Landkreis Inzidenz
Niederlausitz Montag, 09 Juni 2008 von Gerd Laeser

Erkundung per pedes zwischen Egelneiße, Neißeinsel, Gubener Berge und Lubst (Teil I)

Erkundung per pedes zwischen Egelneiße, Neißeinsel, Gubener Berge und Lubst  (Teil I)

Auch bei uns ist es so, dass nicht immer alle Wünsche, Hoffnungen und Vorhaben ihre Erfüllung finden. Das hochsommerliche Wetter, viele unserer treuen Wanderfreunde hatten sicherlich mit Gießkannen schleppen zu tun oder davon einen schmerzenden Rücken, die durch alle Medien geschürte Euphorie der beginnenden Fußball-EM (jetzt gibt es schon eine Todesgruppe mit Todeskandidaten!!!), die teilweise große Verunsicherung wegen der hohen Waldbrandgefahr und auch die vielen Feten und Feste in Stadt und Land sowie nicht zuletzt die drastischen Preise für Benzin und Diesel führten wohl dazu, dass das Interesse an unserer Wanderung „Auf Mühlentour durch’s Dahmetal“ sehr gering war, so dass wir uns kurzfristig veranlasst sahen, diese Tour ausfallen zu lassen. Deshalb hieß es aber für uns, Die Niederlausitzer Wandergurken, noch lange nicht, die Beine hoch legen zu können. Große Dinge harren noch ihrer Vorbereitung...
Angeregt durch einen Beitrag des bekannten Gubener Heimatforschers Karl Gander in dem Buch „Die Provinz Brandenburg in Wort und Bild“ (erschienen 1900 im Verlag von Julius Klinkhardt Berlin W9 und als Reprint neu aufgelegt im Weltbild Verlag GmbH 1998) planen wir nämlich für Sonntag, den 27. Juli 2008, eine Wanderung durch das Guben um oder von 1900, zumindest historisch-geographisch gesehen, in dem Gebiet zwischen Egelneiße, Neißeinsel, Gubener Berge und Lubst. Und diese Tour wollen wir natürlich besonders gut vorbereiten, wozu auch gehört, dass wir die Strecke zuvor abwandern und dabei in Augenschein nehmen. Zugegeben: Vor unserer Zeit als „Die Niederlausitzer Wandergurken“ wussten wir über die heutige Doppelstadt westlich und östlich der Neiße auch nur so viel, wie die meisten anderen Leute auch, nämlich sehr wenig. Wir wussten, dass der älteste Stadtteil von Guben im Ergebnis des Postdamer Abkommens 1945 durch die Grenzziehung zu Polen kam und ab da Gubin hieß, dass fast alle öffentlichen Gebäude der Stadt in diesem Teil der Stadt lagen und diese im 2. Weltkrieg größtenteils in Schutt und Asche fielen und dass in diesem Teil der Stadt, weil mal gelernt oder gehört, auch das Geburtshaus von Wilhelm Pieck, dem 1. Präsidenten der DDR, stand...
Als Erstes schrieben wir den Beitrag von Karl Gander aus dem dicken Buch ab und ließen uns von Herrn Andreas Peter, dem Gubener Verleger (Niederlausitzer Verlag) ein Reprint des Verkehrsplanes der Stadt Guben von 1927 schicken (ISBN 3-935881-23-3) – übrigens auch erhältlich bei der Gubener Tourist-Information in der Frankfurter Straße. Wir sammelten und archivierten Pressebeiträge der Lausitzer Rundschau und des Märkischen Boten (Die Grüne Heimatzeitung) und studierten immer wieder die Karte – verglichen die Darstellungen mit der heutigen Topographischen Karte L 4154 Guben 1:50.000 vom LGB Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg ISBN 3-7490-3906-2) sowie einer alten Crossener Kreiskarte von 1900. Wir fanden auf dem genannten alten Gubener Verkehrsplan von 1927 Routenvorschläge für Stadtwanderungen, an denen wir uns orientierten und eine davon auch für unsere Route mit Ergänzungen auswählten! Das detaillierte Studium von Luftbildern, per Satellit aufgenommen und übertragen, mittels Google Earth bzw. Google Maps im Internet, ergänzte unsere Recherchen und rundete diese ab. Wie immer bei unseren Erkundungs- und Wandervorbereitungen hatten wir die Worte Theodors Fontane im Kopf, der bereits 1864 im Vorwort seiner Zweiten Auflage der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ schrieb: „Wer in der Mark reisen will, der muss zunächst Liebe zu „Land und Leuten“ mitbringen, mindestens keine Voreingenommenheit. Er muss den guten Willen haben, das Gute gut zu finden, anstatt es durch krittliche Vergleiche tot zu machen...
Der Reisende in der Mark muss sich...mit einer feineren Art von Natur- und Landschaftssinn ausgerüstet fühlen. Es gibt gröbliche Augen, die gleich einen Gletscher oder Meeressturm verlangen, um befriedigt zu sein. Diese mögen zu Hause bleiben. Es ist mit der märkischen Natur wie mit manchen Frauen. „Auch die hässlichste – sagt das Sprichwort – hat immer noch sieben Schönheiten.“ Ganz so ist es mit dem „Lande zwischen Oder und Elbe“; wenige Punkte sind so arm, dass sie nicht auch ihre sieben Schönheiten hätten. Man muss sie nur zu finden verstehen. Wer das Auge dafür hat, der wag’ es und reise...Wenn du reisen willst, musst du die Geschichte dieses Landes kennen und lieben. Dies ist ganz unerlässlich...Du musst nicht allzu sehr durch den Komfort der „großen Touren“ verwöhnt und verweichlicht sein.
Für die Mark Brandenburg haben wir bei Th.F. einfach mal gedanklich die Niederlausitz eingesetzt, für die Oder die Neiße und für Reisen als Fortbewegungsart Wandern gewählt. Und siehe da: Das was Fontane über „reisen in der Mark“ bereits 1864 aufschrieb, das trifft auch auf das Wandern in der Niederlausitz 2001 immer noch zu, vielleicht mehr denn je. So vorbereitet und „mental gerüstet“ konnten wir uns nun am vergangenen Sonnabend, den 7. Juni, auf den Weg machen vom Spreewald in die Neißestadt und in die Gubener Berge...
(Neben stehendes Foto: An der Egelneiße)
(Teil II – morgen Dienstag, den 10.06.08)

Die neue Fußgängerbrücke von Guben zur Neißeinsel auf der polnischen Seite - eine Brücke (noch) ohne Namen. Wir nennen sie für uns einfach Insel-Freundschaft(s)-Brücke.

Blick von den Gubener Bergen (heute) auf das Neißetal und die Stadt

Das wieder errichtete alte Gubener Rathaus (heute Haus der Kultur) - dahinter der Turm der noch zerstörten Stadt- und Hauptkirche von Guben - welche Symbolkraft für das Heute und Morgen

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