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Brandenburg Mittwoch, 04 November 2020 von Redaktion

Coronapandemie: Wie sie sich auf den Online-Handel von Lebensmitteln auswirkt

Coronapandemie: Wie sie sich auf den Online-Handel von Lebensmitteln auswirkt

Corona hat unser aller Leben grundlegend verändert. Wir arbeiten vermehrt von zu Hause aus, können Freunde und Verwandte seltener sehen und erleben aufgrund stets neu beschlossener Maßnahmen insgesamt einen Freiheitsverlust. Unser Radius verkleinert sich. Die Digitalisierung ist durch die Pandemie in fast allen Bereichen unseres täglichen Lebens angekommen, der Warenkorb mit nur wenigen Klicks gefüllt. Trifft dies auch auf den Kauf von Lebensmitteln zu? Werden auch sie zunehmend im Web bestellt und wenn ja, legen Käufer dabei Wert auf Regionalität? Dem geht eine aktuelle Befragung von 142 Teilnehmern durchgeführt von SIBB e.V. und pro agro e.V. nach.

Vermarktung regionaler Produkte hat sich verändert

Zum Beginn der Pandemie zwang der deutschlandweite Lockdown alle Bürger dazu, Kontakte zu vermeiden und die Wohnung möglichst nicht zu verlassen. Dies scheint einen nachhaltigen Effekt auf das Kaufverhalten gehabt zu haben. „Die Vermarktung regionaler Produkte durch die Produzenten hat sich in Zeiten von Corona verändert und ist aufwendiger geworden,“ erklärt Kai Rückewold, Geschäftsführer des Verbands pro agro. „Neben der enorm gestiegenen Nachfrage im Direktverkauf hat mittlerweile der Abverkauf über die Online-Shops zugenommen. Vorteile für den Verbraucher sind hier neben dem Anliefern bis an die Haustür die Verfügbarkeit rund um die Uhr und die große Auswahl ohne weite Wege. Der Produzent profitiert durch einen eigenen Online-Shop von mehr Reichweite durch ein erweitertes, diverses Zielpublikum. Doch nicht nur der eigene Online-Shop verspürt einen Aufschwung, auch regionale Online-Plattformen wie beispielsweise von sorEEgio oder dem Ökodorf Brodowin erfahren einen großen Zulauf. Hier wird dem Produzenten viel Arbeit abgenommen, wie beispielsweise das Versenden und/oder Ausliefern. Dennoch besteht hier noch immer viel ungenutztes Potential, das es zu heben gilt.“

Im Oktober, also ein halbes Jahr nach dem Lockdown, geben neun Prozent der Befragten an, weiterhin gleichbleibend viele Lebensmittel online zu kaufen. Hinzu kommen sieben Prozent, die Lebensmittel erstmalig online bestellt haben – wegen der Pandemie. Immerhin neun Prozent sagen, dass sie Lebensmittel häufiger im Internet bestellen, als dies vor Corona der Fall war. “Der Trend zur Online-Bestellung von Lebensmitteln scheint sich durch die Pandemie verstärkt zu haben”, so René Ebert, Geschäftsführer des SIBB e.V., und ergänzt: “Im Zuge der aktuell steigenden Infektionszahlen ist davon auszugehen, dass er sich nicht nur verstetigt, sondern weiter zunimmt.” Die Krux: Trotz der höheren Bereitschaft zum Online-Kauf von Lebensmitteln, zeigen sich nur etwas über 50 Prozent zufrieden mit dem Gelieferten. Den etwa 17 Prozent, die sich sogar sehr zufrieden zeigen, stehen fast 32 Prozent und somit ein knappes Drittel aller Befragten gegenüber, die unzufrieden sind.

Regionales beim Kauf im Internet wichtig

Interessant ist darüber hinaus der Fakt, dass der Online-Kauf von Lebensmitteln Regionalität nicht ausschließen muss, im Gegenteil. Fast 90 Prozent der Befragten ist es beim Kauf von Lebensmitteln über das Internet wichtig, bei regionalen Anbietern oder Produzenten einzukaufen: 30 Prozent suchen gezielt nach regionalen Angeboten, 60 Prozent greifen auf diese zurück, wenn sie gleichwertig zu anderen nicht regionalen Angeboten sind. Auffallend sind die Unterschiede in der Zufriedenheit. Sind bei Webshops insgesamt etwa 30 Prozent unzufrieden, ist es bei regionalen Anbietern bezüglich Benutzerfreundlichkeit, Darstellung, Zahlungsoptionen und dem Lieferprozess mit knapp 25 Prozent nur ein Viertel.

“Dies“, so Ebert, „zeigt zum einen, dass regionalen Anbietern teilweise technologische Mängel eher verziehen werden, als größeren überregionalen Anbietern. Dies wird jedoch kein Dauerzustand bleiben. In den kommenden Monaten wird sich der Trend zum Onlinekauf von Lebensmitteln verstärken. Damit auch regionale Anbieter Schritt halten können, brauchen sie einen starken Partner, der ihnen beim technologischen Wandel zur Seite steht.”

Die wichtigsten Aussagen:
●    Die Corona-Pandemie bewegt Menschen zum vermehrten (9%) und erstmaligen (7%) Kauf von Lebensmitteln bei Online-Anbietern
●    89% ist es bei der Online-Bestellung wichtig, auf regionale Anbieter oder Produzenten für ihre Lebensmittel zurückzugreifen
●    Dabei geben aber auch 25% an, unzufrieden zu sein mit dem „regionalen Lebensmittelmarkt im Web“
●    Gründe für die Unzufriedenheit sind Mängel bezüglich Benutzerfreundlichkeit, Darstellung, Zahlungsoptionen und Lieferprozess

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