Eisenhüttenstadt Freitag, 05 April 2019 von Redaktion

Stahlwerk in Eisenhüttenstadt bleibt eigenständig erhalten

Stahlwerk in Eisenhüttenstadt bleibt eigenständig erhalten

Wie bekannt wurde, hat der Aufsichtsrat von AcelorMittal entschieden, eine Fusion des Stahlwerks in Eisenhüttenstadt mit dem Standtort Bremen nicht weiter zu verfolgen. Damit kommt der Konzern den Wünschen der Beschäftigten in Eisenhüttenstadt nach, die befürchtet hatten bei einer Fusion Nachteile zu erleiden. Nico Dewachtere wird als neuer Geschäftsführer Finishing in die Geschäftsleitung von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt berufen.

Eisenhüttenstadts Bürgermeister Frank Balzer begrüßt die Informationen aus der heutigen Aufsichtsratssitzung von AMEH. „Es bedeutet erst einmal Stabilität am Standort Eisenhüttenstadt.“ In den nächsten Tagen möchte er auch die neuen Geschäftsführer gern treffen und kennen lernen. „Da Werk und Stadt seit fast 70 Jahren in Symbiose leben, ist die Kommunikation sehr wichtig. Wir können damit weiter mit einem starken Partner vor Ort arbeiten und mit ihm die Zukunft der Stadt gestalten", sagt Bürgermeister Frank Balzer. Er hatte in einem öffentlichen Appell an die Geschäftsführung von ArcelorMittal deutlich seine Sorge über die Zukunft des Werkes Eisenhüttenstadt geäußert und sich für den Stahlstandort frühzeitig engagiert.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Ingo Senftleben, sprach von einer guten Entscheidung im Sinne Eisenhüttenstadts. „In Hütte sind die Weichen jetzt auf Zukunft gestellt. Der Aufsichtsrat hat sich mit der heutigen Entscheidung eindeutig zum Stahlstandort bekannt. Das ist ein wichtiges Signal und ein Erfolg, der dank des engagierten Einsatzes von Belegschaft und Betriebsrat zustande gekommen ist. Jetzt heißt es gemeinsam und konstruktiv die Zukunft des Standortes zu gestalten. In Zeiten von steigenden Energiepreisen, Klimaauflagen und einem immensen internationalen Konkurrenzdruck bleiben die Herausforderungen groß. Hier ist die Politik gefragt ihren Beitrag zur Zukunft der Arbeitnehmer in Eisenhüttenstadt zu leisten. Das gilt für den Bund und das gilt genauso für das Land Brandenburg.“

In einer Mitteilung von ArcelorMittal hieß es vor Kurzem: „Die konkrete Ausgestaltung dieser Organisationsänderungen wird in den kommenden Wochen im Rahmen der Mitbestimmung in den Aufsichtsräten mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert. Erste Vorgespräche dazu haben bereits stattgefunden. ArcelorMittal Eisenhüttenstadt ist ein wichtiger Teil der Flachstahlsparte im Konzern - und dies wird auch in Zukunft so bleiben“, erklärt Geert Van Poelvoorde, CEO ArcelorMittal Europe – Flat Products. Mit den Länder-Clustern sei keine Schließung von Produktionsbereichen geplant, ebenso wenig sei Eisenhüttenstadt als Standort dadurch in Frage gestellt, betont Van Poelvoorde. "Das ArcelorMittal-Werk in Eisenhüttenstadt zählt zu den besten Werken der Gruppe."

Die strategische Ausrichtung des Standortes soll beibehalten werden. ArcelorMittal Eisenhüttenstadt ist ein Premiumlieferant für die Automobilindustrie und Kompetenzzentrum für die Haushaltsgeräteindustrie in Mittel- und Osteuropa.

Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes sind in den vergangenen fünf Jahren Investitionen in Höhe von über 150 Millionen Euro in Eisenhüttenstadt umgesetzt worden. Darunter befanden sich strategische Investitionen, wie die Neuzustellung des Hochofens 5A und die Kapazitätserhöhung des Hubbalkenofens im Warmwalzwerk.

Pierre Jacobs, bisheriger CEO von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, kommentiert: „Gerade in schwierigen Zeiten hat unser Standort Stärke und Flexibilität bewiesen. Ich bin mir sicher, der Stahlstandort Eisenhüttenstadt hat nicht nur eine erfolgreiche Geschichte, sondern eine ebenso erfolgreiche Zukunft.“ Er geht ab Ende April 2019 zurück nach Luxemburg und übernimmt dort neue Aufgaben im Konzern. "Ich war noch nie so lange an einem Standort wie hier. Sieben Jahre und vier Monate. Nirgends vorher habe ich so viel gelernt wie ein Eisenhüttenstadt", sagte Pierre Jacobs, bis Ende April weiter Vorsitzender der Geschäftsführung von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt.

Somit wird es weiterhin eine eigenständige, mehrköpfige Geschäftsführung in Eisenhüttenstadt geben. Mit Wirkung vom 1. Mai 2019 wird Reiner Blaschek neben seiner Funktion als Mitglied des Management-Komitees bei "ArcelorMittal Europe - Flat Products" und CEO von ArcelorMittal Bremen auch für den Standort Eisenhüttenstadt die Verantwortung als Vorsitzender der Geschäftsführung haben. Aus der alten dreiköpfigen Spitze des Unternehmens in Eisenhüttenstadt wird Ralf-Peter Bösler weiterhin in der Geschäftsführung bleiben. Arbeitsdirektor in Eisenhüttenstadt wird Michael Bach. Zudem: Nico Dewachtere wird als neuer Geschäftsführer Finishing in die Geschäftsleitung von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt berufen.

Neben dem Stadtoberhaupt setzten sich zudem die Landesregierung mit Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach sowie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil aktiv, lautstark und öffentlich für den Standort Eisenhüttenstadt ein. "Wir behalten damit die Kontrolle über den Standort weiterhin hier", sagte Betriebsratsvorsitzender Holger Wachsmann. Langfristig seien so eine "gute Entwicklungen und gute Perspektiven weiterhin möglich". 

Foto: CC-BY-SA 4.0; Luftaufnahme ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

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