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Cottbus Dienstag, 21 Februar 2017 20:39 |  von Redaktion

Geheimer Geldgeber rettet Energie Cottbus vor der Insolvenz

Geheimer Geldgeber rettet Energie Cottbus vor der Insolvenz

Energie Cottbus stand zum Ende des letzten Kalenderjahres kurz vor dem Finanzkollaps. Nur ein enger Freund der Familie Wahlich rettete den Verein mit der Zeichnung von Genussscheinen in mittlerer sechsstelliger Höhe (400.000 - 600.000 Euro). So ist es seit gestern Abend auf der Vereinshomepage in einem Interview mit Präsident Michael Wahlich zu lesen: "In Summe drei Abstiege haben die lukrative „Quelle“ der TV-Gelder versiegen lassen. In der 1. Bundesliga gab es bis zu 17 Millionen Euro an TV-Einnahmen zu verzeichnen, in der 3. Liga waren es noch 800.000 Euro und momentan sind wir quasi bei Null angelangt. Unser Verein hat die Ausgabenseite in den vergangenen fünf Jahren um 13 Millionen Euro reduziert. Das ist eine enorme Leistung und trotzdem müssen wir auch am Ende des Jahres 2016 einen Jahresfehlbetrag im mittleren sechsstelligen Bereich verzeichnen."

Ende 2015 verfügte der Verein noch über ein Eigenkapital von 4.000 Euro, das im laufenden Geschäftsjahr aufgebraucht und in den negativen Bereich übergegangen ist. Wahlich dazu: "An dieser Stelle muss man nochmals in die Vergangenheit blicken. In den zurückliegenden vier Jahren wurden in Summe fast 4 Millionen Euro Verluste erwirtschaftet. Das ist im Fußballgeschäft zwar nichts ungewöhnliches, kritisch wird es aber dann, wenn das Eigenkapital des Vereins aufgebraucht ist und dieses in den negativen Bereich übergeht. Genau das wäre am Ende des Jahres 2016 eingetreten, denn zum 31. Dezember 2015 stand das Eigenkapital bei 4.000 Euro."

Was das bedeutet, weiß jeder Unternehmer, der Verein hätte Insolvenz anmelden müssen. Das dies nicht geschehen ist, ist nun jenem unbekannten Gönner zu verdanken, den Michael Wahlich in seinem Interivew erwähnt: "Ich konnte einen ziemlich besten Freund meiner Familie dazu bewegen, Genussscheine zu zeichnen. Dadurch ist es uns gelungen die Diskussionen über Finanzlücken und deren Folgen ohne große Öffentlichkeit abzuwenden und letztlich ein positives Eigenkapital darzustellen. Man stelle sich allein die Außenwirkung vor, wenn das nicht gelungen wäre."

Doch dieser Schritt kann keine Dauerlösung sein, das sollte jedem klar sein. Wahlich bezeichnet es als Gelegenheit, bis zum Ende des Jahres Luft zu holen und darüber nachzudenken, wie man die Einnahmenseite signifikant erhöhen kann. Dabei spricht er jeden an, der Vorschläge hat. Mit in der Diskussion sind eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge und der Ticketpreise zur neuen Saison. Überhaupt spielt diese eine wichtige Rolle. Derzeit steht Energie auf Platz zwei der Regionalliga Nordost, ein Aufstieg scheint zwingend notwendig, um die finanzielle Situation zu retten, auch das Erreichen der ersten DFB-Pokalrunde würde weiterhelfen (Teilnahme bringt 140.000 Euro). "Ein Aufstieg im Sommer würde die Lage deutlich entspannen." so der Präsident. Er bezeichnet die Reaktion in vielen Gesprächsrunden auf seine Offenheit als erfrischend positiv und konstruktiv: "Es tat wirklich gut, diese enge und positive Verbundenheit auf allen Ebenen zu spüren."

Trotz der angespannten Finanzlage hat der Verein Projekte in der Planung, die die Bedinungen für den Nachwuchs weiter verbessern sollen. Ganz oben steht dabei der Bau eines Kunstrasenplatzes im Südstadion. Dazu hat der Verein die "Aktion Kunstrasen" ins Leben gerufen, bei der Mitglieder, Sponsoren und Fans in kleinen und großen Zahlungseinheiten ihren Beitrag leisten können, um den nötigen Eigenanteil in Höhe von 160.000 Euro aufzubringen, gelingt das, stehen weitere 500.000 Euro Fördermittel zur Verfügung um den Platz zu bauen.

"Neben dem sportlichen Erfolg richten wir das Hauptaugenmerk auf offene Kommunikation, weitere Stärkung des Zusammenhalts und der Geschlossenheit rund um unseren Verein. Nur gemeinsam können wir diese Durststrecke bewältigen. Auf wirtschaftlichem Gebiet wollen wir unsere treuen Sponsoren dazu bewegen, längerfristige Verträge abzuschließen. Die bisher angewandte Einjahresvariante ist sehr gefährlich, damit ist eine solide Planung äußerst schwierig. Natürlich ist es auch weiterhin dringend notwendig, die Kostenseite genau unter die Lupe zu nehmen, allerdings werden wir keine Einsparungen betreiben, die am Ende mehr kosten als sie einbringen. Wir sind am Anfang und brauchen auch die Unterstützung der vielen „kleinen“ Sponsoren, die womöglich in den „guten“ Jahren etwas vergessen wurden. Sachleistungen in jeglicher Form sind genauso wichtig wie der bare Euro! Die gebildeten Arbeitskreise in den Bereichen Kommunikation, Merchandising und dessen Vermarktung und auch die Gruppe zum „Legendentreffen“ im Mai sollen alle beitragen, das große Ziel Wiederaufstieg schnellstmöglich zu erreichen." sagt Wahlich abschließend.

Hintergrund:

Genussscheine sind stimmrechtslose Anteile am Verein zu festverzinsten Bedingungen, die nach Laufzeit, Gewinn oder anderen Kriterien vereinbart werden können

Foto: Lichtpunkt Fotografie

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