefallzahlen gibt. Die grüne Fläche stellt diese Bandbreite dar. Die Schwankungen zwischen den Jahren werden durch die Heranziehung des Mittelwerts der Vorjahre (grüne Linie) für die Basismortalität aufgefangen.

Bei den Sterbefallzahlen für 2020 handelt es sich um Fallauszählungen, bei denen es noch zu Änderungen kommen kann. Sie sind vorläufig und am aktuellen Rand oft unvollständig. Die in der Abbildung rot abgetragenen Fallzahlen bis zur 52. KW sind jedoch hinreichend stabil für eine Übersterblichkeitsanalyse.

Es ist zu berücksichtigen, dass die hier angewandte Methode mit erheblichen Unsicherheiten behaftet ist. Das Verfahren kann zudem lediglich diagnostizieren, dass die Sterblichkeit in der betrachteten Population zu bestimmten Zeitpunkten ein festgelegtes Niveau, hier die Basismortalität, quantitativ überschritten hat.

Für die 51. KW wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) von den zuständigen Gesundheitsämtern 182 Corona-Todesfälle aus Brandenburg gemeldet. Dabei wird nicht differenziert, ob eine Person mit dem Corona-Virus oder an einer Infektion mit dem Corona-Virus verstorben ist. In der Abbildung sind diese Sterbefälle als rote Säulen abgetragen.

Die Übersterblichkeit durch die Corona-Pandemie ist von größtem gesellschaftlichen Interesse. Die amtliche Todesursachenstatistik wird – auch durch die tragende Rolle der Gesundheitsämter in diesem Prozess – erst in etlichen Monaten eine qualifizierte Analyse der Situation ermöglichen können. Bis dahin muss mit Verfahren gearbeitet werden, die weniger präzise Ergebnisse produzieren, dafür aber zeitnah Befunde liefern können. Dazu gehört das hier vorgestellte Verfahren zur Übersterblichkeit. In Verbindung mit den vom RKI vorgelegten Zahlen zum Infektionsgeschehen dient es als hochwertiges Schätzverfahren und liefert Ergebnisse, auf deren Grundlage sich die aktuelle Lage besser einschätzen lässt.

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Red. / Presseinfo 

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