Der Stadtbus Senftenberg soll ab August 2027 nach einem neuen Konzept fahren. Am Mittwoch, 30. September, entscheiden die Stadtverordneten über Linien, Takt und Kosten. Sedlitz würde dabei seine direkten Fahrten zum Busbahnhof verlieren. Auch ein AfD-Antrag zur Stelle des Beigeordneten steht auf der Tagesordnung.
Linien und Takt beim Stadtbus Senftenberg ab 2027
Laut Beschlussvorlage DS/070/26 soll die Stadtverordnetenversammlung das Linienführungskonzept für den Stadtverkehr von 2027 bis 2037 beschließen. Es soll ab 1. August 2027 gelten. Die Stadt will dafür weiter mit der kreiseigenen Verkehrsgesellschaft Oberspreewald-Lausitz (VG OSL) zusammenarbeiten. Das hatten die Stadtverordneten bereits im April 2025 festgelegt.
Die Linien entsprechen laut Vorlage im Grundsatz den heutigen Linien 641, 642 und 643. Zwei Standardbusse sollen die gewohnten Haltestellen anfahren. Die Citylinie 1 soll montags bis freitags alle 30 Minuten fahren, die Citylinie 2 jede Stunde. Unterwegs sind beide Linien werktags von 6 bis 21 Uhr. Samstags sollen sie von 9 bis 13 Uhr im Stundentakt fahren. Die Citylinie 2 soll künftig die Haltestelle Briesker Straße Sportplatz bedienen. Dafür entfällt die Haltestelle B.-Brecht-Straße Ecke Ernst-Thälmann-Straße.
Neu ist ein Ferienshuttle in den Sommerferien von Brandenburg und Sachsen. Er baut auf dem erprobten Urlaubershuttle auf. Der Shuttle soll zwischen dem Campingplatz Niemtsch und dem Familienpark Großkoschen pendeln. Er hält unter anderem am Busbahnhof, am Tierpark und in Buchwalde. Geplant ist ein Zwei-Stunden-Takt von Montag bis Samstag. Hinzu kommen mögliche Sonderfahrten, etwa zum Peter-Paul-Fest oder zum Hafenfest. Ein zusätzlicher Bus ist laut Vorlage dafür nicht nötig.
Sedlitz verliert direkte Fahrten zum Busbahnhof
Für Sedlitz bringt das Konzept eine spürbare Änderung. Laut Vorlage entfallen die vier Einzelfahrten vom Bahnhof Sedlitz zum Busbahnhof Senftenberg. Die Verwaltung verweist auf die Regionallinie 613. Sie bringe Schüler aus Sedlitz mit fünf Fahrten am Morgen und sechs Fahrten ab dem frühen Nachmittag zur Linden-Grundschule und zur Regenbogen-Grundschule und wieder zurück.
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Das Thema hat eine Vorgeschichte. Schon am 1. Juli stand die Vorlage auf der Tagesordnung. Der Ortsbeirat Sedlitz hatte damals in einem Schreiben kritisiert, dass er nicht angehört worden war. Das Rechtsamt sah laut Niederschrift keine Pflicht zur Anhörung. Nach langer Debatte zog der Bürgermeister die Vorlage dennoch zurück. Er sicherte zu, das Thema in den Ortsbeiräten zu beraten.
Im Ortsbeirat Sedlitz nannte der Ortsvorsteher das Konzept am 3. September laut Niederschrift problematisch für den Ort. Ein weiteres Mitglied warnte, ohne die Linie C3 sei der Schulschluss nicht mehr abgesichert. Kinder müssten lange draußen warten und erreichten den Hort nicht rechtzeitig. Bürgermeister Andreas Pfeiffer kündigte an, die Lage der Sedlitzer Schüler anhand der Unterrichtszeiten erneut zu prüfen. Der Ortsbeirat stimmte schließlich mit einer Ja-Stimme bei einer Enthaltung zu.
Die Verwaltung wertet das Konzept als Verbesserung, etwa wegen längerer Betriebszeiten. Für Sedlitzer Kinder, deren Unterricht nach der fünften Stunde endet, werde eine Lösung außerhalb des Stadtbusses gesucht. Zudem soll der Bürgermeister mit der VG OSL über einen On-Demand-Verkehr sprechen, also Fahrten auf Bestellung. Alternativ soll er einen Bürgerbus prüfen. Das zielt laut Vorlage vor allem auf Peickwitz, Niemtsch und Brieske Dorf.
Was der neue Stadtverkehr kosten soll
Für den Stadtbus Senftenberg schätzt die VG OSL die Gesamtkosten auf 346.000 Euro im Jahr. Davon gehen laut Kostenschätzung Fahrgeldeinnahmen von 83.000 Euro und Fördermittel von 26.000 Euro ab. Unterm Strich bleibt ein jährliches Defizit von 237.000 Euro. Grundlage sind 108.630 Fahrplankilometer zu je 3,19 Euro. Darin steckt eine feste Verwaltungspauschale von 43.000 Euro im Jahr. Für 2027 rechnet die Vorlage wegen des Starts im August mit Fahrplankosten von 273.000 Euro und Fördermitteln von 34.400 Euro.
Der Finanzausschuss empfahl die Vorlage am 8. September mit sechs Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Ein Mitglied begründete seine Enthaltung laut Niederschrift damit, dass kein fester Preis pro Kilometer ablesbar sei. Der Bauausschuss stimmte am 9. September mit vier zu eins Stimmen zu. Im Hauptausschuss gab es am 21. September laut Ratsinformationssystem sechs Ja-Stimmen, eine Gegenstimme und eine Enthaltung.
Streit um Beigeordneten und weitere Themen
Zudem steht ein Antrag der AfD-Fraktion zur Hauptsatzung auf der Tagesordnung (DS/098/26). Die Fraktion will den Paragrafen streichen, nach dem die Stadtverordnetenversammlung für acht Jahre einen Beigeordneten bestellt. Sie begründet das mit der angespannten Haushaltslage. Die Stadt komme seit Beginn der Wahlperiode gut ohne Ersten Beigeordneten aus. Die Stelle verursache Kosten im sechsstelligen Bereich pro Jahr.
Die Verwaltung verweist auf die Kommunalverfassung. Danach kann eine Stadt dieser Größe einen Beigeordneten wählen, muss es aber nicht. Ohne Beigeordneten muss eine allgemeine Stellvertretung aus der Verwaltung benannt werden. Für die Änderung ist die Mehrheit der gesetzlichen Mitgliederzahl nötig. Im Juli hatte die Stadtverordnetenversammlung eine Ausschreibung der Stelle mit 12 zu 13 Stimmen abgelehnt. Kritiker hielten den AfD-Antrag im Finanzausschuss für überflüssig, weil die Stelle ohnehin nicht besetzt werden müsse. Dort scheiterte er mit drei zu drei Stimmen bei einer Enthaltung. Im Hauptausschuss erhielt er vier Ja-Stimmen, drei Gegenstimmen und eine Enthaltung.
Außerdem beantragt die Fraktion Gemeinsam für Senftenberg eine Planung für die frühere Neumarktfläche. Das Stadtplanungsamt soll unter Bürgerbeteiligung planen, mit Blick auf Familien, Schatten, Kühlung und Barrierefreiheit. Laut Stellungnahme der Verwaltung kann die Planung wegen einer offenen Stelle voraussichtlich erst 2027 beginnen. Zudem soll Senftenberg der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg beitreten. Der Beitrag liegt laut Vorlage bei 10.500 Euro im Jahr. Einen Teil will die Stadt über die Städtebauförderung abrechnen.
Sitzung im Ratssaal und per Livestream
Wer die Debatte über den Stadtbus Senftenberg verfolgen will, kann am Mittwoch, 30. September 2026, ab 17 Uhr in den großen Ratssaal des Rathauses kommen, Markt 1 in Senftenberg. Der Tagesordnungspunkt Stadtbus ist als Punkt 1.9 vorgesehen. Die Sitzung ist öffentlich, eine Einwohnerfragestunde ist geplant. Die Stadt überträgt den öffentlichen Teil zudem per Livestream auf ihrer Internetseite.
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Red.









