Nachbarn Mittwoch, 11 September 2019 von Margit Jahn

Folklorum 2019: Drei Tage Festival auf dem schönsten Platz der Welt

Folklorum 2019: Drei Tage Festival auf dem schönsten Platz der Welt

Nun ist es wieder Geschichte, das Folklorum, welches in jedem Jahr Tausende von Besuchern an die romantisch fließende Neiße, vor den Toren von Görlitz anzieht. Ist es an gewöhnlichen Tagen schon ein Erlebnis in diesem liebevoll-verrückten Park unterwegs zu sein, ist der Höhepunkt just zum Folklorum, wenn es an all den ungewöhnlichen Orten ungewöhnlich interessante und schöne Musik auf 18 Bühnen auf die Ohren gibt, und die Menschen an allen Orten in eine verzückte Stimmung geraten.

Der Freitagabend begann sonnig und war in diesem Jahr rein musikalisch gesehen etwas experimentell ausgelegt. Nach dem traditionellen großen Eröffnungsspektakel konnte „Tuba Libre“ sich unüberhörbar auf der Bühne so richtig austoben. „Afrotuba“, „Anderes Holz“, „Linda und die lauten Bräute“ waren unter anderem zu erleben. Nach der großen Silberhochzeit im vergangenen Jahr wurde der Gürtel offensichtlich etwas enger geschnallt, und das musikalische Angebot etwas rarer, als das sonst am Freitagabend war. Dies hatte aber auch den Vorteil, das man sich nicht zerteilen musste. Zu den Dragoner Feuerteufeln gesellten sich am Freitagabend die polnischen Freunde und gestalteten das Programm mit. Das war alles sehr gut choreografiert, und kam zur späten Stunde auf der Neißewiese beim Publikum sehr gut an. Das der Herbst vor der Tür steht merkte man an diesem Abend besonders, denn eine dicke Jacke war während des Rundganges auf dem weitläufigen Areal anschließend von Vorteil.

Der Sonnabend begrüßte mit etwas mürrischem Wetter die Festivalteilnehmer, die sich aber fix mit Regenschirmen oder Regenjacken, wer sie nicht zu Hause vergessen hatte, bewaffneten. Gute Laune gab es dann spätestens vom „Kaos Kinderzirkus“, „Ndugu Kina“-Mitmachtänze, oder auf der Märchenbühne mit verschiedenen Geschichten. Feine handgemachte Musik auf Sitar, Dutar, Pipa und anderen exotischen Instrumenten brachte Krishn Kypke mit, die Anekdoten zur einen oder anderen Geschichte um seine Reisen hatte er gleich im Gepäck mit dazu. Die Post ging am Abend in der Hallenbühne bei „Negra Santa“ab. Es wurde bis zum umfallen getanzt, trieben die argentinischen Beats bis in die letzten Hirnspitzen und gaben das Signal an die Füße ab. Erstaunlich auch die Kondition der Band, die fast nahtlos vom einen in den anderen Titel überspielten. Hier war an Pausen weder für die Musiker, noch für die Tänzer zu denken. Das war grandios und phänomenal klasse.Wer mehr auf Abenteuer Lust hatte, der konnte sich beim Einbootrennen direkt an der Neiße anmelden und mitmachen. Mutige gab es genug, die sich, in wenigen Fällen sogar, nur mit Lendenschutz bekleidet, mit Partner in das Einboot setzten, warteten bist ein paar kräftige Männer dieses in die Höhe zog, um dann mit voller Pulle in die Neiße zu stürzen. Aufgabe war, beim Einbootduell, Holzfische aus der Neiße mitzubringen, die dann gewertet wurden. In der Aufregung gab es auch ein paar Kratzer auf dem Kopf, die Fische machten sich irgendwie selbständig, denn statt zu schwimmen, flogen sie durch die Luft, was aber am Ende gut ausging.Wer bis in das weite Dorf Bielawa Dolna schauen wollte, konnte sich mit dem kleinen bunten Bähnchen, entlang am Ritterlager, welches Ritterkämpfe hoch zu Pferde vortrug, den Weg abkürzen. Wer gewöhnlich Probleme mit seinem Schrittzähler hat, hat an diesem Wochenende mindestens für eine ganze Woche sein Soll erfüllt.

Das Hauptmotto des Festivals war „Holzgesang“, wo Instrumente aus Holf eine besondere Rolle gespielt haben. Egal ob bei auserwählten Musikkonzerten, Turisedischen Festspielen oder Unterschiedlichen Workshops – für jeden war hier an diesem Wochenenden etwas dabei. Meine sympathischen Zeltnachbarn, meinten auf die Frage, was ihnen denn besonders gut gefallen habe, sie hätten am Sonnabend gar nicht so viel mitbekommen, denn sie hätten „gearbeitet“. Und wo? Damit meinten sie, das sie auf dem großen Feld nach dem Schatz gegraben haben, welcher dort in Form von tief in der Erde versteckten gefüllten Blechdosen, vergraben lag.Ansonsten lobten sie die Workshopangebote, und waren von Ihnen begeistert. Dok Fritz spontan beim Folklorum dabei, verzückte eine prall gefüllte Waldbühne mit Volksliedern, modern aufgemacht, oder in seinem Sinne geändert. Lachend erzählte er von seiner Weltanschauung, Dinge zu ändern, die ihm nicht gefallen, oder die er auch nicht verstanden hätte.

Da die meisten der zumeist jungen Besucher absolut textsicher waren, machte es einfach nur Spaß mit ihm die alt überlieferten Weisen, begleitet auf Gitarre und Mundharmonika, zu singen.“Das unser Kulturgut, welches wir haben, in die rechte Ecke rutscht, finde ich voll Scheiße“sagte er und sorgte damit für donnernde Beifallsbekundungen. Das gesamte Areal des geheimen Landes Turisede ist gleichzeitig ein kleiner Tierpark. Überall konnten die Kinder große und kleine Tiere entdecken, Ob die lustig frechen Erdmännchen auf dem Dach, Ziegen, Pferde, Schafe, Hühner, Papageien oder dem Kamel, welches am Sonntag extra fein herausgeputzt wurde, und bei der Bürstenmassage seines Pflegers besonders genießerisch still hielt. Das war schon ein wenig beneidenswert.

Auch an drei Tagen kann man beim besten Willen nur die Hälfte vom Programm erleben, wenn überhaupt. Ein leiser Genuss und auch Abschied von der Insel war für viele das Konzert des Duos Jaondo. Dahinter steckt der Musikvirtuose auf Pantam und Marimba, sowie die Violinenprinzessin Katharina Guhlmann. Beide, ansonsten Solokünstler, Musiker boten den Besuchern der großen Bühne ein Konzert der Extra Klasse mit ihren wunderbaren Instrumenten, aber auch begleitenden Stimmen dazu. Nach der Vorstellung der Instrumente sagte Florian:“Jetzt schauen wir was weiter passiert“. Damit meinte er, das all die Titel voll improvisiert werden, sich die Künstler von Stimmung und Gefühl leiten lassen. Deshalb sind auch die angebotenen CD´s, die nach dem Konzert im Handumdrehen ihre Besitzer wechselten, wieder etwas völlig Neues. Ein wenig erinnerte das Konzert, an die Jungs von Yatao, die damals, 2016, im Zauberwald auf Handpan und Didgerido, die Menschen träumend auf dem Waldboden liegend, in andere Sphären geleiteten. Das hätte man bei dem Konzert dieser beiden Musiker auch zu gern gemacht.

Am Ende hat man einfach nur unendlich viele Bilder im Kopf, mit Erinnerungen die unvergessen sind und bleiben. Ehe sie alle verarbeitet sind, heißt es dann schon wieder: auf zum nächsten Folklorum, welches vom 4. bis 6. September 2020 stattfinden wird.

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