Ein Arm, den es seit 58 Jahren nicht mehr gibt, tut weh. Im MEDICLIN Reha-Zentrum Spreewald in Burg wird dagegen mit digitaler Spiegeltherapie gearbeitet – einer optischen Täuschung für das Gehirn. Anlass der Mitteilung ist der bundesweite Reha-Tag am Samstag.
Der Schmerz kam nach Jahrzehnten zurück
Wolfgang Stöckl war anderthalb Jahre alt, als er nach einem schweren Verkehrsunfall seinen linken Arm verlor. Etwa eine Woche lang litt er danach unter Phantomschmerzen – Schmerzen, die das Gehirn aus einem nicht mehr vorhandenen Körperteil meldet. Dann verschwanden sie.
Seine Einschränkung habe er in den folgenden Jahrzehnten weniger als Behinderung denn als Ansporn gesehen, berichtet der heute Sechzigjährige. Bei den Paralympics 2000 in Sydney gewann er Silber im Luftgewehrschießen, später kamen Titel im Radsport und Touren quer durch Amerika und bis ans Nordkap dazu. „Mein Motto war: Das, was ich kann, will ich besser machen“, sagt er.
Dann kehrten die Schmerzen zurück. Wie Messerstiche beschreibt er sie, unvermittelt da und ebenso plötzlich wieder weg. Diese Unberechenbarkeit macht ihm am meisten zu schaffen: Zeitweise ist an Arbeit nicht zu denken.

Eine Kamera täuscht das Gehirn des Patienten
Medikamente halfen nicht mehr. Im Internet stieß Stöckl auf die digitale Spiegeltherapie in Burg, eine Methode, die er bis dahin nicht kannte.
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Das Prinzip beruht auf einer optischen Täuschung. Kameras erfassen die Bewegungen der gesunden Körperseite. Auf einem Bildschirm werden sie so gespiegelt, dass der Eindruck entsteht, auch die beeinträchtigte Seite führe die Bewegung aus.
„Diese visuelle Illusion gibt Wolfgangs Gehirn eine positive Rückmeldung über die Bewegungsfähigkeit“, erklärt Therapeutin Nadine Leberecht. „Die wiederholten Übungen sprechen neuronale Verbindungen an und fördern die Neuroplastizität – also die Fähigkeit des Gehirns, sich neu zu organisieren.“
Geübt wird das Aufdrehen einer Flasche
Während einer dreiwöchigen Reha arbeitete eine Ergotherapeutin mit ihm an dem Gerät. Geübt wurden Alltagsbewegungen: wischen, greifen, eine Flasche aufdrehen. „Es ist faszinierend, wie der linke Arm mit der Prothese richtig mitgeht“, berichtet Stöckl. Seine Schmerzen hätten sich im Verlauf spürbar gebessert.
„Die Reha war insgesamt sehr umfassend und individuell auf mich zugeschnitten“, sagt er. Dazu kamen Physiotherapie gegen Verspannungen, die durch die körperlichen Dysbalancen entstehen, und psychologische Unterstützung im Umgang mit chronischem Schmerz. Die Übungen der Spiegeltherapie kann er zu Hause am Tablet fortsetzen.
Eingesetzt wird die Methode vor allem neurologisch
In Burg kommt die Spiegeltherapie vor allem in der neurologischen Rehabilitation zum Einsatz: bei Bewegungseinschränkungen und Lähmungen nach einem Schlaganfall, bei Multipler Sklerose und Parkinson sowie nach Amputationen.
Zum Reha-Zentrum in Burg gehören Fachkliniken für Innere Medizin, für Orthopädie und unfallchirurgische Rehabilitation sowie für Neurologie, dazu eine interdisziplinäre Post-Covid-Rehabilitation. Das Haus hat 271 Betten und rund 170 Beschäftigte. Der bundesweite Tag der Rehabilitation ist am 26. September.
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Red. / Presseinformation






