Brandenburg Donnerstag, 06 Juni 2019 von Redaktion

Waldbrand bei Frankenförde: Schwieriges Wetter, vierter Hubschrauber angefordert

Waldbrand bei Frankenförde: Schwieriges Wetter, vierter Hubschrauber angefordert

Einsatzkräfte aus ganz Brandenburg rücken in die Region um Frankenförde bei Jüterbog aus, um den Kampf gegen den Waldbrand zu unterstützen. Mittlerweile ist ein Gebiet zwischen 750 und 800 Hektar betroffen. Es ist nun von einer offiziellen Katastrophenlage die Rede. Das hat die Stadt Jüterbog mitgeteilt. Der Landkreis Teltow-Fläming hat die Einsatzleitung übernommen. Wie der Kreis meldet, besteht keine akute Gefährdung für die umliegenden Orte Frankenförde und Felgentreu. Allerdings sind Anwohner in der gesamten Umgebung weiterhin aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Aktuell sind 150 Einsatzkräfte vor Ort, drei Löschhubschrauber von der Bundespolizei und der Bundeswehr sollen die Flammen weiter aus der Luft bekämpfen. Ein vierter Hubschrauber wurde bei der Bundespolizei angefordert. Unterstützung am Boden gibt es heute von den Kameraden aus Cottbus, den Landkreisen Prignitz, Potsdam-Mittelmark und Oberhavel. Seit Montagnachmittag sind Feuerwehren und Hilfskräfte unermüdlich im Einsatz. Anhaltenden Hitze, drehende Winde und munitionsbelastete Flächen erschweren die Löscharbeit. Die Stadt Jüterbog hat ihre Kräfte abgezogen, weil es in der Nähe der sogenannten "roten Zone" zu chemischen Gerüchen und Detonationen kam. Bürgermeister Arne Raue fordert dringend sofortige Luftuntersuchungen. Demnach könnten sämtliche Munitionsreste im Boden liegen. Das Gebiet rund um den Keilberg ist laut der Stadt Jüterbog sehr stark kontaminiert. Inzwischen hat auch Regen eingesetzt, allerdings ist die allgemeine Wetterlage schwierig. Zum Teil sind Gewitter angekündigt (Meldung), die zwar Regen mit sich bringen, allerdings auch kräftige Winde. Die Kameraden erfahren nebenher auch viel Anerkennung von der Bevölkerung unter anderem in Form von zusätzlichen Lebensmittelspenden. Auch bei Altsorgefeld brennen rund 20 Hektar Waldfläche.

 

Aktuelle Meldung vom Landkreis:

Die Kommunikation vor Ort läuft inzwischen stabil, nachdem ein zusätzliches Funknetz aufgebaut worden ist. Mehrere Radlader sorgen mit Recyclingmaterial dafür, dass zerfahrene Wege vor Ort weiter benutzt werden können. Stabil läuft die Wasserversorgung in der Nähe des Keilberges, wo das Feuer heute Vormittag wieder aufgeflammt war.

Ein großes Problem ist die Wetterlage – während alle auf Regen hoffen, werden aktuell Windböen mit bis zu 85 km/h vorhergesagt. Die Kreisstraße K 7218 bleibt weiter gesperrt. Dort gibt es momentan eine größere Rauchentwicklung. Anwohner werden weiterhin gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten und den Aufenthalt im Freien möglichst einzuschränken.

Auch der Waldbrand bei Altsorgefeld im Amt Dahm/Mark ist noch nicht gelöscht. Betroffen sind insgesamt 20 Hektar, in Flammen stehen aktuell 5 Hektar. Zur Brandbekämpfung wird in Kürze ein Löschhubschrauber eingesetzt. Der Ort Altsorgefeld ist ebenfalls nicht in Gefahr.

Die Stadt Jüterbog zieht Kräfte ab und fordert Untersuchungen. Die Stadt teilt mit:

Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Jüterbog und der Jüterboger Ortsteile, sind aktuell an eine Brandschutzeinheit angegliedert, die im Bereich Keilberg die Brandbekämpfung am Boden durchführt.
Die dortige Einsatzleitung setzt die Kräfte auf NICHT beräumten Wegen und Gebieten, in der sogenannten „Roten Zone“ ein. Mehrere Kameraden berichteten bereits am gestrigen Abend bei ihrer Rückkehr ins Feuerwehrdepot Jüterbog,
von Detonationen und Chemie-Gerüchen bei der Brandbekämpfung im Wald.

Der Bürgermeister der Stadt Jüterbog, Arne Raue, forderte bereits bei der Einsatzbesprechung heute Nacht von der Einsatzleitung eine sofortige Untersuchung der Luft und der Stäube im Brandgebiet zum Schutz der Einsatzkräfte und der Bevölkerung.
Arne Raue: „Hier müssen ganz dringend Fachleute her, die das beurteilen können, was da aktuell in der Luft ist.“ Die Rauchentwicklung ist auch heute am vierten Tag des Großbrandes enorm. Ständige Winde fachen das Feuer stetig an.

Das Gebiet rund um den Keilberg ist bekannterweise sehr stark kontaminiert, bei früheren Beprobungen wurden Kampfmittel aller Art gefunden, unter anderem phosphorhaltige, arsenhaltige und uranangereicherte Munition, u.a. See-Mienen, U-Boot-Bewaffnung, Panzerfäuste, Tretmienen, Granaten und vieles mehr. Der Truppenübungsplatz Jüterbog diente in mehr als 180 Jahren Militärgeschichte während der zwei Weltkriege und auch während der sowjetischen Besatzung als Testgelände für die Entwicklung und Anwendung von Kampfmitteln. Das gesamte Gebiet zwischen Jüterbog-Luckenwalde-Frankenförde-Felgentreu-Treuenbrietzen-Altes Lager –Jüterbog wurde dabei bis auf wenige Wege bislang nie beräumt! Sämtliche Kampfmittel sind dort noch immer im jetzt brennenden Waldgebiet enthalten und können während der Löscharbeiten jederzeit detonieren! Aufgrund der hohen Temperaturen gilt die Munition im Boden in jedem Jahr auch als wahrscheinlichste Brandursache. (siehe Karte)

Die Stadt Jüterbog hat ihre weitere Unterstützung mit Einsatzkräften für die Brandbekämpfung zugesagt, sobald sichergestellt ist, dass keine Einsatzkräfte gefährdet werden. Der Bürgermeister wiederholte gegen Mittag nochmals in einem Eil-Schreiben an die Landrätin des Landkreises Teltow-Fläming, dass zum Schutz der Bevölkerung und aller Kameraden vor Ort dringend endlich eine Luftuntersuchung erfolgen muss.

Spenden mobilisert

In der Bevölkerung werden Spenden gesammelt, um die Kameraden zusätzlich zu versorgen. Unter der Führung des Landkreises werden die Kräfte vollumfänglich versorgt.

Zum Spendenkonto:

https://www.paypal.com/pools/c/8fkJ6YbFJl?fbclid=IwAR0dNvb6QaWYRHgYnYUCLPEajQ1ys9HEDiJrmvfriyROaXIO8eMunWgGRXY

red/Presseinfo

Bild: Landkreis Teltow-Fläming | Norman Barth

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