Dienstag, 11 Juni 2019 10:06

Treffen zur sozial- und kulturwissenschaftlichen Transformationsforschung

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Netzwerktreffen im Wendischen Haus am 10. Mai Netzwerktreffen im Wendischen Haus am 10. Mai (Foto: Fabian Jacobs / Sorbisches Institut)

„Was kommt nach der Kohle?“ ist derzeit eine dringliche Frage in der Lausitz. Zum Strukturwandel in der Lausitz arbeiten verschiedene ForscherInnen bspw. der BTU Cottbus-Senftenberg, der Hochschule Zittau/Görlitz und des Sorbischen Institutes. Sie wollen intensiver zusammenarbeiten und ihre Forschungsergebnisse stärker einer interessierten Öffentlichkeit präsentieren. Dies wurde (bereits) am 10. Mai auf einem ersten Netzwerktreffen im Wendischen Haus in Cottbus deutlich.

WissenschaftlerInnen sind mit aufgefordert, dringende gesellschaftliche Fragen zu beantworten. Auf einem ersten Netzwerktreffen der regionalen sozial- und kulturwissenschaftlichen Transformationsforschung im Wendischen Haus in Cottbus/Chóśebuz wurde deutlich, dass sich die rund 30 Teilnehmenden  solchen Fragen stellen wollen und auch einige erste Antworten bieten können.

Nach der Begrüßung durch den Direktor des Sorbischen Instituts/Serbski institut, Dr. Hauke Bartels, erörterten die Teilnehmenden die Situation der Sozial- und Kulturwissenschaften in der Region. Bei der gegenseitigen Vorstellung wurde die Vielfalt der Forschungsarbeiten deutlich, die von universitären und außeruniversitären Forschergruppen heute bereits geleistet wird. Das Spektrum der Arbeiten thematisiert Potentiale der wirtschaftlichen Sektoren in der Lausitz, Folgen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt, Konflikte im Zusammenhang mit Migration, die Arbeitsweise und Funktionsfähigkeit von Innovationsnetzwerken, Formen der Bürgerbeteiligung oder die Bedeutung der sorbischen/wendischen Minderheit für die regionale Kultur und Identität in der Lausitz.

Dies sei aber nicht genug. Der Strukturwandel sei als ein gesellschaftlicher Prozess zu verstehen, der alle Bereiche und AkteurInnen der Region umfasst. Ebenso sehr wie technische Innovationen bedarf es sozialer Innovationen, eines durch Sozial- und Kulturwissenschaften getragenen Monitorings und der sensiblen Begleitforschung bis hin zur Politikberatung. In der Region gäbe es teilweise Mythen der Marginalisierung, die durch Zahlen und Fakten (bspw. des Fachkräftemangels und der allgemeinen Entwicklung) so gar nicht mehr haltbar sind, in denen der Strukturbruch der 1990er Jahre aber bis heute fortbesteht.

Sozial- und Kulturwissenschaften müssten sich nicht verstecken, meinten die Teilnehmenden, sondern sind vielmehr selbst eine Ressource regionaler Entwicklung. Sie können daran mitwirken, Reflexionswissen für und mit den handelnden AkteurInnen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu schaffen und damit im besten Falle die Problemlösungskapazität der Region zu erhöhen. Ein Vertreter der Wirtschaftsregion Lausitz bestätigte den Beratungsbedarf auf allen gesellschaftlichen Ebenen und begrüßte die Initiative daher ausdrücklich.

„Viele WissenschaftlerInnen der Region arbeiten bereits zu den verschiedenen Themen und müssen ihre Erkenntnisse mit der Politik und, noch wichtiger, mit der Gesellschaft insgesamt teilen und diskutieren. Hierfür sind dann aber auch die notwendigen Kapazitäten aufzubauen und Ressourcen bereit zu stellen.“ erklärte Dr. Lutz Laschewski, Lehrbeauftragter an der BTU und einer der Mitorganisatoren der Veranstaltung.

Gerade in der Zusammenarbeit gibt es aber noch deutliche Potentiale - die mit dem Treffen begonnene Netzwerkbildung wurde daher von allen Beteiligten begrüßt. Die Teilnehmenden einigten sich auf erste Schritte, um die wissenschaftlichen Arbeiten der sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschergruppen in der Lausitz besser bekannt zu machen und den Strukturwandel in der Lausitz aus interdisziplinärer Sicht zu begleiten. Ebenfalls wurden erste Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Kooperation erörtert. Erste Maßnahmen wie die Idee einer Ringvorlesung an verschiedenen Standorten oder ein Blog zu den wissenschaftlichen Ergebnissen zum Strukturwandel sollen bereits umgesetzt werden.

Zu einem nächsten Netzwerktreffen lädt das TRAWOS Institut für Transformation, Wohnen und soziale Raumentwicklung der Hochschule Zittau/Görlitz zusammen mit dem Interdisziplinären Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau im Herbst nach Görlitz/Zhorjelc ein. Neben der bestehenden Gruppe werden weitere WissenschaftlerInnen dazu eingeladen. Ein drittes Folgetreffen wird für das Frühjahr 2020 anvisiert. Die Tagung wurde durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg, Regionalbüro Cottbus unterstützt.

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