Die Brandenburgerinnen und Brandenburger sind mit ihrem persönlichen Leben so zufrieden wie lange nicht, blicken zugleich aber deutlich sorgenvoller in die Zukunft als noch vor zwei Jahren. Das ist das zentrale Ergebnis des „Brandenburg-Monitor 2026″, den die Chefin der Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, am Montag dem Kabinett vorgestellt hat. Für die repräsentative Befragung hatte das Meinungsforschungsinstitut forsa zwischen dem 31. Juli und dem 28. August 2026 insgesamt 1.088 Menschen online befragt. Schwerpunktthema war in diesem Jahr die Sicherheit, Resilienz und Krisenvorsorge.
Brandenburger sorgen sich zunehmend um die Zukunft
87 Prozent der Befragten gaben an, mit ihrem eigenen Leben (sehr) zufrieden zu sein, ein leichter Anstieg gegenüber 2024. Auch die eigene finanzielle Lage bewerteten 81 Prozent als (sehr) gut und damit ebenso stabil wie vor zwei Jahren. Dem steht ein auffällig getrübter Blick nach vorn gegenüber: Erstmals meint mit 54 Prozent eine Mehrheit, dass sich Brandenburg in die falsche Richtung entwickelt. 2024 hatte dieser Wert noch bei 48 Prozent gelegen.
Konkret gewachsen sind vor allem drei Sorgen: die um die Zukunft der Kinder (von 60 auf 65 Prozent), die um die finanzielle Absicherung im Alter (von 43 auf 46 Prozent) und die um den eigenen Arbeitsplatz (von 9 auf 16 Prozent). Gleichzeitig gehen deutlich weniger Menschen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit niedrig bleibt und sich Wirtschaft und Konjunktur gut entwickeln. Die Sorge um die Wohnsituation blieb mit 14 Prozent wie schon 2024 auf dem letzten Platz.
Als drängendste Probleme des Landes nannten die Befragten in diesem Jahr den „Rechtsruck/AfD“ (21 Prozent) und die Bildungspolitik (15 Prozent). Das Thema Zuwanderung, 2024 noch mit Abstand das Spitzenproblem, verlor an Gewicht und sank von 24 auf 13 Prozent. Wirtschaft, Verkehr und Klimawandel folgten mit jeweils 11 bis 13 Prozent.
Zufriedenheit mit Landesregierung zeigt Ost-West-Gefälle
Die Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung ging leicht zurück, von 46 auf 43 Prozent. Dabei zeigt sich ein ausgeprägtes geografisches Gefälle, das auch für die Lausitz von Belang ist: Im Berliner Umland äußerte sich mit 48 Prozent fast die Hälfte der Menschen zufrieden, in den berlinfernen Regionen, zu denen Südbrandenburg zählt, sank dieser Wert auf 39 Prozent. Deutlich optimistischer zeigten sich die befragten Jugendlichen, hier lag die Zufriedenheit bei 57 Prozent.
Hohes Vertrauen genießen weiterhin die Feuerwehr und die Rettungsdienste (98 Prozent), gefolgt von Polizei (77 Prozent) und Gerichten (60 Prozent). Spürbar gesunken ist dagegen das Vertrauen in die Landesregierung (36 Prozent), den Landtag (35 Prozent), den Bundestag (24 Prozent) und die Bundesregierung (15 Prozent).
Schwerpunkt Sicherheit: Mehrheit fühlt sich unsicherer
Beim diesjährigen Schwerpunktthema trat eine ausgeprägte Verunsicherung zutage. Vier von fünf Befragten (81 Prozent) fühlen sich heute unsicherer als noch vor fünf Jahren. Als Hauptgründe wurden die Bedrohung der äußeren Sicherheit durch Kriegsgefahr und die weltpolitische Lage (45 Prozent) sowie eine Gefährdung der Demokratie durch Extremismus und Radikalisierung (30 Prozent) genannt. Nur 20 Prozent trauen dem Staat zu, seine Aufgaben erfüllen zu können.
Beim Katastrophenschutz zeigte die Befragung Nachholbedarf: 59 Prozent fühlen sich persönlich nicht gut auf Notsituationen wie Energieausfälle oder Naturkatastrophen vorbereitet, 65 Prozent halten auch das Land für unzureichend ausgerüstet. Gewünscht werden vor allem mehr sachliche Informationen sowie Veranstaltungen, Beratungen und Übungen vor Ort.
Eine deutliche Mehrheit von rund zwei Dritteln befürwortet den Ausbau von Bundeswehrstandorten in Brandenburg, vorrangig zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit (35 Prozent), für 16 Prozent auch als wirtschaftlicher Impuls. Ebenfalls rund zwei Drittel sprechen sich für die Ansiedlung von Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie aus, 43 Prozent erhoffen sich davon Arbeitsplätze. Bei den kritischen Stimmen überwog die Sorge, Brandenburg könne dadurch zum potenziellen Angriffsziel werden (20 Prozent).
Erstmals bezog der Brandenburg-Monitor auch 14- und 15-Jährige ein, sodass die Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen gesondert ausgewertet werden konnte. Sie sind mit ihrem Leben zufriedener und blicken zuversichtlicher auf ihre Zukunft als die Gesamtbevölkerung. Ihre wichtigsten Informationsquellen zur Politik sind soziale Medien und Online-Foren sowie Gespräche mit Freunden und Bekannten.
Ministerin Kathrin Schneider ordnete die Ergebnisse so ein: „Die persönliche Lebenssituation der Brandenburgerinnen und Brandenburger ist erfreulicherweise stabil positiv. Gleichzeitig spüren die Menschen die globalen Umbrüche und Krisen. Die Zukunftsängste nehmen zu, das Vertrauen in die langfristige Stabilität unseres Wirtschaftsstandortes schwindet.“ Man nehme das Bild „als Auftrag, die wirtschaftliche Entwicklung in Brandenburg weiter konsequent voranzutreiben“.
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