Im Industriepark Lausitz in Schwarzheide hat der Bau einer Wasserstoff-Testanlage begonnen. Das Dresdner Unternehmen Sunfire erprobt dort eine Technik, die mehr Wasserstoff aus derselben Strommenge holt. Wir waren beim Spatenstich vor Ort.
Wasserstoff-Testanlage mit 1,3 Megawatt Leistung
Die Wasserstoff-Testanlage ist auf eine Nennleistung von rund 1,3 Megawatt ausgelegt und soll stündlich etwa 36,5 Kilogramm Wasserstoff erzeugen. In Betrieb gehen soll sie noch in diesem Jahr. Sie ist bewusst klein gehalten, denn erzeugt werden soll dort nicht in erster Linie Wasserstoff, sondern Wissen.
„Diese Anlage nimmt Wasserdampf und zerlegt ihn in Wasserstoff und Sauerstoff“, erklärt Christian von Olshausen, Technikchef von Sunfire. Der Sauerstoff gehe an die Atmosphäre, der Wasserstoff werde industriell genutzt.

Warum die Anlage mehr Wasserstoff aus dem Strom holt
Der Unterschied zu gängigen Verfahren liegt in der Temperatur. Die Hochtemperatur-Elektrolyse arbeitet bei rund 850 Grad Celsius und nutzt dafür Abwärme, die in Chemiewerken ohnehin anfällt. Weil ein Teil der Energie damit nicht aus Strom stammen muss, steigt die Ausbeute.
„Man bekommt aus dem eingesetzten Strom mehr Wasserstoff heraus, als das mit den üblichen Technologien derzeit möglich ist“, sagt von Olshausen. Genau das wolle man nun industriell erproben, „und das geht in diesem Umfeld hier am besten“.
Sunfire nennt für die kommende Gerätegeneration einen erwarteten Wirkungsgrad von bis zu 89 Prozent. Nachgewiesen sind bislang 84 Prozent, gemessen 2022 in einem von der EU finanzierten Projekt.
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Bei den Kosten bleibt Erdgas vorerst vorn
Ungewöhnlich offen äußert sich der Technikchef zur Wirtschaftlichkeit. „Erdgas ist ein fossiler Rohstoff, der ist sehr günstig. Unser Ziel ist, in die Nähe dieses Preises zu kommen“, sagt von Olshausen. Und weiter: „Sie werden es in den nächsten paar Jahren nicht schaffen, Preisparität mit fossilem Wasserstoff hinzubekommen.“
Es gehe auch nicht darum, alles zu ersetzen, sondern über eine lange Zeit einen Übergang hinzubekommen. In dieser Zeit sollen die Kosten für erneuerbaren Wasserstoff so weit sinken, dass der Nachteil gering ausfällt.
Als Gründe für grünen Wasserstoff nennt er zwei Punkte: die CO2-Neutralität und die Unabhängigkeit. Wer Wasserstoff bereitstellen wolle, ohne Erdgas anzuzapfen, brauche solche Technologien – gerade für Zeiten, in denen Erdgas nicht oder nur teuer zu bekommen sei.

Sunfire sieht sich bei dieser Technik als Nummer eins
Sunfire baut seit 15 Jahren Elektrolyseure und beliefert nach Angaben von Firmenchef Nils Aldag Kunden wie RWE, Uniper, VNG und Total. Der Jahresumsatz liege bei weit über 100 Millionen Euro.
Bei der Hochtemperatur-Elektrolyse sei man „Nummer eins in allen Belangen“, sagt Aldag. Über alle Produkte hinweg sieht er sein Unternehmen bei den in den vergangenen 18 Monaten gewonnenen Projekten auf Platz zwei, bei den unterschriebenen Verträgen auf Platz drei und bei den installierten Anlagen auf Platz vier.
„Wir haben hier einen deutschen Anbieter, der vor 15 Jahren auf einem weißen Blatt Papier als Start-up gegründet worden ist“ und heute mit großen globalen Konzernen konkurriere, so Aldag. Zur Euphorie früherer Jahre äußert er sich zurückhaltend: Auch wenn diese „ein Ticken zu groß“ gewesen sei, werde grüner Wasserstoff in den nächsten Jahrzehnten eine zentrale Rolle spielen.
Für den Standort sprachen aus seiner Sicht das industrielle Umfeld, viel Wind- und Solarstrom, verfügbare Abwärme und die Nähe zum Hauptsitz Dresden.
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Der Industriepark will wachsen und muss es auch
Für den Betreiber ist die Ansiedlung ein Beleg dafür, dass die Öffnung des Standorts funktioniert. „Wir haben den Industriepark vor nicht einmal einem Jahr gegründet, aus einer Situation heraus“, sagt Jürgen Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung der BASF InfraService & Solutions Lausitz GmbH. So weiterzumachen sei keine Alternative gewesen.
„Wir müssen den Standort öffnen, wir brauchen Wachstum am Standort, wir brauchen neue Investitionen.“ Und deutlicher noch: „Wir wollen wachsen, und ganz ehrlich, wir müssen wachsen.“
Als Zielmärkte nennt Fuchs die Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien und die Chipindustrie, die Chemikalien benötigt. Vor einem halben Jahr hatte der Industriepark angekündigt, dass Infinite Loop Europe dort eine große Recyclinganlage für PET plant.
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Wasserstoffnetz und Kraftwerk als Perspektive
Für den Standort selbst wird die Technologie erst langfristig interessant. Man plane, ans Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen zu werden, sagt Fuchs. Dann käme Wasserstoff nicht nur als Rohstoff infrage, sondern auch als Energieträger.
Der Grund steht bereits auf dem Gelände: Das dortige Gas- und Dampfkraftwerk läuft mit Erdgas, ist aber nach Angaben von Fuchs für Wasserstoff vorbereitet. „Nur dann braucht es eben auch einen Wasserstoff, der zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung steht.“
Dass die Rechnung aufgehen muss, betont er ausdrücklich. Nachhaltigkeit habe drei Säulen: Sie müsse ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich sinnvoll sein.

Bund und EU stehen hinter der Technologie
Entwickelt wurde die Technik im Leitprojekt H2Giga, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die Testanlage dient der Langzeiterprobung im Rahmen eines Important Project of Common European Interest, kurz IPCEI. Die Europäische Investitionsbank beteiligt sich mit einem Darlehen.
Wie lange die Wasserstoff-Testanlage laufen wird, ist offen. Sie sei nicht auf Dauerbetrieb ausgelegt, sagt von Olshausen: „Wir werden diese Anlage so weit betreiben, bis wir alle Daten erfasst haben.“ Zur Investitionssumme und zur Zahl der Arbeitsplätze machen die Unternehmen keine Angaben.
Über die Ansiedlung hatten wir im Mai berichtet ->> Mehr dazu bei NLaktuell
Fotos: NIEDERLAUSITZ aktuell
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