Die Wirtschaft in Südbrandenburg befindet sich nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Cottbus weiter unter Druck. Die aktuelle Konjunkturanalyse zeigt eine deutlich verschlechterte Geschäftslage und besonders pessimistische Erwartungen. Der Erwartungssaldo liegt demnach auf dem Niveau zu Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022. Die IHK fordert schnelle politische Reformen, die Unternehmen spürbar entlasten und mehr Planbarkeit schaffen.
Geschäftslage deutlich verschlechtert
Die Lage der Unternehmen in Südbrandenburg hat sich laut aktueller Konjunkturanalyse der Industrie- und Handelskammer Cottbus weiter eingetrübt. Der Geschäftslage-Saldo ist im Vergleich zum Frühsommer 2025 deutlich von 23 auf nur noch 4 Prozentpunkte gefallen. Nach Einschätzung der IHK zeigt sich damit branchenübergreifend eine schwache Stimmung in der regionalen Wirtschaft.
IHK-Hauptgeschäftsführer André Fritsche verweist in der Mitteilung auf den Gegensatz zwischen positiven Nachrichten zu Spitzenplatzierungen der Region bei der Wirtschaftsdynamik und der tatsächlichen Lage vieler Betriebe. Einerseits gebe es Aufbruchstimmung durch den Strukturwandel, andererseits stünden viele Unternehmen weiterhin unter erheblichem Druck. Besonders kleine und mittlere Unternehmen seien von schwierigen Rahmenbedingungen betroffen.
„Mutige Reformen, die schnell spürbare Entlastungen bringen, sind seit Monaten das Gebot der Stunde – lassen aber viel zu lange auf sich warten. Das Wichtigste für alle Unternehmen sind Verlässlichkeit und Planbarkeit. Es geht um Arbeitsplätze, Investitionen und die wirtschaftliche Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland“, wird André Fritsche in der IHK-Mitteilung zitiert.
Belastungen durch Preise, Kosten und schwache Nachfrage
Als zentrale Belastungen nennt die IHK hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende Arbeitskosten, eine schwache Nachfrage sowie Kaufzurückhaltung. Diese Faktoren wirkten sich zunehmend auf die Geschäftsentwicklung aus. In vielen Betrieben führe dies inzwischen zu spürbarem Stillstand
„Branchenübergreifend ist die Stimmung schlecht“, sagt André Fritsche laut Mitteilung. Die Entwicklung betreffe damit nicht nur einzelne Wirtschaftszweige, sondern zeige sich über mehrere Branchen hinweg.
Erwartungen auf Krisenniveau von 2022
Besonders deutlich fällt laut IHK der Blick der Unternehmen auf die kommenden Monate aus. Der Erwartungssaldo ist von minus 24 auf minus 30 Prozentpunkte gesunken. Damit liegt er nach Angaben der IHK auf dem Niveau zu Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022. 40 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Lediglich 10 Prozent erwarten eine Verbesserung. Die Hälfte der Betriebe geht von einer unveränderten Entwicklung aus. Die IHK führt die eingetrübten Aussichten unter anderem auf anhaltende innen- und außenpolitische Unsicherheiten zurück.
Viele Unternehmen bremsen Investitionen
Die schwierigen Rahmenbedingungen zeigen sich laut Konjunkturanalyse auch beim Investitionsverhalten. Mehr als die Hälfte der Unternehmen plant demnach, Investitionen zurückzustellen oder vollständig auszusetzen. Unterschiede gibt es zwischen den Branchen. Die Industrie zeigt sich nach Angaben der IHK noch vergleichsweise robust. 65 Prozent der Industriebetriebe planen gleichbleibende oder steigende Investitionen. Rund jedes zweite Industrieunternehmen investiert demnach in den Ausbau von Kapazitäten. Im Handel fällt das Bild deutlich zurückhaltender aus. Dort planen laut IHK 69 Prozent der Unternehmen keinerlei Investitionen.
Finanzlage spitzt sich zu
Auch die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe wird zunehmend angespannter eingeschätzt. 57 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Finanzlage inzwischen als problematisch. Rund ein Drittel meldet sinkendes Eigenkapital. Knapp ein Viertel berichtet von wachsenden Liquiditätsengpässen. Damit wächst nach Angaben der IHK der Druck auf die Unternehmen nicht nur bei laufenden Kosten und Nachfrage, sondern auch bei der finanziellen Stabilität.
Einstellungsbereitschaft nimmt ab
Am Arbeitsmarkt zeigt sich die Beschäftigung laut IHK zwar noch stabil, allerdings nimmt die Einstellungsbereitschaft branchenübergreifend ab. Inzwischen planen 24 Prozent der Unternehmen, Stellen abzubauen. Neue Stellen schaffen wollen 13 Prozent der Betriebe. Nach Einschätzung der IHK deutet sich damit eine Trendwende an. Im Mittelpunkt stehen dabei weiterhin Arbeitsplätze, Investitionen und die wirtschaftliche Entwicklung des Standorts.
Energie- und Rohstoffpreise größtes Risiko
Im Risikoradar der Unternehmen stehen die Energie- und Rohstoffpreise mit 74 Prozent wieder an erster Stelle. Dahinter folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 64 Prozent und die Arbeitskosten mit 60 Prozent. Weitere Risiken sehen die Unternehmen beim Inlandsabsatz mit 49 Prozent, beim Fachkräftemangel mit 42 Prozent, bei der Finanzierung mit 17 Prozent und beim Auslandsabsatz mit 10 Prozent. Die Auswirkungen des Klimawandels nennen 5 Prozent der Betriebe als Risiko.



