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Cottbus Samstag, 11 Februar 2017 11:16 |  von (Kunde4Leserreporter)

Cottbus: Von einsilbigen Biersorten und Vorhautverengung

Cottbus: Von einsilbigen Biersorten und Vorhautverengung

Wenn Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp irgendwo ein Auftritt hat, dann gibt es Standing Ovations von Anfang an. Sie fragen sich wer Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp ist? Allgemein kennt man ihn unter seinem Pseudonym Jürgen von der Lippe.

Der Entertainer ist dem breiten Publikum wohl am ehesten mit seiner Show „Geld oder Liebe“ vertraut und mit seinem Evergreen „Guten Morgen Liebe Sorgen“ in Erinnerung. Seit 1976 ist er allerdings als Schauspieler, Kabarettist, Moderator und Entertainer unterwegs. Und von Anfang sind seine äußeren Erkennungsmerkmale, die Hawaiihemden, die er trägt. „Dies florale Design ist wenigstens noch zwei Sommer lang in“, hat ihm ein Modeberater verraten.

Aktuell tourt er mit seinem 14. Bühnenprogramm „Wie soll ich sagen…“ durch Deutschland. Am gestrigen Donnerstag hatte er Station in der Cottbuser Stadthalle.

Los ging es mit Standing Ovation. Dass diese eine clever ausgedachte Choreografie von dem Altmeister der Kleinkunst war, fiel dem Publikum erst auf, nachdem sich alle wie von ihm gewünscht hingestellt haben und er sein Handy zückte, um ein Foto zu machen.

Weiter ging es mit aktueller Politik. Er münzte Chuck Norris Witze („Chuck Norris hat bis unendlich gezählt, zwei Mal!“) auf den SPD Kanzlerkandidaten Martin Schulz um:

„Martin Schulz grillt unter Wasser.“,

„Martin Schulz fragt nicht nach der Uhrzeit, er bestimmt wie spät es ist!“ oder

„Martin Schulz wird neuer Geschäftsführer beim BER. Morgen um 12 Uhr wird eröffnet.“

Aber wie es das Publikum bei ihm gewöhnt ist, erzählt er nicht nur, er singt auch immer wieder und bezieht gern auch das Publikum mit in sein Live-Programm ein. So durften zwei Pärchen abwechselnd eine kreative Aufgabe lösen und ein Zungenbrecher aufsagen - „Auf der Liebesreise, sprach der Leibesriese: ‚Reib es Liese! Und sie rieb es leise.“.

Darüber hinaus musste der 68jährige Entertainer feststellen, dass das Älterwerden auch schöne Seiten hätte, dass man diese nur noch finden müsste.

Wer den Herrn Lippenblütler in den Medien verfolgt, der hat ihn vielleicht am 13. Januar in der MDR-Sendung Riverboat gesehen, wo er das Spiel „Willy ist krank“ bereits vorgestellt hat. Auch dies spielte er mit zwei Damen aus dem Publikum.

Um den folgenden Text besser verstehen zu können, müssen sie sich im besten Fall ein paar Mitspieler suchen. Jeder Teilnehmer steckt sich nun einen Korken längst in den Mund und beißt zu. Jetzt wird ähnlich wie bei dem Spiel „Ich packe meinen Koffer“ nacheinander folgendes gesagt und die mitzunehmenden Sachen (in unserem Fall die jeweiligen Krankheiten) aufgezählt:

Person 1: „Willy ist krank!“

Person 2: „Was hat er denn?“

Person 1: „Er hat eine Sehnenscheidenentzündung“.

Dann geht’s weiter:

Person 2: „Willy ist krank!“

Person 3: „Was hat er denn?“

Person 2: „Er hat eine Sehnenscheidenentzündung und einen Darmverschluss!“

Diese Geschichte kann solang weitergeführt werden bis alle Teilnehmer vor lachen weinend auf dem Boden liegen. Sollten Sie sich jetzt noch nicht auf dem Teppich wälzen, holen sie sich endlich einen Korken und stecken sie sich diesen in den Mund! Und nun, auf ein Neues!

Der Cottbuser Willy hatte zuletzt dann eine Sehnenscheidenentzündung, einen Darmverschluss, Parodontose, Vorhautverengung und Husten.

Zusätzlich spielte von der Lippe neben Gitarre auch noch Saxophon und die (mehr oder weniger) freiwilligen aus dem Publikum mussten erraten, um welche volkstümlichen Lieder oder Oldies es sich handelte. Von „Marmorstein und Eisen bricht“ über „Love me Tender“ bis „An der Nordseeküste“ spielte er insgesamt 17 Lieder an.

Anschließend mussten die Damen selbst musisch tätig werden. Während auf der einen Seite ein Lied mit Wasser gegurgelt werden durfte, müsste die andere auf einer Kolbenflöte spielen.

Ein keinen Fall durfte ein Lied fehlen, was Jürgen singt und beim Refrain vom Publikum Unterstützt wird. Diesmal handelte es sich auf ein (Sauf-)Lied auf das beste Organ des Körpers - der Leber! „Liebe Leber, liebe Leber, liebe Leber, lebe hoch, und der Rest von meinem (t)ollen Körper selbstverständlich ooch!“

Die Feststellung das einsilbige Biermarken für an- (oder auch voll-)getrunkene Männer eine bessere Wahl darstellen, lieferte er anschließend. „Neuuuschellaaaaa“ kann einfach kein Mensch nach 4 Bier mehr aussprechen. „Becks“, „Flens“ oder „Dab" ist dahingegen kein problemlos möglich. „Kölsch kriegt man auch raus“ merkte der geborene Westfale an, nur um ergänzen zu können „nur leider keins rein!“. Dies dürfte den Biertrinken in ganz Deutschland am meisten gefallen haben, mit der kleinen Ausnahme in der Domstadt, aber zum Glück funktioniert der Witz auch mit dem benachbarten Düsseldorfer „Alt“.

Anschließend erzählte er noch Anekdoten, die er im Laufe seines Lebens erlebt und in seinem aktuellen Werk „Der König der Tiere“ (als Buch oder Live-Lesung mit Gästen Max Biermann und Nora Tschirner erhältlich) niedergeschrieben hat. Die dort beschriebenen Szenarien sind wohl alle so passiert und bewiesen seine Schlagfertigkeiten. Diese wiederum, wusste der studierte Lehrer (oder besser gesagt: abgebrochene Lehramtsstudent), sind allerdings keine Leistung des Denk-, sondern des Sprachzentrums. Deshalb wundern wir uns auch von Zeit zu Zeit, über unsere eigene Schlagfertigkeit.

Nach etwas mehr als zwei Stunden ging das Programm dann dem Ende zu.

Er beendete dieses mit einem Abschiedslied bei dem er in traditioneller Weise die Stimmen von Peter Maffay, Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg imitierte, um diesmal einen weißen Opel Vectra als Kutsche zum Himmel zu besingen.

In diesem Sinne hoffen wir, dass er dieses Gefährt noch ein paar Jahre meiden und er uns auch zukünftig erhalten bleibt und unterhalten wird.

Fotos: Marko Ziesemer, Holger Bergmann

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