Der Schriftsteller Reiner Kunze erhält den Hohenschönhausen-Preis 2014. Dies teilte der Förderverein Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen mit, der die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung alle zwei Jahre vergibt. Mit dem Preis werden Persönlichkeiten gewürdigt, die sich in besonderer Weise um die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur verdient gemacht haben. Der Preis wird zum vierten Mal verliehen. Preisträ-ger 2012 war der Schriftsteller Erich Loest. Der Journalist und Historiker Sven Felix Kellerhoff war mit einem Sonderpreis bedacht worden. In diesem Jahr wird das Menschenrechtszentrum Cottbus mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.
Nach Ansicht der unabhängigen Jury hat der 1933 im sächsischen Oelsnitz geborene Preisträger Reiner Kunze in vorbildlicher Weise zur Aufarbeitung der SED-Diktatur beigetragen. Bereits zu DDR-Zeiten habe er mit Werken wie „Sensible Wege“ (1969) und „Die wunderbaren Jahre“ (1976) den Unrechtscharakter der kommunistischen Diktatur offengelegt. Seine Arbeiten seien zur Standardliteratur in Deutschland avanciert und trügen bis heute in besonderer Weise dazu bei, über die Wirklichkeit des real existierenden Sozialismus aufzuklären. Der Schriftsteller habe diese Arbeiten unter Inkaufnahme großer persönlicher Risiken und Nachteile veröffentlicht und sei deshalb unter anderem aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen, durch die Stasi verfolgt und aus der DDR gedrängt worden. Nach der Friedlichen Revolution habe Kunze als einer der ersten deutschsprachigen Autoren mit der Aufarbeitung der SED-Diktatur begonnen, indem er unter dem Titel „Deckname Lyrik“ (1990) Auszüge seiner 3500 Blatt umfassenden Stasi-Akte veröffentlicht habe. Mit der Gründung der Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung (2006) habe Kunze zudem dafür gesorgt, dass seine einzigartige Sammlung an Texten, Werken Bildender Kunst sowie Bild- und Tondokumenten auf Dauer zugänglich bliebe, um auch für spätere Generationen nachvollziehbar zu machen, was es hieß, sich der Indoktrination einer Diktatur zu erwehren.
Die Jury zeichnete den Verein „Menschenrechtszentrum Cottbus“ mit einem Sonder-preis für seine Bemühungen aus, in dem größten DDR-Gefängnis für politische Ge-fangene eine Gedenkstätte zu schaffen. In einer bundesweit einmaligen Initiative hätten ehemalige DDR-Häftlinge ihre leer stehende Haftanstalt gekauft und aus eigener Kraft darin eine professionelle Dauerausstellung über politische Haft im Zuchthaus Cottbus errichtet. Im Sommer 2014 habe eine vom Menschenrechtszentrum organisierte Aufführung der Oper Fidelio das ehemalige Zuchthaus auch bundesweit bekannt gemacht. Da die Finanzierung der Gedenkstätte bislang völlig ungesichert sei, wollte die Jury mit der Verleihung des Preises auch ein Zeichen setzen, damit die Bundesregierung, das Land Brandenburg und die Stadt Cottbus ihrer Verantwortung für die Erhaltung des Erinnerungsortes gerecht würden.







