Luckau Sonntag, 20 September 2020 von Redaktion

Künstler und Gäste feiern Finissage zum Ausstellungsende

Künstler und Gäste feiern Finissage zum Ausstellungsende

Festliches Finale für die SPEKTRALE: Mit einer Open-Air-Finissage ging die mittlerweile zum neunten Mal durchgeführte Kunstausstellung im Landkreis Dahme-Spreewald am gestrigen Donnerstagabend zu Ende. Gäste und Künstler nutzten die kulturell umrahmte Abschlussfeier auf dem Schlossberg in Luckau, um noch einmal auf das inmitten der Corona-Pandemie Geschaffene zurückzublicken. Vom 17. Mai bis 17. September konnte brandenburgische Gegenwartskunst in der Luckauer Altstadt und im hiesigen LAGA-Park betrachtet werden. Zwölf Künstler aus Brandenburg und Berlin hatten sich dafür des diesjährigen Kulturland-Themas „Krieg und Frieden“ angenommen. Innerhalb der SPEKTRALE 9 stellten sie sich die Frage „Flüchtlinge – ein zeitloses Feindbild?!“ und haben in der kritischen Auseinandersetzung − nicht nur mit den Folgeerscheinungen der unmittelbaren Kriegs- und Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges − Antworten mit ihren Kunstobjekten und sozial engagierten Kunstpraktiken gefunden.

Verleihung des Kunstpreises "Spektra"

Höhepunkt der offiziellen Finissage war die Verleihung des diesjährigen Kunstpreises „Spektra“. Spektrale-Kurator Herbert Schirmer gab die Entscheidung der Fachjury in seiner Laudatio mit folgenden Worten bekannt: „Mit ‚Desire Lines‘ hat Birgit Knappe ein überzeugendes Sinnbild geschaffen, das darauf verweist, dass zu allen Zeiten Flüchtlinge nicht willkommen waren, als Bedrohung empfunden wurden. Die Jury hat sich in Ihrer Entscheidung zunächst von dem ausgewogenen Verhältnis von Künstlerischem, Politischem und Sozialem leiten lassen. Als gelungen wertete sie vor allem die Einbeziehung der landschaftlichen Umgebung, die Verbindung von natürlichen und gebauten Gegebenheiten sowie die aus dem Kulturland-Brandenburg-Thema ‚Krieg und Frieden‘ 2020 hergeleitete zeitlose Aussage zu den andauernden Erscheinungen von Flucht und Vertreibung“.

Die „Spektra“ geht in diesem Jahr an die Michendorfer Künstlerin Birgit Knappe für ihre „Desire Lines − Wunschwege“, eine als Holz-Metall-Installation gefertigte blaue Tür-Skulptur an der Luckauer Stadtmauer mit drei hinführenden Pfaden. Die bereits mit dem Brandenburger Kunstpreis ausgezeichnete Bildhauerin und Kunstpädagogin war sichtlich überrascht und bedankte sich für die würdevolle Ehrung. Knappe: „Mein Kunstwerk steht auch für die Wahlfreiheit jedes Einzelnen: Will ich ein Ziegelstein oder eine Türklinke sein?“. Der Preis ist mit 1.500 Euro dotiert. Außerdem erhielt Birgit Knappe die extra für die Spektrale geschaffene Glasskulptur „Spektra“. Angefertigt wurde die gläserne Skulptur von der Glaskünstlerin Beate Bolender aus Kasel-Golzig.

Gratulationen und Anerkennung für die Künstlerinnen und Künstler der diesjährigen SPEKTRALE gab es neben dem Kurator auch von Dahme-Spreewald-Kulturdezernent Carsten Saß, Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann, LAGA-Geschäftsführerin Maja Jentsch und Christian Müller-Lorenz, Projektmanager bei Kulturland Brandenburg. Saß: „Trotz eines für aufgrund der Corona-Einschränkungen schwierigen Kulturjahres haben die SPEKTRALE-Künstler eine durchweg beeindruckende Performance geboten. Sämtliche Werke und ungewöhnlichen Aktionen sorgten nicht zuletzt aufgrund ihrer künstlerischen Qualität für eine bereite Wahrnehmung − weit über Stadt- und Kreisgrenze hinaus. Für dieses Engagement gilt allen teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern mein herzlichster Dank“. Besonders anerkennend hob der Kulturdezernent die beiden Kunstprojekte mit Schülern der Rosa-Luxemburg-Grundschule und des Bohnstedt-Gymnasiums in Luckau hervor.

Zwölf Standorte konnten besucht werden

Die unterschiedlichsten Installationen und Kunstwerke der SPEKTRALE 9 konnten an insgesamt zwölf Standorten unter überwiegend freien Himmel im Stadtgebiet von Luckau besucht werden – so etwa in und an der Kulturkirche, entlang des Stadtgrabens oder im LAGA-Park. Teilgenommen haben folgende Künstlerinnen und Künstler (Werk-Titel): Marietta Thier, Lübben („Sie wussten nicht, ob sie leben oder sterben“); Nele Probst, Berlin („Lebensbaum“ und „Schiff transparent“); Micha Brendel, Hohendorf („Gras über die Sache wachsen lassen“); Astrid Köppe, Berlin („Verwurzelt – Entwurzelt“); Anja Rudolph und Rainer Görß, Berlin/Brandenburg („Weltenbaum“ in Zusammenarbeit mit dem Bohnstedt-Gymnasium); Birgit Knappe, Michendorf („Desire Lines – Wunschwege“); Hans Scheib, Berlin/Brandenburg („IO, Plastik“); Roland Boden, Berlin („Auslöschung“); Catrin Große, Doberlug-Kirchhain („Unter anderen Umständen“); Jost Löber, Groß Pankow („Offene Arme“) und Roland Schefferski, Berlin („Ich bin fremd“).

Zur Finissage fanden die Künstler und die Gäste trotz einzuhaltender Abstands- und Hygieneregeln viel Gefallen am gebotenen Unterhaltungsprogramm auf der Freilichtbühne. Dort präsentiere die Theaterloge Luckau die am SPEKTRALE-Thema orientierte Inszenierung „Geschichten aus der Luckauer Nachkriegszeit“. Zudem wurden improvisierte Piano- und Saxophonklänge des Duos Jacek Fałdyna und Søren Gundermann geboten. Zum Ausklang des Abends gab es eine Filmvorführung des DEFA-Klassikers „Die Abenteuer des Werner Holt“ (1965).

Veranstalter der SPEKTRALE 9 waren der Landkreis Dahme Spreewald und die Stadt Luckau, gefördert von Kulturland Brandenburg 2020 und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Mit freundlicher Unterstützung durch die LAGA 2000 Luckau gGmbH, die Kulturkirche Luckau, das Bohnstedt-Gymnasium, die Rosa-Luxemburg-Grundschule und die Lausitzer Rundschau. Die Kunstausstellung SPEKTRALE findet im jährlichen Wechsel mit der aquamediale statt. Die nächste SPEKTRALE findet voraussichtlich von Mai bis September 2022 im Landkreis Dahme-Spreewald statt.

 

Foto: Christian Hentschel/LDS

pm/red

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