Ob im Urlaub, im Restaurant oder im Berufsalltag: Viele Deutsche kontrollieren fremdsprachige Formulierungen lieber noch einmal digital, bevor sie sie tatsächlich verwenden. Eine aktuelle Studie der Sprachplattform Lingoda zeigt nun, dass dahinter vor allem soziale Unsicherheit steckt.
Für die Untersuchung wurden rund 1.200 Übersetzungsanfragen aus dem Frühjahr 2026 analysiert. Das Ergebnis macht deutlich: Nicht komplizierte Grammatik verursacht die größte Unsicherheit, sondern die Sorge, unhöflich oder unangemessen zu wirken.
Fremdsprachen werden zum Sicherheitsfaktor
Besonders häufig abgesichert werden Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Türkisch. Dabei suchen viele Nutzer weniger nach korrekten Grammatikregeln als nach der passenden sozialen Formulierung.
Die entscheidende Frage lautet oft: „Wie wirkt das auf andere?“
Vor allem in Situationen mit beruflicher oder persönlicher Bedeutung steigt die Unsicherheit deutlich an.
Kleine Fehler sollen vermieden werden
Im Job zeigt sich ein besonders starker Perfektionsanspruch. Begrüßungen, Terminangaben oder Zahlen werden häufig noch einmal überprüft.
Viele Menschen befürchten, dass bereits kleine Fehler einen unprofessionellen Eindruck hinterlassen könnten. Dadurch entstehen Kommunikationsmuster, die stark von Kontrolle geprägt sind.
Im Ausland geht es um Respekt
Im Urlaub steht dagegen eher Höflichkeit im Mittelpunkt. Besonders in Italien, Spanien oder der Türkei möchten viele Reisende freundlich und respektvoll auftreten.
Im Italienischen herrscht große Unsicherheit bei Begrüßungen. Französisch bereitet vor allem beim Small Talk Schwierigkeiten. Spanisch und Türkisch werden häufig genutzt, um persönliche Nachrichten oder Glückwünsche abzusichern.
Sprachscham statt Sprachproblem
Experten sprechen inzwischen von einer Form der „Sprachscham“. Viele Menschen haben weniger Angst vor grammatikalischen Fehlern als davor, kulturell unangemessen zu wirken.
Die Studie zeigt gleichzeitig, dass das tatsächliche Sprachwissen oft deutlich besser ist als das eigene Selbstvertrauen. Trotzdem verlassen sich viele Menschen lieber auf einen digitalen Kontrollmoment, bevor sie spontan sprechen.



