Rund 170 Menschen haben sich am Sonntag beim Sternenkinderlauf in Lübbenau auf den Weg gemacht. Sie legten zusammen 1057,36 Kilometer zurück und wollten damit auf Eltern aufmerksam machen, deren Kind vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben ist. Das teilt das Organisationsteam des Sternenkinderlaufs OSL mit.
Sternenkinderlauf vom Kirchplatz Lübbenau nach Lehde
Start war am 11. Oktober auf dem Kirchplatz in Lübbenau. Dort meldeten sich die Teilnehmer an und liefen nach Lehde und zurück. Neben der Strecke gab es die Möglichkeit, mit verschiedenen Akteuren über das Thema ins Gespräch zu kommen. Der Lauf gehört zu einer bundesweiten Aktion: Gesammelt werden sollen 110.000 Kilometer, symbolisch einer für jedes Sternenkind, das es laut den Veranstaltern jedes Jahr in Deutschland gibt. Über den geplanten Lauf hatte NIEDERLAUSITZ aktuell Anfang Oktober vorab berichtet.
Hemmungen im Umgang mit Sternenkind-Eltern abbauen
Als Sternenkinder werden Kinder bezeichnet, die während der Schwangerschaft, kurz vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Betroffene Eltern erleben nach Angaben der Organisatoren viel Unsicherheit im Umfeld: Familie, Freunden, Bekannten und Kollegen fehle oft der Ansatz, wie sie ihnen begegnen sollen. Auch mit medizinischem Fachpersonal hätten Betroffene sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
„Heute sind alle Fragen erlaubt. Wir wollen das Thema enttabuisieren und Menschen Mut machen, auf Betroffene zuzugehen“, sagte Amy Kullick, Bestattungsfachkraft, Trauerbegleiterin und Mitorganisatorin des Sternenkinderlaufs.
Bestatterin sieht Grenzen im Bestattungsgesetz
Auch Lisa Marquardt, Bestattungsfachkraft und Inhaberin eines Bestattungsunternehmens, berichtete von ihren Erfahrungen. „Die Eltern kommen dann zu uns und haben Vorstellungen. Wir müssen dann schauen, was möglich ist“, sagte sie. Das brandenburgische Bestattungsgesetz erlaube nach ihren Worten vieles nicht, was anderswo möglich sei. Eine Mutter, die eine Selbsthilfegruppe leitet, schilderte, wie ihre Familie den Verlust jeden Tag aufs Neue in ihr Leben einordnet.
Die Schirmherrschaft über den Lauf übernahm Katrin Erbert. „Für mich ist das ein sehr emotionales Thema. Mich berühren die Geschichten, die ich heute gehört habe, sehr. Ich finde es sehr wichtig, mehr Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen“, sagte sie.
Ausstellung zu Sternenkindern startet in Senftenberg
Die Veranstalter werten den Tag als Erfolg. „Dies ist ein guter Anfang. Wichtig ist, das Thema weiter in die Öffentlichkeit zu bringen und ein gutes Unterstützungsnetzwerk aufzubauen“, sagte Amy Kullick. Dafür organisiert das Team eine Ausstellung, die ab dem kommenden Frühjahr durch den Landkreis Oberspreewald-Lausitz wandern soll. Beginnen soll sie in der Kreisverwaltung in Senftenberg. Weitere Ausstellungsorte werden nach Angaben von Kullick noch gesucht.
Wie wichtig schon kleine Gesten sein können, schilderte beim Sternenkinderlauf eine betroffene Mutter. „Einmal stellte uns eine Nachbarin eine warme Suppe vor die Tür. Als wir uns dann mit dieser Suppe auf der Couch zusammen kuschelten, war das eine Weile Sicherheit.“ Für Rückfragen zum Sternenkinderlauf OSL ist Enrico Kullick unter 0162 1688167 erreichbar.
Newsletter
Die Lausitz am Abend – in zwei Minuten
Jeden Abend das Wichtigste aus der Region – und donnerstags die Veranstaltungstipps fürs Wochenende. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
VollzeitKommissionierer (m/w/d)Binderholz Oberrot | Baruth GmbH · Baruth/MarkZur Stelle →Alle 408 Stellen in Südbrandenburg →Red. / Presseinformation
© Foto: Max Schneider















