Viel wurde unter der Woche beschworen, die spielerische Qualität hervorgehoben, das Selbstbewusstsein gepampert, all das half nichts. Energie hatte Chancen für mehrere Spiele aber mit drei Toren wie aus dem Nichts und einem Elfer in der Nachspielzeit knockte Frankfurt die Hausherren aus. Affane sorgte mit einem Freistoß für den zwischenzeitlichen Ausgleich, Epstein mit zwei Toren, Teixiera mit einem Volleyschuss und Kapllani per Elfer für den Gästesieg.
Seine Heimpremiere hatte sich Schmidt wahrscheinlich anders vorgestellt. Nach der Niederlage bei St. Pauli stehen die Lausitzer auf dem 18. Tabellenplatz und der Trainer stellte sich am Montag den kritischen Fragen der Fans. Für das Spiel gegen Frankfurt hatte er allen Spielern eingeimpft um was es geht, laut seiner Aussage waren sich einige der Situation noch nicht bewusst. Hauptziel war neues Selbstbewusstsein, das können sich die Spieler aber nur selbst einimpfen, indem sie endlich wieder Tore schießen und Spiele gewinnen.
Die Aufstellung zumindest ließ auf ein offensives Spiel hoffen. Mit Jendrisek und Sanogo standen zwei nominelle Stürmer auf dem Platz, dahinter sollten Stiepermann und Fomitschow für die nötigen Bälle sorgen. Frankfurts Trainer Möhlmann musste sich einige Gedanken über seine Aufstellung machen, fünf Stammkräfte fehlen ihm im Spiel gegen Cottbus.
Wie es gehen könnte zeigten Jendrisek und Sanogo in der siebten Minute. Ein schneller Doppelpass zwischen den beiden und schon waren sie mitten in der Frankfurter Abwehr. Lediglich der finale Pass auf Sanogo konnte noch durch die Defensive geklärt werden. Energie setzte sich nun in der Frankfurter Hälfte fest, lediglich die zwingenden Aktionen fehlten. Sanogo hätte sein Team in der 22. Minute erlösen können, doch er legte sich den Ball frei vor Pirson zu weit vor, der Winkel wurde zu spitz und er verzog. Es waren die kleinen Unsicherheiten die zeigten, wie es um die Cottbuser Psyche steht. Bis zur Strafraumgrenze zeigten die Kicker den geforderten Willen und sogar wieder Kreativität, doch der entscheidende Ball wollte vorerst nicht gelingen. Im Gegenteil, während Energie weitere Chancen vergeigte, hatten die Gäste in der 35. Minute ihre erste und nutzten sie. Epstein stand im Sechszehner sträflich frei und brauchte nur noch zum 0:1 einschieben. Cottbus ackerte unermüdlich weiter, spielte ansehnlich und straff nach vorn, nur vor dem Tor war es nicht einmal Kreisklasse. So konnte Frankfurt die Führung in die Pause bringen. In der Halbzeit hörte man wieder allerorts „die spielerische Qualität sei vorhanden, aber…“ ja, aber wenn sie die nicht auf dem Platz in Tore und Siege ummünzen können, kann sie noch so oft beschworen werden, sie ist nichts wert.
Mit seinem Einsatz weckte Bittroff die eigenen Fans in der zweiten Hälfte. Die wollten Kampf und Leidenschaft sehen, beides zeigte er. Nur wenige Minuten später schlug Sanogo nach einem Querpass im Strafraum ein Luftloch etwa fünf Meter vor dem Tor, das hätte es sein müssen. Schmidt brachte kurz drauf Affane für Fomitschow um den Druck weiter zu erhöhen. Frankfurt tat, wie in Hälfte eins, nichts. Der eben eingewechselte Affane erlöste sein Team nur vier Minuten nach dem er den Platz betreten hatte. Einen direkten Freistoß aus 25 Metern verwandelte er ins untere rechte Eck. Ein Urschrei ging durchs Rund! Über torlose 500 Minuten gingen damit zu Ende und die Fans peitschten ihr Team weiter nach vorn. Möhlmann reagierte und brachte in der 69. Minute Roshi für Yelen. Energie bestimmte das Spiel, doch wie in Hälfte eins, kam der Nackenschlag in der 75. Minute aus dem Nichts. Almer faustete einen Freistoß hoch hinaus, Teixeira faste sich ein Herz und nahm den Schuss direkt. Der passte perfekt und schlug rechts unten im Energietor ein. Damit nicht genug, nur zwei Minuten später kann Epstein über links in den Strafraum eindringen und macht das 3:1. Damit wuchs die gerade gewichene Verunsicherung wieder an und die Stimmung im Stadion drehte. „Vorstand raus“ schallte es von der Osttribüne und ein Plakat wurde ausgerollt. Schmidt versuchte das Unmögliche, er brachte mit Takyi für Kruska in der 81. Minute eine weitere Offensivkraft. Möhlmann tauschte Ziereis gegen Kapllani. Der kam auch noch zu seinem Tor, einen geschenkten Elfer in der Nachspielzeit verwandelte er zum 1:4.
Die heiße Luft unter der Woche war nichts wert. Vier verlorene Spiele in Folge stehen zu Buche. Nächste Woche geht es nach Fürth. Nach dem Spiel mussten die Spieler durch den Hinterausgang raus, einige Anhänger blockierten den Ausgang.
Stimmen zum Spiel:
FSV Frankfurt Trainer Benno Möhlmann: „Ich denke wir haben heute ein sehr intensives Zweitligaspiel gesehen in dem wir es in der Gesamtheit geschafft haben die Lücken zu stopfen und uns gegenseitig zu unterstützen. Das erste Tor war schön rausgespielt, aber bis zum 2:1 war es ein sehr ausgeglichenes Spiel wo beide Mannschaften ihre Chancen hatten. Ich war bis zum zweiten Treffer nicht sicher wer hier das Spiel gewinnt. Mit dem schönen Treffer haben wir Sicherheit gewonnen und die Führung sehr ausgebaut.“
FC Energie Cottbus Trainer Stephan Schmidt: „Fußball kann grausam sein. Das hat man heute gesehen. Nicht nur im Ergebnis, dass nicht das wiederspiegelt was auf dem Platz abgelaufen ist. Trotzdem meinen Glückwunsch an Benno für den Sieg. Wir sind gut ins Spiel gekommen, hatten intensive Zweikämpfe und gute Chancen z.B. durch Sanogo. Nach dem 1:1 hatten wir eine Phase wo die Köpfe nach unten hingen. Wir haben uns in der Halbzeit besprochen und dann auch den Ausgleich erzielt. Als wir dann endlich mit mehr Selbstbewusstsein gespielt haben, bekommen wir einen Sonntagsschuss aus 35 Metern. Das 3:1 hat das Spiel besiegelt. Die Körpersprache nach dem Tor war negativ. Was die Zukunft und das nächste Spiel angeht müssen wir weiter hart arbeiten, wir brauchen nicht nur mehr Glück sondern über 90 Minuten den Kopf oben behalten und alles geben. Das ist der Akt, der in der Woche stattfinden muss. Ich glaube an diese Mannschaft, die gerade sehr niedergeschlagen ist. Ich bin überzeugt, dass wir aus der Situation wieder rauskommen.“
Statistik:
7.384 Zuschauer
Tore:
35. Minute: 0:1 Epstein (Rechtsschuss, Heitmeier)
61. Minute: 1:1 Affane (direkter Freistoß)
75. Minute: 1:2 Teixeira
77. Minute: 1:3 Epstein
93. Minute: 1:4 Kapllani (FE)
Aufstellung:
Energie Cottbus: Robert Almer – Michael Schulze, Uwe Möhrle, Jurica Buljat, Alexander Bittroff – Marco Stiepermann, Marc Andre Kruska, Ivica Banovic, André Fomitschow – Erik Jendrisek, Boubacar Sanogo
FSV Frankfurt: Sören Pirson – Alexander Huber, Björn Schlicke, Nils Teixeira, Marc Heitmeier – Manuel Konrad – Joni Kauko, Michael Görlitz, Denis Epstein, Zafer Yelen – Markus Ziereis
Wechsel:
Energie Cottbus:
57. Affane für Fomitschow
81. Takyi für Kruska
FSV Frankfurt:
69. Minute: Roshi für Yelen
83. Minute: Kapllani für Ziereis
Fotos: Christiane Weiland




