Cottbus Freitag, 08 Mai 2020 von Daniel Häfner

Kriegsende: Broschüre zu Cottbus online

Kriegsende: Broschüre zu Cottbus online

"Täter, Opfer, Widerstand im 'Dritten Reich'" lautet der Titel der Broschüre, die seit heute online verfügbar ist.

Neben zahlreichen Gedenkveranstaltungen hat die Rosa-Lxemburg-Stiftung mit der Broschüre einen Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet. Geschichte wird gemacht – in Erzählungen, Büchern, Vorträgen und auch in den sozialen Medien: Die Bombardierung des Cottbuser Bahnhofs am 15. Februar 1945 wird häufig als Ereignis dargestellt, das quasi wie eine Naturkatastrophe über die Stadt kam – und ohne Grund. Doch Cottbus und Umland waren Teil des Systems des Nationalsozialismus, des „totalen Krieges“ und der systematischen Vernichtung von Menschen. In Cottbus wurden Kriegsgüter in großen Mengen produziert: tausende Panzerkettenfahrzeuge und Flugzeuge. Im Konzentrationslager Lieberose starben tausende Menschen durch Arbeit oder wurden im Februar 1945 massakriert.

In der nun online vorliegenden Broschüre soll ein Schlaglicht auf verschiedene Bereiche des Lebens in Cottbus geworfen werden und deutlich machen, dass es im System des „Dritten Reiches“ kein „ruhiges Hinterland“ gab. Überall finden sich Täter*innen, Opfer und Widerstand. Cottbus ragt dabei nicht heraus. Es zeigt die Normalität der Menschenverachtung des Systems, gerade auch als Rädchen in einer Maschinerie, die ganz Europa überrollen wollte – militärisch und ideologisch.

Eine regionale Besonderheit in der Lausitz stellt der Umgang mit den Sorben/Wenden dar. Diese sollten – nach dem „Endsieg“ – entweder germanisiert werden oder als führerloses Arbeitsvolk in den neuen „Ostgebieten“ dienen. Insofern war das Ende des Krieges insbesondere auch eine Befreiung Sorben/Wenden.

Auch am Beispiel von Erna Stahl, die im Frauenzuchthaus inhaftiert war, wird der Moment der Befreiung deutlich: sie hatte ihre Schüler*innen in Hamburg mit Autoren wie Hugo von Hofmannsthal und Thomas Mann bekannt gemacht. Vor der herannahenden Front wurde sie nach Bayreuth gebracht und dort am 14. April 1945 befreit. Noch am 17. April 1945 fand in Hamburg der Prozess gegen sie statt: es drohte die Todesstrafe.

Auch wenn die Befreiung zu Freiheit und Gleichheit bis heute nicht voll verwirklicht ist, machen diese Beispiele in Bezug auf das Kriegsende doch deutlich: Befreiung – was sonst?

Die Broschüre in der 2. überarbeitetetn Auflage kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden: Cottbus befreit! Täter, Opfer, Widerstand im "Dritten Reich".
Gedruckte Exemplare versendet die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg kostenfrei auf Anfrage per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!oder telefonisch unter 0331. 817 04 32 (ggf. bitte auf den AB sprechen) kostenfrei per Post zu.

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