Der Mediziner, Wissenschaftler und Unternehmer Gunther von Hagens ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Die KÖRPERWELTEN bestätigten seinen Tod am heutigen Montag mit einer offiziellen Mitteilung. Zuvor hatte die B.Z. als erstes Medium darüber berichtet. Von Hagens entwickelte 1977 die Plastination und schuf gemeinsam mit Dr. Angelina Whalley die weltweit bekannten KÖRPERWELTEN-Ausstellungen. Besonders eng war sein Lebenswerk mit Guben verbunden, wo seit 2006 das Plastinarium besteht.
KÖRPERWELTEN bestätigen den Tod
„Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Dr. Gunther von Hagens (1945–2026), dem Erfinder der Plastination und Schöpfer der KÖRPERWELTEN“, teilten die KÖRPERWELTEN am Montag offiziell mit. Mit der 1977 entwickelten Plastination habe von Hagens die Anatomie nachhaltig verändert und Millionen Menschen einen besonderen Blick auf den menschlichen Körper ermöglicht. Gemeinsam mit Dr. Angelina Whalley schuf er die KÖRPERWELTEN-Ausstellungen, die nach Angaben des Unternehmens weltweit mehr als 58 Millionen Besucherinnen und Besucher erreichten. „Sein Lebenswerk steht für Wissenschaft, Bildung und die Überzeugung, dass Wissen über den eigenen Körper zu einem bewussteren Leben beitragen kann“, heißt es in der Mitteilung. Sein Vermächtnis lebe in der Wissenschaft, in den KÖRPERWELTEN-Ausstellungen und in der Erinnerung von Millionen Menschen weiter.
Lebenswerk eng mit Guben verbunden
Ein wesentlicher Teil seines Lebenswerkes entstand in Guben. Dort eröffnete von Hagens im Jahr 2006 das Plastinarium, in dem Plastinate für medizinische Einrichtungen sowie für die KÖRPERWELTEN-Ausstellungen hergestellt werden. Erst im Mai 2026 hatte Niederlausitz aktuell über das 20-jährige Bestehen des Plastinationsstandortes berichtet. Nach Angaben seines Sohnes Rurik von Hagens arbeiten inzwischen rund 120 Menschen am Standort. Plastinate aus Guben werden weltweit eingesetzt und unter anderem von Universitäten für die medizinische und anatomische Ausbildung bestellt. Die Nachfrage sei mittlerweile so groß, dass Universitäten nach einer Bestellung mehrere Monate auf den Beginn der Arbeiten warten müssten. Das langfristige Ziel bestehe darin, echte Plastinate als festen Bestandteil der medizinischen Ausbildung an Universitäten zu etablieren
Von der Ruine zum internationalen Standort
Beim Jubiläum im Mai blickte Rurik von Hagens auch auf die Anfänge des Plastinariums zurück. Als die Familie erstmals nach Guben kam, hätten sich große Teile der früheren Fabrikgebäude in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand befunden. Teilweise hätten Bäume aus den Dächern geragt und Decken gefehlt. Während andere Beteiligte zunächst Zweifel an dem Standort hatten, habe Gunther von Hagens an seinen Plänen festgehalten. Die Gebäude wurden im Frühjahr 2006 übernommen, bereits im November desselben Jahres öffnete das Plastinarium. Nach der Eröffnung seien weitere Gebäudeteile ausgebaut und zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgebildet worden. Viele von ihnen hatten zuvor keinen medizinischen oder anatomischen Hintergrund. Das notwendige Wissen wurde nach Angaben des Unternehmens durch Vorlesungen, Schulungen und die tägliche Arbeit vermittelt.
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Plastination bleibt Handarbeit
Von Beginn an sollte das Plastinarium nicht nur ein Produktionsstandort sein. Die Arbeit sollte auch öffentlich und für Besucher nachvollziehbar gemacht werden. Zur Eröffnung hatte es noch Proteste gegen die Einrichtung gegeben. Das Interesse an der Plastination sei bis heute geblieben, der damalige Skandalwert jedoch zurückgegangen. Als einen Grund nannte Rurik von Hagens die offene und transparente Präsentation der Arbeit. Die eigentliche Herstellung der Präparate bleibt nach Angaben des Unternehmens weitgehend Handarbeit. Technische und digitale Systeme unterstützen zwar einzelne Abläufe, die Präparation und Positionierung der Körper und Organe lasse sich jedoch nicht automatisieren.
Besondere Übergabe beim Jubiläum
Beim 20-jährigen Jubiläum wurde erstmals ein plastiniertes Organ an einen lebenden Menschen zurückgegeben. Dabei handelte es sich um das frühere Herz einer Frau, die ein Spenderorgan erhalten hatte. Die Frau wollte ihr eigenes Herz nach der Transplantation nicht entsorgen lassen. Das Organ wurde deshalb in Guben plastiniert. Es soll künftig unter anderem genutzt werden, um über ihre Erkrankung und die Bedeutung der Organspende zu informieren.
Herz-Skulptur zum 80. Geburtstag
Bereits im Januar 2025 hatte Niederlausitz aktuell über eine besondere Würdigung von Gunther von Hagens berichtet. Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde vor dem Plastinarium eine überdimensionale Herz-Skulptur enthüllt. Das wetterfest gefertigte Herz war ein langjähriger Wunsch des Mediziners und Unternehmers. Es sollte das menschliche Herz als „Motor des Lebens“ darstellen und wurde dauerhaft vor dem Plastinarium aufgestellt. Gubens Bürgermeister Fred Mahro würdigte damals die Bedeutung von Hagens für die Stadt. „Es gibt kein Unternehmen hier in Guben oder vielleicht auch in der gesamten Region, das eine Stadt so bekannt macht wie Gunther von Hagens“, erklärte Mahro am Mikrofon von Niederlausitz aktuell.
Von Hagens habe sich trotz anfänglicher Skepsis nicht von seinen Plänen abbringen lassen. „Er hat sich nie von seinen Zielen abbringen lassen“, sagte Mahro. Das Herz stehe für ihn als Menschen, als Unternehmer und für das Plastinarium.
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Familie will seinen Wunsch respektieren
Gunther von Hagens hatte zu Lebzeiten mehrfach erklärt, nach seinem Tod selbst plastiniert werden zu wollen. Nach Angaben der zuerst berichtenden B.Z. will die Familie diesen Wunsch respektieren und umsetzen. Über die spätere Präsentation sei bislang noch nicht entschieden worden. Als möglicher Ort wurde das Plastinarium in Guben genannt.
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