Die Glasmanufaktur Brandenburg GmbH in Tschernitz steht nach Angaben der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) kurz vor der endgültigen Schließung. Der ursprünglich vorgesehene Investor habe seine Zusage zurückgezogen und offenbar keine Finanzierung sichern können. Die rund 220 Beschäftigten sollen laut Mitteilung bereits zum 1. Dezember freigestellt werden. Die Kündigungsfristen laufen demnach bis spätestens März 2026. Danach wäre der Betrieb vollständig stillgelegt. Die Gewerkschaft hat für Montag eine Protestaktion in Tschernitz angekündigt.
Endgültige Schließung droht
Mit dem Aus des Werks würde laut IGBCE auch der letzte Solarglas-Standort innerhalb der Europäischen Union wegfallen. Die Gewerkschaft spricht in diesem Zusammenhang von einer vollständigen Abhängigkeit Europas von Importen aus Asien im Bereich Solarglas. Nach Darstellung der Gewerkschaft trifft die Entwicklung vor allem die Belegschaft hart. Anis Ben-Rhouma, stellvertretender Bezirksleiter der IGBCE Lausitz, erklärt: „Nach Monaten voller Hoffnungen, Gespräche, Prüfungen und intensiver Verhandlungen ist das ein schwerer Schlag für die Belegschaft. Die Kolleginnen und Kollegen haben bis zuletzt alles getan, um dieses Werk zu retten.“ Dass der Investor nun aussteige, „lässt die Menschen im Stich und zerstört das Vertrauen, das viele in den Prozess gesetzt haben“.
Die IGBCE kritisiert insbesondere die mangelnde Verlässlichkeit des Investors in den entscheidenden Wochen. Rund 220 Beschäftigte und ihre Familien hätten laut Gewerkschaft auf eine positive Perspektive gebaut. Dieses Verhalten sei „respektlos – und es trifft die Region hart“.
Darüber hinaus wird auch die Bundespolitik deutlich kritisiert. Nach Angaben von Vivian Madeja, Gewerkschaftssekretärin der IGBCE Lausitz, habe es über Monate und Jahre hinweg kein entschlossenes Handeln gegeben: „Wir haben früh und immer wieder gewarnt: Wenn hier nicht Klarheit geschaffen wird, verlieren wir nicht nur Arbeitsplätze, sondern ein strategisches Industrieelement. Doch Berlin hat zu lange gezögert und auf Marktmechanismen gehofft – während der Belegschaft die Zeit weglief.“
Auch der ehemalige Gesellschafter, die indische Muttergesellschaft Borosil, wird in der Mitteilung adressiert. Ben-Rhouma sagt dazu: „Kurzarbeit, dann Insolvenz, dann haut man ab und zieht sich aus der Verantwortung. So geht das nicht! Das werden wir uns alles nicht gefallen lassen und unserer Wut Ausdruck verleihen.“
Protestaktion am Montag
Die IGBCE verweist darauf, dass sie ihre Forderungen für die Glasindustrie zuletzt auf einem Glasforum in Magdeburg gegenüber politischen Vertreterinnen und Vertretern betont habe. Beschäftigte aus Tschernitz hätten daran teilgenommen. Für den kommenden Montag kündigt die Gewerkschaft eine Protestaktion in Tschernitz an. Sie betont, weiterhin eng an der Seite der Beschäftigten zu stehen.
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