Die Luftqualität in Brandenburg hat am heutigen Sonntag alarmierende Werte erreicht. An allen sechs Messstationen von der Lausitz bis nach Eisenhüttenstadt stuft das Umweltbundesamt die Belastung als „sehr schlecht“ ein. Eine austauscharme Wetterlage sorgt deutschlandweit für hohe Feinstaubkonzentrationen.
Hohe Feinstaubbelastung von Cottbus bis Wildau
Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden am Sonntagnachmittag an der Messstation Cottbus Feinstaubwerte von 71 Mikrogramm pro Kubikmeter (PM2,5) und 76 Mikrogramm pro Kubikmeter (PM10) gemessen. Die Bezeichnungen stehen für die Partikelgröße: PM10 umfasst alle Teilchen mit einem Durchmesser unter 10 Mikrometern, PM2,5 die noch feineren Partikel unter 2,5 Mikrometern. Je kleiner die Teilchen, desto tiefer können sie in die Atemwege eindringen – PM2,5 gelangt bis in die Lungenbläschen. In Spremberg lagen die Werte mit 72 Mikrogramm (PM2,5) und 77 Mikrogramm (PM10) sogar noch etwas höher. Auch die Messstation im Spreewald verzeichnete mit 66 beziehungsweise 70 Mikrogramm pro Kubikmeter erhöhte Feinstaubkonzentrationen.
Die Messstation in Elsterwerda im Landkreis Elbe-Elster zeigt ein ähnliches Bild. Dort wurden 64 Mikrogramm PM2,5 und 77 Mikrogramm PM10 registriert. Alle Stationen in der Lausitz weisen damit die schlechteste Kategorie im Luftqualitätsindex aus.
Die erhöhte Feinstaubbelastung beschränkt sich nicht auf die Lausitz. In Eisenhüttenstadt im Landkreis Oder-Spree wurden laut Umweltbundesamt 58 Mikrogramm PM2,5 und 62 Mikrogramm PM10 gemessen. Nahezu identische Werte meldet die Messstation in Wildau im Landkreis Dahme-Spreewald mit ebenfalls 58 Mikrogramm PM2,5 und 62 Mikrogramm PM10.
Damit erstreckt sich das Gebiet mit sehr schlechter Luftqualität über weite Teile Süd- und Ostbrandenburgs, von der polnischen Grenze bei Eisenhüttenstadt bis in den Berliner Speckgürtel bei Wildau.
Austauscharme Wetterlage als Ursache
Die Ursache für die hohen Feinstaubwerte ist laut Umweltbundesamt eine kalte, trockene und austauscharme Wetterlage. Bei solchen Bedingungen können sich Schadstoffe in den bodennahen Luftschichten anreichern, statt sich in der Atmosphäre zu verteilen. Im Winter verschärft sich die Situation zusätzlich durch erhöhte Emissionen: Der Energiebedarf steigt, Kamine und Holzöfen werden vermehrt genutzt, und auch der Straßenverkehr trägt zur Belastung bei.
Das Phänomen ist nicht auf die Region beschränkt. Deutschlandweit melden derzeit 305 Messstationen schlechte bis sehr schlechte Luftqualität, wie aus aktuellen Daten hervorgeht. Auch große Teile Zentraleuropas sind nach Angaben des Umweltbundesamtes betroffen. Der höchste Wert in Deutschland wurde am Samstag mit 129 Mikrogramm PM10 gemessen, 176 Stationen lagen über dem Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Umweltbundesamt gibt Verhaltensempfehlungen
Aufgrund der hohen Schadstoffbelastung empfiehlt das Umweltbundesamt, körperlich anstrengende Aktivitäten im Freien zu vermeiden oder an Orte mit besserer Luftqualität zu verlagern. Bei Beschwerden wie Husten oder Kurzatmigkeit sollte die körperliche Aktivität reduziert werden.
Für empfindliche Personen gelten verschärfte Hinweise. Sie sollten körperlich anstrengende Aktivitäten im Freien meiden oder diese zu Zeiten beziehungsweise an Orte mit besserer Luftqualität verlagern. Bei anhaltenden Beschwerden rät das Umweltbundesamt dazu, ärztlichen Rat einzuholen.
Besserung erst bei Wetteränderung zu erwarten
Eine schnelle Verbesserung der Luftqualität ist laut Umweltbundesamt nicht in Sicht. Kurzfristige Maßnahmen zur Senkung der Feinstaubkonzentration zeigen bei solchen Wetterlagen kaum messbare Erfolge. Eine deutliche Verbesserung soll erst eintreten, wenn die austauscharme Wetterlage aufgelöst wird und Wind sowie Niederschlag zur Verdünnung der Schadstoffe beitragen.
Während die Feinstaubwerte die Hauptursache für die schlechte Luftqualität darstellen, bewegen sich andere Schadstoffe im akzeptablen Bereich. Die Stickstoffdioxid-Konzentration liegt laut den Messdaten an allen sechs Stationen bei 16 Mikrogramm pro Kubikmeter und wird als „gut“ eingestuft.
Jahresstatistik zeigt überwiegend gute Werte
Ein Blick auf die Langzeitdaten relativiert die aktuelle Situation etwas. An der Messstation Cottbus wurde die Luftqualität in den vergangenen 365 Tagen zu 61 Prozent als „sehr gut“ und zu 33,4 Prozent als „gut“ bewertet. Lediglich an 3,2 Prozent der Tage war die Luft „schlecht“ und an 1,5 Prozent „sehr schlecht“, wie aus den Daten des Umweltbundesamtes hervorgeht.
Ähnliche Werte zeigen die anderen Stationen: Im Spreewald lag der Anteil sehr guter Tage bei 64,8 Prozent, in Wildau bei 60,9 Prozent und in Eisenhüttenstadt bei 58 Prozent. Die aktuelle Belastung stellt damit eine Ausnahme im Jahresverlauf dar.
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Red. / Umweltbundesamt









