Cottbus Samstag, 07 März 2020 von Redaktion

Gut ausgebildete Frauen im Handwerk: "Wir schnaufen alle gleich!"

Gut ausgebildete Frauen im Handwerk: "Wir schnaufen alle gleich!"

Der Friseurberuf steht zwar noch unangefochten auf Platz Eins der Top-Berufe für Frauen, in vielen Bereichen wird das Handwerk jedoch weiblicher. Junge Frauen wählen auch Berufe wie Kfz-Mechatronikerin, Malerin und Lackiererin oder Schornsteinfegerin. Stellvertretend für alle erfolgreichen Frauen im Handwerk steht Stefanie Menner, die sich nach dem Abitur für eine Ausbildung zur Malerin und Lackiererin entschieden hatte.

Vor etwas mehr als acht Jahren – im Januar 2012 – war Stefanie Menner der "Lehrling des Monats" bei der Handwerkskammer Cottbus (HWK). Mit einem sehr guten Abiturschnitt hatte sich die junge Frau damals für eine Ausbildung im Handwerk entschieden und diese sogar um ein halbes Jahr verkürzt. Mittlerweile hat sie außerdem die Meisterausbildung sowie ein Fernstudium für Innenarchitektur und Raumgestaltung absolviert.

"Ich wusste, dass es gut ist, gleich nach der Ausbildung mit dem Lernen weiter zu machen. Wenn erst eine Familie da ist, hat man damit voll zu tun. Die Meisterschule hat mir wesentliches Hintergrundwissen geliefert. Ich betrachte Arbeitsabläufe ganz anders, kann wirtschaftlicher denken und weiß durch die Kalkulation, welche Kosten für den Arbeitgeber durch Verzug entstehen." Neben dem Beruf meistert Stefanie Menner auch die eigene Familie: "Mein Sohn ist mittlerweile viereinhalb Jahre alt. Ich fange bereits um 6.30 Uhr mit der Arbeit an, habe dafür aber die Möglichkeit, eher zu gehen und Zeit mit der Familie zu verbringen. Auf diese Flexibilität, die mir in diesem Unternehmen geboten wird, bin ich sehr stolz." Derzeit saniert die 30-jährige mit einem weiteren Kollegen über 20 Wohnungen für Studenten. Verputzen, Tapezieren, Fußbodenbeläge und sämtliche Malerarbeiten gehören zu den Aufgaben auf dieser Großbaustelle. Einen Unterschied zwischen sich und ihren männlichen Kollegen sieht sie nicht. "Wir schnaufen alle gleich, wenn wir die Farbeimer oder Putzsäcke in die fünfte Etage hochtragen", schätzt sie lächelnd ein. "

Aber natürlich spüre ich auch meine Arme, wenn ich den ganzen Tag Wände glatt geschliffen habe." Größtenteils sind es aber Privatkunden, für die Stefanie Menner allein verantwortlich ist. "Das Management liegt mir. Ich muss immer aktiv sein und würde diesen Beruf immer wieder ergreifen. Der Vorher-Nachher-Vergleich überzeugt mich jeden Tag. Zu sehen, was ich mit den Händen geschaffen habe, macht einfach zufrieden", betont die Maler- und Lackierermeisterin.

Hintergrund:

Nach wie vor an der Spitze der beliebtesten Berufe bei jungen Frauen – wenn auch mit fallender Tendenz – steht der Friseur. 52 Mädchen haben sich 2019 für diese Berufsausbildung entschieden.

Zunehmend beliebt sind jedoch auch bisher typische Männerberufe:

  • Kfz-Mechatronikerin (17)
  • Malerin und Lackiererin (7)
  • Fahrzeuglackiererin (6)
  • Orthopädietechnik-Mechanikerin (5)
  • Zimmerin (3)
  • Dachdeckerin (2)

Alle freien Lehrstellen unter: www.hwk-cottbus.de/lehrstellen

Bild: Maler- und Lackierermeisterin Stefanie Menner. - Foto: HWK Cottbus

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