Landkreis
Brandenburg Mittwoch, 14 Oktober 2020 von Redaktion / Presseinfo

Südbrandenburger Handwerk mit niedrigstem Zufriedensheitswert seit elf Jahren

Nur noch 80,6 % der Handwerksbetriebe in Südbrandenburg sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Das ist der niedrigste Zufriedenheitswert, der seit elf Jahren verzeichnet wurde. Hintergrund sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Das ergab die Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Cottbus. Der Personalbestand bleibt dagegen größtenteils stabil in der Region. Wie uns HWK-Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher mit Blick auf die weitere Entwicklung im Videogespräch sagte, kommt es vor allem darauf an, dass es keinen zweiten großen Lockdown gibt. Deutscher lobte in dem Zusammenhang die verbesserte Kommunikation mit der politischen Landesebene in den vergangenen Monaten. "Wir sind bei Entwicklungen und Prozessen bisher auf Augenhöhe informiert und einbezogen worden, auch wenn wir nicht mit allen Vorschlägen durchgekommen sind". Kritik findet die Handwerkskammer dagegen bei der Kommunikation auf Landkreisebene. Hier vermisst Deutscher die Einbeziehung der Wirtschaft auf Augenhöhe. "Für uns ist es oft schwer nachvollziehbar, wie da verschiedene Öffnungszeiten sich gestalten und Behörden ganz geschlossen werden". Deutscher spricht hier unter anderem die zum Beispiel deutlich längere Wartezeiten bei Genehmigungen oder KFZ-Zulassungen an, die den Betrieben oft Zeit und Geld kosten. Auch äußerte sich der Chef der Handwerkskammer kritisch zum aktuellen Fall, wobei die Geschäftsführung des Straßenbauunternehmens ASG Kolkwitz einen Ausbildungsbewerber mit muslimischen Hintergrund wegen seiner Religionszugehörigkeit abgelehnt hat. Der Betrieb wurde vorher mehrfach für seine Ausbildungsbemühungen ausgezeichnet, auch von der HWK im Rahmen des "Lehrlings des Montas". "Wir sind mit dem Unternehmen im Gespräch. Die Handwerkskammer spricht sich gegen jede Form von Rassismus aus. Wir sind sehr bestrebt, auch ausländische Menschen im Südbrandenburger Handwerk auszubilden und in Wirtschaftsprozessen einzubeziehen", so Deutscher. Derzeit gibt es im Kammerbezirk 38 ausländische Jugendliche, die ihre Ausbildung im Handwerk absolvieren. Mit Blick auf den diesjährigen Ausbildungsstart wurden insgesamt etwas weniger Lehrverträge unterschrieben als im Vorjahr. Die endgültigen Ausbildungszahlen werden Ende Oktober veröffentlicht.

Mehr Infos gibt es im Videogespräch mit Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher im Titelvideo (hier klicken) und der HWK-Geschäftsführerin Manja Bonin unten im Artikel (hier entlang).

Die HWK Cottbus teilte dazu mit:

Die Konjunktur im südbrandenburgischen Handwerk hat sich nach einer langen Wachstumsphase erstmals wieder abgekühlt. Nur noch 80,6 Prozent der Unternehmen (Vorjahr: 95,9 Prozent) sind mit der Geschäftslage zufrieden, wie die Umfrage der Handwerkskammer Cottbus (HWK) zeigt. Dies ist der niedrigste Zufriedenheitswert seit elf Jahren. Die Verunsicherung über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie bleibt hoch. Dennoch halten die Betriebe an ihren Mitarbeitern fest und sind fest gewillt, die Herausforderungen wie bei anderen Krisen erfolgreich zu meistern. Zur Gesamtlage berichtet HWK-Geschäftsführerin Manja Bonin im kurzen Videogespräch:

Lockdown Nachwirkungen 

Der Lockdown im Frühjahr und seine Nachwirkungen haben – wenn auch selektiv – im Handwerk ihre Spuren hinterlassen. Insbesondere Ladenlokale, Cafés und Werkstätten der personenbezogenen Dienstleistungen, des Nahrungsmittelhandwerks und des Kfz-Handwerks blieben zeitweise geschlossen. Der private Konsum ging insgesamt zurück, weil Verbraucher Angst vor Ansteckungen oder geringeren Einkommen in Folge von Kurzarbeit hatten. Die daraus resultierenden Umsatzverluste ließen sich kaum noch aufholen, so die Aussage vieler Unternehmen.

Wirtschaftskreisläufe am Leben erhalten

Umso wichtiger ist es, das die Politik bei allen künftigen Corona-Beschränkungen mit Augenmaß und Feingefühl abwägt, welche wirtschaftlichen Folgen die Maßnahmen haben. Ziel muss es sein, die Wirtschaftskreisläufe am Leben zu erhalten. Dazu gehört auch, dass Kitas und Schulen geöffnet bleiben, damit die rund 45.000 Beschäftigten des südbrandenburgischen Handwerks arbeiten gehen und Geld verdienen können. „Dann hat das Handwerk gute Chancen, die derzeitige Situation zu meistern“, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher. „Schon bei vergangenen Krisen haben die Unternehmen gezeigt, dass sie sich selbst schwierigsten Herausforderungen stellen und diese auch besser bewältigen als andere Branchen.“ Die Konjunkturdaten im Kurzüberblick: Personal: Hier zeigt sich, wofür kleine und mittelständische Handwerksunternehmen stehen. Trotz der Herausforderungen hielten die Unternehmen an ihren Beschäftigten fest. In 81,7 Prozent der Unternehmen (Vorjahr 85,8 Prozent) blieb der Personalbestand konstant.

Umsätze:

Nur noch 76,2 Prozent (Vorjahr: 90,3 Prozent) der Unternehmen meldeten unveränderte oder gestiegene Umsatzentwicklungen. Knapp ein Viertel der Betriebe mussten sinkende Umsätze verkraften. Einzig im Bauhauptgewerbe und Ausbauhandwerk stiegen bei rund 40 Prozent der Unternehmen die Erlöse.

Auftragslage und Auslastung:

Entsprechend der Umsatzentwicklung haben sich die betrieblichen Kapazitäten der Unternehmen spürbar verschlechtert. Nur noch 76,5 Prozent (Vorjahr: 93,9 Prozent) berichten von unveränderten oder gestiegenen Auftragsbeständen. Das Bau- und Ausbauhandwerk bleibt stark ausgelastet. Damit das so bleibt, müssen in den kommenden Monaten vor allem Kommunen und Länder an ihren Investitionen festhalten bzw. diese ausbauen.

Investitionen:

Ein Viertel der Unternehmen haben ihre Investitionen in Maschinen, Anlagen, Gewerbehallen und Betriebsmittel zurückgefahren bzw. Ausgaben verschoben. Hier spiegeln sich die Unzufriedenheit mit der Geschäftslage und die unsicheren Zukunftsprognosen wider.

Ausblick:

Das von der Bundesregierung aufgelegte Konjunkturpaket setzt für Unternehmen und Konsumenten wichtige Anreize. Die Verunsicherung über den weiteren Verlauf der Pandemie bleibt hoch. Dem wollen sich die Betriebe aber stellen. Das geht aus den Antworten hervor. Demnach überwiegt der Anteil an Unternehmen, die künftig wieder bessere oder zumindest gleichbleibende Geschäfte erwartet.

Red. / Presseinfo 

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