Die Diskussion über die Neuordnung der südbrandenburgischen Hochschullandschaft nimmt für Öffentlichkeit und Wirtschaft aufgrund der Polarisierungen unerträgliche Züge an. Die Art und Weise der vom Wissenschaftsministerium angestoßenen Debatte über eine Fusion der BTU Cottbus und der Hochschule Lausitz widersprach von Anfang an einem konstruktiv-kritischen Dialog. Die Hochschulen selbst haben leider auch nicht zu diesem Dialog gefunden.
„Die Hochschuldebatte muss endlich vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Zunächst gilt es Inhalte, Prioritäten und Finanzierung zu klären. Danach stellt sich die Frage, welche Organisationsform die richtige zur Zielerreichung ist, ob Kooperation, Integration oder Fusion durch Neugründung. Grundlage einer solchen Entscheidung muss der Hochschulstrukturplan des Landes Brandenburg sein. Der zweite Schritt darf nicht vor dem ersten getan werden“, so Dr. Hermann Borghorst, Vorsitzender der WiL.
Für Lausitzer Unternehmen sind die Hochschulen ein wichtiger positiver Standortfaktor. Zwei zentrale Erwartungen haben die Unternehmen:
1. Die Sicherung von Fachkräften, vor allem auch für kleinere und mittlere Unternehmen.
2. Die Entwicklung und der Transfer von Innovationen in der Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen.
Um diese Erwartungen zu erfüllen, ist der Bologna-Prozess grundsätzlich geeignet. Die Umsetzung bedarf allerdings einer Überprüfung. Die vier Ebenen von Ausbildung und Kompetenzerwerb (Bachelor, praxisorientiert und wissenschaftsorientiert, Master, Forschung/ Promotion und Weiterbildung) sind stärker als bisher auf die Nachfrage und die Praxis von Unternehmen, von Verwaltung und Gesellschaft zu orientieren. Die Unternehmen brauchen nicht nur Hochschulabsolventen sondern Persönlichkeiten, die den Herausforderungen des unternehmerischen Alltags gewachsen sind. Bildung, selbstständiges und kreatives Arbeiten und Führungsverantwortung sollten stärker in den Mittelpunkt einer guten Lehre gerückt werden.
Die BTU Cottbus und die Hochschule Lausitz können unter folgenden Aspekten Modellcharakter bekommen (Lausitzer Modell):
1. Gemeinsame Prioritätensetzung auf für die Region strukturell wichtige und finanzierbare Studiengänge. Mut zur Konzentration auf mehr Qualität statt Breite und Quantität.
2. Lehrinhalte von Bachelor und Master so gestalten, dass gute Lösungsansätze für die Verbindung einer starken Fachkompetenz mit einer starken sozialen Kompetenz möglich werden (u.a. durch internationale Studiengänge).
3. Modellprojekt „Regionale Vernetzung der Hochschulen mit KMU“, um Personal- und Innovationstransfer beispielhaft, nachhaltig und in aller Breite zu praktizieren. Auch kleineren Unternehmen muss der Weg zu den Hochschulen geebnet und erleichtert werden.
4. Die Lausitzer Hochschulen haben eine gute Chance eine „Gründerhochschule“ zu werden. Existenzgründungen sind ein wichtiges Standbein für die strukturelle Entwicklung der Lausitzer Wirtschaft. Die Selbständigenquote ist unterdurchschnittlich.
5. Die Sicherung von Fachkräften und Innovationen für die Region bedeuten gleichzeitig Forschung auf hohem Niveau (einschließlich außeruniversitärer Forschungseinrichtungen) sowie überregionale und internationale Verflechtungen und Ausstrahlung der Lausitzer Hochschulen.
„Die Wirtschaftsinitiative Lausitz erwartet von der Landesregierung einen offenen Dialog zur Zukunft der Hochschulen im Land, eine klare Aussage zur Planungssicherheit und Finanzierbarkeit der Hochschulen, insbesondere auch der BTU Cottbus und der Hochschule Lausitz. Ein offener inhaltlicher Zukunftsdialog kann zur dringend erforderlichen Schadensbegrenzung beitragen“, so Dr. Borghorst.
Quelle: Wirtschaftsinitiative Lausitz e.V.
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