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Brandenburg Dienstag, 16 Mai 2017 12:00 |  von Redaktion

Ostdeutsche Bundesländer wollen gemeinsam überwachen

Ostdeutsche Bundesländer wollen gemeinsam überwachen

Minister Poppenhäger begrüßt Amtskollegen Schröter, Stahlknecht und Ulbig in Erfurt

Heute (Montag, 15. Mai 2017) kamen die Innenminister Brandenburgs, Karl-Heinz Schröter, Sachsens, Markus Ulbig, und Sachsen-Anhalts, Holger Stahlknecht, auf Einladung von Thüringens Innenminister Dr. Holger Poppenhäger nach Erfurt. Bei einem Gespräch im Augustinerkloster im Vorfeld der kommenden Konferenz aller Innenminister und -senatoren in Dresden besprachen sie Themen rund um die Sicherheitskooperation Ost (SiKoop).

Im Jahr 2002 gründeten die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die SiKoop, der im Jahr 2004 Brandenburg und im Jahr 2015 Berlin beigetreten ist. Mit der SiKoop soll die länderübergreifende polizeiliche Zusammenarbeit ausgebaut werden, z. B. um den  Informationsaustausch zu verbessern und schwere Straftaten sowie politische oder organisierte Kriminalität effektiver bekämpfen zu können. Zu den erklärten Zielen der SiKoop gehört es auch die Kooperationen auf dem Gebiet des IT-Managements zu schließen und weiter auszubauen, im Bereich der Ressourcenbereitstellung Synergieeffekte zu erzielen sowie Ausgaben durch einen effizienten und abgestimmten Mittel- und Ressourceneinsatz zu reduzieren.

Für die nahe Zukunft planen die Länder der Sicherheitskooperation die Errichtung eines gemeinsamen Zentrums zur polizeilichen Telekommunikationsüberwachung. Das Vorhaben ist nach Umfang und Bedeutung das wichtigste Projekt der SiKoop. Der Aufbau des Gemeinsamen Kompetenz- und Dienstleistungszentrums (GKDZ) soll in diesem Jahr beginnen. Es soll 2019 in Betrieb gehen und seinen Hauptsitz in Leipzig haben. Im GKDZ wird die Telekommunikationsüberwachung zentralisiert. Eigene Technik muss in den Ländern deshalb nicht mehr vorgehalten werden. Entscheidungen und Anordnungskompetenzen zur Telekommunikationsüberwachung verbleiben weiterhin in der Hoheit des jeweiligen Landes, die Daten werden in jedem Bundesland getrennt verarbeitet und gespeichert. Die Anstalt bekommt keine vollzugspolizeilichen Befugnisse. Der Aufbau des gemeinsamen Zentrums soll in diesem Jahr beginnen. Geplant sind in den kommenden fünf Jahren Investitionen von rund 15,8 Millionen Euro.

Dazu erklärte Sachsens Innenminister Markus Ulbig: „Die Technologien im Bereich der Kommunikation entwickeln sich rasant. Um mit diesem Tempo auch im Zuge von Ermittlungen bei schweren Straftaten wie beispielsweise Terrorverdacht, Mord, Vergewaltigung, Kinder- und Jugendpornografie oder Einbruchserien Schritt halten zu können, ist es sinnvoll und wirtschaftlich, Synergien zu nutzen. Nur so können wir unsere Bürger künftig effektiv schützen.“

Innenminister Stahlknecht ergänzt: „Technische, finanzielle, personelle und Know-how-seitige Ressourcen werden gebündelt und Synergien durch ein gemeinsames Vorgehen geschaffen. Insbesondere in Ermittlungsverfahren der schweren und organisierten Kriminalität und nicht zuletzt bei der Bekämpfung des Rechts- bzw. internationalen Terrorismus können Maßnahmen der Telekommunikationsüberwachung einen wesentlichen Teil zur Aufklärung beitragen.“

Thema des Gespräches war auch die Aus- und Fortbildung der Kriminalpolizisten. Hinsichtlich des stetigen wissenschaftlichen und technischen Fortschritts sollte der Schwerpunkt auf die (berufs-)lebenslange Fortbildung gelegt werden. Innenminister Poppenhäger: „Es ist erforderlich, dass eine deutliche qualitative und quantitative Steigerung in der kriminalpolizeilichen Fortbildung erfolgen muss. Spezialisierungen müssen zielgerichtet und an den Bedürfnissen ausgerichtet erfolgen.“

Die Situation der Haftplätze für Abschiebungen thematisierte Innenminister Karl-Heinz Schröter. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter: „Ich begrüße eine Kooperation der Länder bei der Abschiebehaft. Aus baulichen, personellen und anderen Gründen ist die Durchführung der Abschiebehaft in vielen Bundesländern heute erschwert oder teilweise sogar unmöglich. Dieser Zustand ist unhaltbar. Wir brauchen ausreichend geeignete Kapazitäten, um rechtsstaatlich verhängte Abschiebehaft auch durchführen zu können, statt die Betreffenden auf freien Fuß zu setzen, wie es leider schon vorgekommen ist.“

Einhellig begrüßten die Minister, dass das Gesetz zur Stärkung des Schutzes von Vollstreckungsbeamten und Rettungskräften den Bundesrat passiert hat. „Die Neuausrichtung der Norm füllt die Strafbarkeitslücken, die über Jahre ausgemacht wurden. Wir dürfen nicht ignorieren und können nicht leugnen, dass die Zahl der Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte – und das zeigt die Statistik – steigt. Und diese Übergriffe müssen hart sanktioniert werden“, so die Minister. Mit der Gesetzesnovellierung drohen Angreifern bis zu fünf Jahre Haft.

„Ebenso können künftig Gaffer, die durch ihr Verhalten die Versorgung von Verunglückten erschweren, für ihr Verhalten bestraft werden“, erklärte Poppenhäger. Behinderung von hilfeleistenden Personen ist durch die Gesetzesnovellierung künftig mit bis zu einem Jahr Haft bedroht. Stahlknecht: „Ein wichtiger Schritt und ein Zeichen für alle, die Tag und Nacht ihren Kopf für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger hinhalten.“

Auch die vom Bundeskabinett beschlossenen härteren Strafen für Einbrüche in Privatwohnungen (Mindeststrafe künftig ein Jahr), wurde von der Gesprächsrunde einhellig begrüßt. „Durch Wohnungseinbrüche wird das Opfer in seinem Zuhause, seiner Privatsphäre angegriffen. Das ist inakzeptabel und zu Recht mit einem Jahr Gefängnis oder mehr zu bestrafen“, betonte Poppenhäger.

Brandenburgs Innenminister Schröter: „Ich stelle fest, dass von der heutigen Strafandrohung für Wohnungseinbrüche keine ausreichende abschreckende Wirkung mehr ausgeht. Eine Mindeststrafe von einem Jahr ist daher das richtige Signal. Der Rechtsstaat muss jetzt härtere Saiten aufziehen, weil sich insbesondere Angehörige krimineller ausländischer Banden kaum noch durch die heute vorgesehenen Sanktionen im deutschen Strafrecht beeindrucken lassen.“

Sachsens Innenminister Markus Ulbig ergänzt: „Das von der Bundesregierung beschlossene Gesetz ist auch ein wichtiges Signal für die Ermittlungsbehörden. Mit dem Zugang zu den Vorratsdaten verfügen Polizei und Justiz endlich über bessere Bedingungen, um die Einbrecher schneller zu überführen und zu verurteilen.“

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass sie die Treffen der Sicherheitskooperation Ost künftig regelmäßig, an wechselnden Orten, stattfinden soll. Minister Poppenhäger: „Wir haben viele gemeinsame Themen im Bereich der Sicherheit, die wir gemeinsam besser betrachten und bessere Lösungsvorschläge anbieten können.“

Foto: Dieter Schütz

pm/red

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