Heute lief auch in Cottbus der Aktionstag im Rahmen der brandenburgweiten KiTAKOLLAPS-Aktionstage. Bis 12 Uhr machten Familien, Kita-Beschäftigte, Träger und Verbände auf dem Ernst-Mucke-Platz auf aktuelle Probleme in der Kindertagesbetreuung aufmerksam. Im Fokus der Kritik stehen nach Angaben des Aktionsbündnisses der weiterhin schlechte Personalschlüssel sowie die Finanzierung der Betreuungszeiten. Kritisiert wird unter anderem, dass Kitas in Brandenburg seit Anfang 2026 nur noch für 7,5 Stunden Betreuung pro Tag finanziert würden, viele Einrichtungen jedoch deutlich länger geöffnet seien und zahlreiche Kinder einen Anspruch auf mehr als acht Stunden Betreuung hätten. Kitas müssen dadurch längere Öffnungszeiten mit zu wenig Personal und unzureichender Finanzierung absichern. Das wirkt sich auf den gesamten Kitaalltag aus. Vor Ort gab es heute unter anderem eine Mitmachaktion in Form eines Protest-Mandalas für Kinder und Erwachsene. Die Bündnispartner fordern nach eigenen Angaben unter anderem bessere Betreuungsbedingungen, mehr Personal sowie sozial gerechtere Regelungen für Familien. Mehr dazu im Video ->> Hier klicken
KITAKOLLAPS-Aktionstag in Cottbus macht auf Probleme in Kitas aufmerksam
Auf dem Ernst-Mucke-Platz in Cottbus haben Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Träger am Dienstag im Rahmen des landesweiten KITAKOLLAPS-Aktionstages auf Probleme in der Kindertagesbetreuung aufmerksam gemacht. Organisiert wurde die Aktion nach Angaben der Beteiligten von der Kita HumiKids in Neu-Schmellwitz gemeinsam mit weiteren Einrichtungen und Unterstützern aus dem Sozialraum. Vor Ort beteiligten sich unter anderem Vertreter des Kita-Elternbeirates Cottbus, der Gewerkschaft ver.di sowie Eltern, Kinder und Beschäftigte verschiedener Kitas. Mit Gesprächen, Informationen und einem Protest-Mandala sollte auf die aus Sicht der Beteiligten angespannte Situation in den Einrichtungen aufmerksam gemacht werden.
Sarah Ostrowski vom Eltern-Kita-Beirat Cottbus erklärte vor Ort, dass die Probleme rund um die Kita-Qualität in Brandenburg inzwischen sehr komplex seien. „Wir haben auf der einen Seite ein sehr altes Gesetz, was einfach die Realitäten dessen, was Kita heutzutage leistet, überhaupt nicht widerspiegelt“, sagte sie. Verbunden damit seien unter anderem ein aus Sicht der Beteiligten zu hoher Betreuungsschlüssel, Finanzierungsprobleme sowie wachsende Anforderungen an die Einrichtungen.
Besonders kritisch sehen die Beteiligten eine Regelung, wonach Betreuungszeiten von mehr als acht Stunden seit Anfang des Jahres nicht mehr vom Land refinanziert würden. Gleichzeitig bestehe der gesetzliche Anspruch der Eltern auf diese Zeiten weiterhin. „Die müssen von den Kitas angeboten werden ohne dass sie Geld dafür bekommen“, erklärte Ostrowski.
Auch Gregor Steinbach, Leiter der Kita HumiKids und der Kita Merzdorf, schilderte die Belastungen im Alltag der Einrichtungen. „Wir merken immer mehr, dass Kinder immer mehr Problemlagen haben, sowohl finanziell als auch geistig und da ist die Herausforderung quasi jedem einzelnen Kind gerecht zu werden“, sagte er. Besonders bei der individuellen Förderung stoße man zunehmend an Grenzen. Nach Angaben der Beteiligten arbeiten die Einrichtungen bereits seit Jahren eng mit dem Elternbeirat zusammen. „Da wir alle die Probleme haben, also sowohl das Personal als dann auch die Eltern, haben wir uns verpflichtet gefühlt mit den Eltern gemeinsam diese Aktion zu starten“, so Steinbach.
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Mit dem Aktionstag sollte nach Angaben der Organisatoren vor allem mehr Aufmerksamkeit für die Situation geschaffen werden. „Das Allerwichtigste ist uns, dass Eltern, aber natürlich auch Verantwortliche aus Politik und Arbeitgeber verstehen, was das Problem ist“, erklärte Ostrowski. Frühkindliche Bildung sei die Grundlage für das gesamte weitere Bildungsleben. „Hier zu sparen heißt eigentlich das Potenzial unserer Kinder für die nächsten Generationen kaputt zu sparen und das darf nicht sein.“
Auf dem Ernst-Mucke-Platz gestalteten Kinder und Erwachsene zudem gemeinsam ein Protest-Mandala. Dieses sollte symbolisch darstellen, dass wenige pädagogische Fachkräfte für viele Kinder verantwortlich seien. Außerdem wurde dort das Thema der nur bis acht Stunden refinanzierten Betreuung aufgegriffen, obwohl viele Einrichtungen deutlich längere Öffnungszeiten anbieten.
Trotz der seit mehreren Jahren stattfindenden KITAKOLLAPS-Proteste sehen die Beteiligten bislang nur begrenzte Verbesserungen. Positiv bewertet wurde jedoch, dass inzwischen mehr Eltern öffentlich über die Situation sprechen und das Thema zunehmend auch politisch diskutiert werde. „Das ist das erste Mal, dass ich sehe, dass sich da auch kommunalpolitisch über die Jugendhilfeausschüsse Widerstand trägt und dass man da gemeinsam nach einer Lösung sucht“, sagte Ostrowski.
Die Hoffnung der Beteiligten richtet sich nun auf eine Reform des Kita-Gesetzes in Brandenburg. Nach Einschätzung der Organisatoren werde das Thema die Landespolitik auch in den kommenden Monaten weiter beschäftigen. Weitere Proteste und Aktionen seien nicht ausgeschlossen.
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