Landkreis
Oder-Spree Sonntag, 20 Dezember 2020 von Redaktion

Oder-Spree ruft Katastrophenstatus aus. Versorgung nicht mehr gewährleistet

Oder-Spree ruft Katastrophenstatus aus. Versorgung nicht mehr gewährleistet

Im Landkreis Oder-Spree sind derzeit 1.052 Menschen nachweislich mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert. Im Laufe des gestrigen Tages wurden 107 neue Fälle vom Gesundheitsamt erfasst. Die 7-Tage-Inzidenz, die Anzahl der in den letzten sieben Tagen neu gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohner, liegt laut der Daten des Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) bei 403,2. Am Abend hat der Landkreis Oder-Spree in Reaktion darauf eine Großschadenslage ausgerufen und den Katastrophenschutz alarmiert. Der Rettungsdienst des Landkreises kann die medizinische Versorgung von Patienten nicht mehr gewährleisten.

Kumuliert wurden seit Beginn des Pandemiegeschehens 3.044 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Bisher gelten 1.924 Infizierte als geheilt. Wie das Gesundheitsamt meldet, sind vier weitere Personen im Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen verstorben. Damit sind im Kontext mit dem Coronavirus jetzt 68 Todesfälle in Oder-Spree zu beklagen. Zur Reduzierung von Infektionsrisiken hat das Gesundheitsamt für 2.520 Personen Quarantäne angeordnet.

Großschadenslage ausgerufen. Katastrophenschutz alarmiert

Das im Zusammenhang mit dem Coronavirus stehende Infektionsgeschehen im Landkreis Oder-Spree führt zu Personalengpässen, Stationsschließungen sowie zu einer erhöhten Auslastung der Bettenkapazitäten in den Klinken und Pflegeeinrichtungen. Die Verlegung von schwerkranken Covid-19-Patienten in externe Kliniken außerhalb des Kreisgebietes, interne Verlegungen zwischen den Standorten der Kliniken im Landkreis Oder-Spree, Entlastungs- und Dialysefahrten sind dringend erforderlich und führen zu einem stark erhöhten und zusätzlichen Transportaufkommen. Aus der zunehmenden Fallzahl ergibt sich aufgrund der hohen Auslastung der Kliniken, den steigenden Neuinfektionen, der täglichen Patientenzuströme sowie der begrenzten Personalkapazitäten in den Kliniken eine Gefährdung für eine erhebliche Anzahl von Personen. Da die Infektionszahlen stetig zunehmen und mit einer Trendumkehr nicht kurzfristig gerechnet werden kann, ist von einer sich weiter zuspitzenden Situation auszugehen.

Daher wird es erforderlich, auf alle vorhandenen Kapazitäten des Brand-, Zivil- und Katastrophenschutzes zurückzugreifen. Mit Beginn am Montag, den 21. Dezember 2020, 00:00 Uhr wurde daher ein Großschadensereignis festgestellt. Damit wird der Landkreis Oder-Spree durch den Einsatz weiterer Strukturen und Institutionen neben der Mobilisierung aller Reserven des Rettungsdienstes in die Lage versetzt, die Koordinierung der Patientenströme durch die Unterstützung der Einheiten des Katastrophenschutzes mit Transportkapazitäten zu gewährleisten.

Alle einzubeziehenden Einrichtungen und Institutionen wurden über die Feststellung in Kenntnis gesetzt und die benötigten Strukturen des Katastrophenschutzes wurden hochgefahren.

Rettungsdienst kann Versorgung nicht mehr gewährleisten

Der Landrat des Landkreises Oder-Spree, Rolf Lindemann, zeigt sich besorgt: „Die momentane Situation ist so zu beschreiben, dass Patienten aus Krankenhäusern in andere Krankenhäuser verlegt werden müssen, um eine dringende medizinische Notfallversorgung standortnah gewährleisten zu können. Die Verlegung von Patienten zwischen den Krankenhäusern sowie die weitere Transportfähigkeit von Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen zu medizinischen Behandlungen kann nicht mehr länger durch den Rettungsdienst sichergestellt und geleistet werden. Dies hat uns dazu veranlasst, die Großschadenslage für den Landkreis Oder-Spree ab Montagmorgen festzustellen.“

Michael Buhrke, Beigeordneter für Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz des Landkreises Oder-Spree sieht die Feststellung der Großschadenslage als notwendiges Mittel zur Absicherung der weiteren medizinischen Versorgung der Bevölkerung: „Der Rettungsdienst im Landkreis Oder-Spree kann nicht gewährleisten, dass Patienten insbesondere aus den östlichen Krankenhäusern in andere Kliniken im Westen gebracht und gleichzeitig die Notfalleinsätze abgesichert werden können. Im Grunde genommen sind die Krankenhäuser und auch die Intensivstationen vollgelaufen. Es ist auch abzusehen, dass sich diese Lage anhand des gegenwärtigen Infektionsgeschehens in den kommenden Wochen noch weiter zuspitzen wird. Mit der Feststellung der Großschadenslage soll die Versorgung der Alten- und Pflegeheime auf der einen und die Versorgung aller Patienten in den Krankenhäusern und an Unfall- und Einsatzorten des Rettungsdienstes auf der anderen Seite sichergestellt werden.“

Des Weiteren kann der Bereich der ambulanten Versorgung mit Unterstützung des Rettungsdienstes/ Katastrophenschutzes gestärkt werden, um zu verhindern, dass medizinisch nicht zwingend notwendige Krankenhausbehandlungen erfolgen und so die Behandlung von Notfallpatienten beeinträchtigt wird.

Die Kräfte des Katstrophenschutzes sind ehrenamtlich organisiert. Diese Institutionen verfügen über geschultes Personal. Mit der Feststellung der Großschadenslage wird der Landkreis Oder-Spree in die Lage versetzt, auf diese Personenkreise zurückzugreifen und die Versorgung abzusichern. Das Tätigwerden der Hilfsorganisationen wird finanziell durch den Landkreis Oder-Spree abgegolten.

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