42 Jahre lang musste die Dorfkirche in Gollmitz ohne Pfeifenorgel auskommen. Seit dem 11. September steht wieder eine auf der Empore – acht Männer haben sie hinaufgehoben. Geweiht wird sie zum Erntedankfest am 4. Oktober.
Acht Männer und eine Arbeitsrüstung
Das neue Instrument ist ein Orgelpositiv mit vier geteilten Registern und einem Manual. Die Pfeifen sitzen hinter farbenfroh bemalten Gehäuseflügeln. Über eine Arbeitsrüstung wurde es am 11. September aus dem Kirchenschiff auf die Empore gehoben.
Gefunden wurde die Orgel dank einer Sachspende von privater Seite sowie des Engagements von Pfarrerin Kathrin Schubert und Kirchenmusiker Sanko Ogon. Orgelbaumeister Markus Roth aus Nauen stimmte sie in den Tagen danach.

Die erste Orgel kam 1803 aus Drehna
Es ist nicht die erste Orgel in Gollmitz, sondern die dritte. Das Dorf gehörte seit dem Mittelalter zur Standesherrschaft Drehna. Als die Drehnaer Kirche 1803 eine neue Orgel bekam, wanderte die alte nach Gollmitz.
„Den 13. Jun. Montags nach dem 1. p. T. kam die neue Orgel, so weit sie fertig war, endlich bei uns an“, notierte Pfarrer Traugott Mirus damals in der Drehnaer Pfarrkladde. „Die alte Orgel ging nach Gollmitz ab.“
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Geschenkt war das nicht: Die Gollmitzer zahlten 45 Taler. Zum Vergleich – ein Leineweber verdiente damals 8 Taler und 12 Silbergroschen im Monat.
1892 folgte ein Neubau für 1.080 Mark
Fast 90 Jahre tat das gebrauchte Instrument seinen Dienst. 1892 beschloss der Gemeindekirchenrat eine neue Orgel, gebaut von Julius Schwarz aus Rostock. „Die Orgel ist nach dem neuen pneumatischen System gebaut und wird von allen Leuten gelobt“, hielt der Rat fest.
Sie kostete 1.080 Mark, damals etwa neun Monatslöhne eines Arbeiters. 300 Mark gab der Patron Wätjen dazu, den Rest brachte die Gemeinde auf. Schwarz überzeugte damit so, dass er gleich den nächsten Auftrag bekam – diesmal für Drehna selbst.
1984 wurde das Instrument ausgeschlachtet
Anfang der 1980er Jahre war die Orgel schwer beschädigt. Eine Instandsetzung lag weit außerhalb dessen, was die Gemeinde aufbringen konnte. 1984 wurde das Innere deshalb ausgebaut – die Teile gingen an die Orgeln in Altdöbern und Zinnitz, damit die weiterspielen konnten.
Der Prospekt, also die sichtbare Pfeifenfront, blieb stehen. Er ist bis heute in der Kirche zu sehen, jetzt hinter dem neuen Positiv. Die Gemeinde behalf sich vier Jahrzehnte lang mit einer elektronischen Orgel.
Zum Erntedank erklingt sie zum ersten Mal
Am Sonntag, dem 4. Oktober, wird die Orgel im Festgottesdienst geweiht und danach regelmäßig im Gottesdienst eingesetzt. Auch der Gollmitzer Musiksommer, eine Reihe mit Konzerten von Klassik bis Rock, soll die neuen Klangmöglichkeiten nutzen.
Gollmitz ist ein Ortsteil von Calau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz.
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Red. / Presseinformation








