Bei rund der Hälfte der berufstätigen Frauen in Brandenburg reicht das Monatseinkommen nicht für eine eigenständige Existenz. Das zeigt der neue Gleichstellungsdatenreport, den das Sozialministerium in Potsdam vorgelegt hat und der in allen Lebensbereichen fortbestehende Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern offenlegt.
rong>Trotz jahrzehntelanger Fortschritte bestehen in Brandenburg in allen Lebensbereichen weiterhin Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern. Das zeigt der neue Gleichstellungsdatenreport, den das Sozialministerium in Potsdam vorgelegt hat.
Was der Gleichstellungsdatenreport untersucht
Erstellt hat den Bericht die Sozialwissenschaftlerin Dr. Irene Savin Pimminger. Der Gleichstellungsdatenreport Brandenburg bündelt in sieben Kapiteln Daten zu Demografie, Bildung und Wissenschaft, Erwerbstätigkeit und sozialer Lage, Sorgearbeit, politischer Teilhabe, Gesundheit sowie geschlechtsbezogener Gewalt. Er soll einen aktuellen Überblick über den Stand der Gleichstellung geben und Handlungsbedarfe sichtbar machen. Viele Befunde ähneln der Lage in Gesamtdeutschland, doch der Report macht auch die brandenburgischen Besonderheiten deutlich.
Männerüberhang und die Lasten des Flächenlandes
Zu diesen Besonderheiten zählt die Bevölkerungsstruktur: Unter jungen Erwachsenen gibt es in Brandenburg einen Männerüberhang, der stärker ausgeprägt ist als im Bundesschnitt und innerhalb des Landes regional stark schwankt. Unter der älteren Bevölkerung überwiegen dagegen die Frauen. Als Flächenland stellt Brandenburg zudem besondere Anforderungen: große Distanzen, lange Pendelwege und der Bedarf an einer flächendeckenden Infrastruktur erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gerade in dünn besiedelten Regionen wie der Lausitz sind die Wege zu Kita, Schule und Arbeit oft weit.
Wo Brandenburg vorne liegt
In einigen Bereichen ist Brandenburg anderen Ländern voraus. So liegt die Ganztagsbetreuungsquote deutlich über dem Bundesdurchschnitt, und Frauen arbeiten häufiger in vollzeitnaher Teilzeit, also mit mehr Wochenstunden. Dennoch sind Frauen auch in Brandenburg weiterhin häufiger in Teilzeit tätig als Männer. Damit bescheinigt der Gleichstellungsdatenreport Brandenburg dem Land Fortschritte bei der Betreuung, aber Stillstand bei der Rollenverteilung.
Sorgearbeit bleibt ungleich verteilt
Besonders deutlich wird die Schieflage bei der Sorgearbeit. Brandenburgs Männer nehmen im Schnitt nur 3,2 Monate Elternzeit, Frauen hingegen knapp 13 Monate. Daraus ergibt sich eine erhebliche Mehrbelastung der Frauen. Fachleute sehen darin einen wesentlichen Treiber der Einkommens- und späteren Rentenlücke zwischen den Geschlechtern.
Finanzielle Ungleichheit und Armutsrisiko
Der Report zeichnet ein differenziertes Bild der finanziellen Ungleichheit, das über den in Brandenburg vergleichsweise niedrigen Gender Pay Gap hinausgeht. Bei den Bruttojahreseinkünften zeigen sich hohe Unterschiede: Bei rund der Hälfte der abhängig beschäftigten Frauen und bei knapp zwei Fünfteln der Männer reicht das Monatsentgelt nicht für eine eigenständige und langfristige Existenzsicherung. Das höchste Armutsrisiko tragen Alleinerziehende. Wirtschaftliche Eigenständigkeit bleibt damit für viele Frauen im Land ein ungelöstes Problem.
Handlungsbedarf: Geschlechterrollen abbauen
„In allen Themenfeldern zeigen sich stereotype Lebensrealitäten für Frauen und für Männer“, sagt die Landesgleichstellungsbeauftragte Dr. Uta Kletzing. Der zentrale Handlungsbedarf liege daher im Abbau von Geschlechterrollen, die die Wahlfreiheit bei Berufswahl, Sorgearbeit und Gesundheit einschränken. Insbesondere die Abwanderung junger Brandenburgerinnen müsse aufgehalten werden, indem das Land für Frauen attraktiver werde. Das gleichstellungspolitische Rahmenprogramm wird dazu fortgeschrieben; der Gleichstellungsdatenreport Brandenburg ist beim Sozialministerium bestellbar und online abrufbar.
Symbolbild: Statistik (Foto: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg / NL aktuell)
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