Die Deutsche Bahn (DB) verbietet künftig den Alkoholkonsum an all ihren Bahnhöfen. Die bundesweite Regel wird bis zum 15. Oktober 2026 schrittweise an 5.400 Bahnhöfen umgesetzt, darunter die DB-Stationen in Südbrandenburg wie Cottbus, Senftenberg, Finsterwalde, Lübbenau oder Elsterwerda. Als unmittelbaren Anlass nennt die DB einen Gewaltvorfall vom vergangenen Freitag. Bei einer eskalierten Fahrkartenkontrolle in einem Regionalzug nahe Karlsruhe war am 17. Juli ein 26-jähriger Sicherheitsmitarbeiter der Bahn aus dem mit rund 120 km/h fahrenden Zug gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden.
Kein Alkohol mehr am Bahnhof
Konkret ist es künftig untersagt, auf Bahnsteigen und in Bahnhofshallen außerhalb der Gastronomie Bier, Wein oder Schnaps zu trinken. Ausgenommen bleibt die Bahnhofsgastronomie. Erlaubt ist es außerdem weiterhin, Alkohol verschlossen im Gepäck oder aus Einkäufen mitzuführen. Wer gegen das Verbot verstößt, muss mit einem Platzverweis rechnen, im Wiederholungsfall spricht die DB ein Hausverbot aus.
„Wir greifen durch: Wir verbannen das Alkoholtrinken aus unseren Bahnhöfen“, erklärt DB-Chefin Evelyn Palla. „Zu oft mussten wir feststellen, dass dort, wo zu viel Alkohol fließt, auch die Gewalt zunimmt.“ Die Bahn führt das Verbot über ihr Hausrecht ein. Dafür sind in den kommenden Wochen Anpassungen der örtlichen Hausordnungen nötig – in Abstimmung mit Kommunen, Behörden und Verwaltungen. Das betriftt auch die Bahnhöfe der Lausitz.
Wann die Region an der Reihe ist
Einen genauen Zeitplan für die einzelnen Bahnhöfe hat die DB bislang nur teilweise veröffentlicht. Rund 30 Stationen sind bereits alkoholfrei, etwa Köln, München und Hamburg. Zum 1. September folgen Berlin Hauptbahnhof, Berlin Gesundbrunnen, Kiel und Braunschweig, bis Mitte Oktober kommen dann sukzessive alle weiteren Bahnhöfe hinzu. Ein konkretes Datum für die südbrandenburgischen Stationen nennt die Bahn noch nicht.
Der Auslöser: Angriff auf einen Bahnmitarbeiter
Als unmittelbaren Anlass nennt die DB einen Gewaltvorfall vom vergangenen Freitag. Bei einer eskalierten Fahrkartenkontrolle in einem Regionalzug nahe Karlsruhe war am 17. Juli ein 26-jähriger Sicherheitsmitarbeiter der Bahn aus dem mit rund 120 km/h fahrenden Zug gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden, inzwischen ist er nach Angaben der Staatsanwaltschaft außer Lebensgefahr. Ein 36-jähriger, mutmaßlich alkoholisierter Fahrgast soll ihn geschlagen und getreten haben. Gegen den Mann wird wegen Körperverletzung ermittelt. Für Palla steht der Fall sinnbildlich für den Zusammenhang von Alkohol und Gewalt.
Der Vorfall ist kein Einzelfall: Nach Angaben der Bundespolizei wurden 2025 rund 2.690 Angriffe auf DB-Beschäftigte registriert – etwa elf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Erfahrungen mit alkoholfreien Bahnhöfen wertet die Bahn als positiv: Nach dem Verbot am Hamburger Hauptbahnhof im April 2024 seien Konflikte und Auseinandersetzungen spürbar zurückgegangen, zudem sei weniger Müll angefallen. „Alkoholfrei heißt: weniger Gewalt und weniger Müll“, so Palla.
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Red.




