Cottbus Samstag, 09 November 2019 von Redaktion

Frauenporträt Schwester gewinnt Hauptpreis beim FilmFestival Cottbus

Am Abend des 9. November wurden bei der Preisverleihung im FESTIVALZentrum Stadthalle die Gewinner des 29. FilmFestival Cottbus gekürt. Der Hauptpreis für den Besten Film geht an den bulgarischen Film SESTRA | SCHWESTER von Svetla Tsotsorkova. Über den Spezialpreis für die beste Regie freut sich Teodor Kuhn für seinen emotionalen Spielfilm OSTRÝM NOŽOM | MIT EINEM SCHARFEN MESSER. Den Preis als herausragende Darstellerin erhalten erstmalig gleich fünf Schauspielerinnen: Die Internationale Jury vergibt ihn an die gesamte weibliche Besetzung von SHPIA E AGËS | AGAS HAUS von Lendita Zeqiraj. Der Schauspieler Alban Ukaj überzeugte die Jury in PUN MJESEC | FULL MOON und erhält den Preis als herausragender Darsteller. Neben den vier begehrten LUBINAS in diesen Kategorien vergab das FFC Preise im Gesamtwert von mehr als 75.000 Euro. Erneut kamen 22.000 Besucher zu den Film- und Rahmenprogrammveranstaltungen des Festivals. 

Die komplette Preisverleihung kann im Titelvideo noch einmal angeschaut werden.

„Die Filme des 29. FilmFestival Cottbus haben Branchengäste und Kinozuschauer mit stilistischer Vielfalt und analytischer Schärfe in ihren Bann gezogen. Mit den ungewöhnlichen Blickwinkeln, mit denen das osteuropäische Kino seine Geschichten erzählt, reflektiert es 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs pointiert soziale, historische und persönliche Erfahrungen. Damit mischt es sich erfrischend ehrlich und emotional berührend in die aktuellen Diskussionen über relevante Themen ein. Die Jurys belohnten mit ihren Entscheidungen den Mut zu stilistischer Grenzüberschreitung, kollektiver Leistung und der Freude an einem Dialog, der schwierige Themen offen anspricht und damit die gesamte Gesellschaft mitnimmt“, kommentiert FFC-Programmdirektor Bernd Buder. 

Den Hauptpreis für den Besten Film im Wettbewerb Spielfilm des 29. FilmFestival Cottbus, dotiert mit 25.000 EUR, gestiftet von der Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten (GWFF), gewinnt SESTRA | SCHWESTER (BG/QA 2019). Regisseurin Svetla Tsotsorkova zeigt mit diesem Film ein bildsprachlich eindrucksvolles, konfliktreiches Familienporträt. 

Die Internationale Festivaljury, bestehend aus Sergey Dvortsevoy (Russland), Luli Bitri (Albanien), Péter Muszatics (Ungarn), Marija Perović (Montenegro) und Peter Badel (Deutschland) begründete ihre Entscheidung wie folgt: „Wenn ein Film dem Kino das gibt, was das Kino am meisten liebt, dann ist die Begeisterung des Publikums und der Jury die gleiche: Es geht um faszinierende Porträts, soziale und persönliche Konflikte und viele kleine Einfälle, die die Hauptfigur kontinuierlich in den Film einbringt.  Drei Frauen unterschiedlichen Alters suchen ihre Position in der Gesellschaft und begegnen einem Autoschrauber. Auf außergewöhnliche Weise entsteht eine Alltagsgeschichte, die prächtig fotografiert ist, den Betrachter intensiv zum Erleben einlädt und jedem Charakter einen eigenen filmischen Raum gibt.“ 

Den Spezialpreis für die Beste Regie im Wert von 7.500 Euro, gestiftet vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), gewinnt Teodor Kuhn mit OSTRÝM NOŽOM | MIT EINEM SCHARFEN MESSER (SK/SZ 2019). „Die Regie dieses Films beweist eindrucksvoll, dass die Auseinandersetzung mit einem brisanten Thema nicht dazu führen muss, dass ein Spielfilm auf Kosten der Emotionalität Tatsachen außen vor lässt. Überzeugende Team- und Schauspielerleistung machen diesen Film zu einem filmischen Erlebnis und einem gesellschaftlichen Zeichen der Zeit“, begründete die Jury.

Mit dem Preis für eine herausragende Darstellerin, gestiftet von der Stadt Cottbus in Höhe von 5.000 EUR, würdigt die Jury die Leistung der gesamten weiblichen Besetzung des Films SHPIA E AGËS | AGAS HAUS (KO/HR/FR/AL 2019). In der Jurybegründung heißt es: „Für das Schauspielerinnenensemble von AGAS HAUS – für ihre äußerst kraftvolle, lebendige und detailreiche Darstellung in einem Film, der die dramatischen Veränderungen eines Balkanlandes auf vielfältige Weise widerspiegelt.“

Den Preis für einen herausragenden Darsteller, dotiert mit 5.000 Euro und gestiftet von der Sparkasse Spree-Neiße, erhält Alban Ukaj. Er überzeugte die Jury in der Cottbuser Weltpremiere von PUN MJESEC | FULL MOON (BA 2019) in seiner Rolle als Polizist Hamza, der sich dazu entscheidet, aus dem korrupten Zirkel auszusteigen. Die Jury verkündete: „Für Alban Ukaj – für sein organisches und sehr präzises Spiel eines komplizierten Charakters.“

Im Wettbewerb Kurzfilm setzte sich der Beitrag FRANKA | FRANKA von Mitriy Semenov-Aleynikov durch. Der belarussische Beitrag gewinnt den mit 2.500 EUR dotierten Hauptpreis, gestiftet von Druckzone, Cottbus. Die Jury – bestehend aus Cinedays Festival-Leiterin Margarita Arsova, Regisseur Hilal Baydarov und Schauspieler Jascha Rust – verkündete: „Dieser Film hat eine so intensive Bildsprache, eine rohe Schönheit, verspielt, von leicht fröhlich bis schwer erdrückend, von Schwarz-Weiß bis Farbe, von Hass, Liebe, Angst bis Sehnsucht, dass die eigene Gefühlswelt auf den Kopf gestellt wird. Es ist eine große Freude, den Schauspielerinnen und Schauspielern zuzuschauen, den inneren Kampf von Rachegedanken, Mitleid und Nächstenliebe zu erleben und sich selbst am Ende des Films einer schwierigen Gewissensfrage konfrontiert zu sehen.“

Der rumänische Regisseur Adi Voicu sicherte sich mit ULTIMUL DRUM SPRE MARE | EINE LETZTE REISE ZUM MEER den Spezialpreis in Höhe von 1.500 EUR, gestiftet von Tiede+. Die Kurzfilm-Jury erklärte: „Wir alle haben Vorurteile, wir alle liegen damit meist falsch und die beste Art und Weise damit umzugehen ist der Humor. Dieser Film fängt genau das ein, er ist amüsant, regt zum Nachdenken an, ohne den Zeigefinger zu erheben und lässt uns am Ende erkennen, dass wir doch eigentlich alle im selben Zug sitzen.“ 

Schüler aus Polen, Tschechien und Deutschland bildeten die sechsköpfige Jury für den U18 Wettbewerb Jugendfilm. Sie kürten den slowakischen Film NECH JE SVETLO | ES WERDE LICHT zum Gewinner. Regisseur Marko Škop erhält den mit 3.000 EUR dotierten Preis für den besten Jugendfilm, gestiftet von der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG). Zu ihrer Entscheidung sagte die Jury: „Wir haben uns für diesen Film entschieden, weil er uns die komplizierten Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern geschickt gezeigt hat. Die Schauspieler spielten die Emotionen in einer sehr glaubwürdigen Form. Wir schätzen es, dass der Film auf die besonderen Situationen und Einstellungen in einer kleinen Dorfgemeinschaft hinweist.“

Im Rahmen des 29. FilmFestival Cottbus wurden weitere Preise vergeben: Den DIALOG-Preis für die Verständigung zwischen den Kulturen, gestiftet vom Auswärtigen Amt und dotiert in Höhe von 3.000 EUR, erhält Regisseurin Petra Szőcs für DEVA | DEVA (HU 2018). 

Mit dem Preis für den besten Debütfilm, dotiert in Höhe von 3.000 EUR und gestiftet von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg sowie der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“, zeichnet die Jury den Beitrag DNEVNIK DIANE BUDISAVLJEVIĆ | DAS TAGEBUCH DER DIANA BUDISAVLJEVIĆ von Dana Budisavljević aus. 

Die FIPRESCI-Jury, die Jury der internationalen Vereinigung von Filmkritikern und Filmjournalisten, zeichnet die russische Regisseurin Liubov Borisova für ihr Werk MIN URDUBER KYUN KHAHAN DA KIIRBET | DIE SONNE ÜBER MIR GEHT NIE UNTER (RU 2019) aus. 
Der Preis der Ökumenischen Jury geht an PUN MJESEC | FULL MOON (BA 2019) von Nermin Hamzagić. 

Bei den Besuchern kam MIN URDUBER KYUN KHAHAN DA KIIRBET | DIE SONNE ÜBER MIR GEHT NIE UNTER. Liubov Borisova darf den Publikumspreis in Höhe von 3.000 EUR, gestiftet von der Lausitzer Rundschau, mit nach Hause nehmen. 

Programmhinweise zu den im Programm angekündigten Sondervorführungen von Publikumsliebling und einem Preisträgerfilm: 

Sonntag, 10.11.2019

17.30 Uhr – Stadthalle
MIN URDUBER KYUN KHAHAN DA KIIRBET | DIE SONNE ÜBER MIR GEHT NIE UNTER

20.00 Uhr – Stadthalle
SESTRA | SCHWESTER

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