Strukturwandel ist mehr als Industrie und Arbeitsplätze – mit dieser Forderung hat das Bündnis Gleichstellung Lausitz den Lausitzbeauftragten beider Länder einen Gleichstellungs-Check übergeben. Der Austausch fand am 15. September in Hoyerswerda statt.
Ein Prüfraster für geförderte Projekte
Der Gleichstellungs-Check soll frühzeitig in die Entwicklung von Projekten einfließen, die im Strukturwandel gefördert werden. Die Fragen dahinter sind konkret: Wie wirkt sich ein Projekt auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus? Ist Teilhabe praktisch für alle möglich? Wie steht es um die Erreichbarkeit? Und werden Frauen und Männer gleichberechtigt in Planung und Entwicklung einbezogen?

Entgegengenommen haben ihn der Brandenburger Lausitzbeauftragte Dr. Klaus Freytag und sein sächsischer Amtskollege Jörg Huntemann. Beide sagten Unterstützung zu.
Junge Frauen kehren der Lausitz den Rücken
Den fachlichen Hintergrund lieferten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft. Antonia Milbert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung brachte es so auf den Punkt: „Wenn man von einer Zukunftsregion spricht, muss man auch die Geschlechterfrage betrachten. Denn was ist eine Zukunft ohne Frauen.“
Als besorgniserregend gilt dem Bündnis Gleichstellung Lausitz vor allem die Abwanderung junger Frauen zwischen 18 und 25 Jahren zu Ausbildung und Studium. Vereinzelter Rückzug und Zuzug gleichen diesen Verlust nicht aus.
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Kritik an der einseitigen Förderung
Ein zweiter Punkt betrifft die Richtung der Förderung. Weil sie bislang vor allem der Industrie zugutekomme, entstünden ungleiche Geschlechter- und Arbeitsverhältnisse, sagte Dr. Virginia Kimey Pflücke vom Zentrum für Strukturwandel und Regionalentwicklung der BTU Cottbus-Senftenberg. Nötig sei eine Wirtschaftspolitik, die auch Sozialwirtschaft, Kultur und Daseinsvorsorge einschließt.
Getragen wird das Bündnis Gleichstellung Lausitz von Gleichstellungsbeauftragten aus Südbrandenburg und Ostsachsen. Sie arbeiten länderübergreifend – die Lausitz endet für sie nicht an der Landesgrenze.
Ein Platz in den Werkstattgesprächen
Als Erfolg des eigenen Drucks verbucht das Bündnis, dass es nun in den
Werkstattprozessen zum Strukturwandel mitreden darf. Damit sitzt die
Gleichstellungsperspektive dort, wo über Projekte gesprochen wird – und
nicht erst in der Auswertung hinterher.
Der Austausch in Hoyerswerda war die Fortsetzung eines Gesprächs, das beide
Seiten bereits im vergangenen Jahr begonnen hatten. Wie oft die Runde künftig
zusammenkommt, ist offen – verabredet ist, dranzubleiben.
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Red. / Presseinformation






