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Cottbus Donnerstag, 11 Mai 2017 15:57 |  von Redaktion

Hohe jesidische Delegation besucht das Menschenrechtszentrum Cottbus

Hohe jesidische Delegation besucht das Menschenrechtszentrum Cottbus

Am kommenden Montag, dem 15. Mai besucht eine 18-köpfige jesidische Delegation unter der Leitung des Mir (Prinzen), Tahsin Saeed Ali, des weltlichen Oberhaupts der Jesiden weltweit sowie von Baba Sheikh, dem spirituellen Oberhaupt der Jesiden das Menschenrechtszentrum Cottbus. Die Delegation ist Gast des Landtags von Brandenburg. Der Mir und die einzige jesidische Abgeordnete im irakischen Parlament, Vian Dakheel Saeed, werden am Mittwoch, dem 17. Mai vor den Abgeordneten sprechen. Bereits zu Beginn ihres Aufenthaltes in Brandenburg wird die Delegation die Gedenkstätte in Cottbus besuchen. Seit zwei Jahren engagiert sich das Menschenrechtszentrum Cottbus für die Jesiden und leistet zusammen mit der in Frankfurt am Main ansässigen Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) humanitäre Hilfe für die jesidischen Flüchtlinge, die nach dem 3. August 2014 zu Hunderttausenden in die Autonome Region Kurdistan vor dem IS flüchten mussten und seitdem ohne jegliche Perspektive in riesigen Flüchtlingslagern leben müssen.

Das Menschenrechtszentrum Cottbus setzt sich darüber hinaus besonders für die durch den IS entführten und versklavten Jesidinnen und Jesiden ein. Mehreren Tausend Jesiden ist die Flucht am 3. August 2014 nicht gelungen. Der kurdischen Regionalregierung sind 6.415 Frauen und Männer, Mädchen und Jungen namentlich bekannt, die vom IS entführt wurden. Frauen erlebten, wie ihre Söhne, Männer und Brüder vor ihren Augen bestialisch enthauptet wurden. Jungen werden zu IS-Kämpfern ausgebildet, Babys den Müttern weggenommen, Frauen und Mädchen versklavt, zwangsverheiratet, vergewaltigt und für wenig Geld freitags nach dem Moscheebesuch wie Vieh verkauft.

Die kurdische Regierung und auch teilweise Familienangehörige kaufen für mehrere Tausend Dollar die Frauen, Männer und Kinder frei. Es sind allerdings immer noch knapp 3.500 Jesiden in der Gewalt des IS. „Wir können kein Geld für die Befreiung dieser Menschen sammeln, möchten aber unsere Augen vor diesem Genozid nicht verschließen, deshalb setzen wir uns dafür ein, dass bereits befreite Frauen und Mädchen im Rahmen eines Aufnahmekontingents nach dem Aufenthaltsgesetz nach Deutschland gebracht werden, um eine professionelle Behandlung ihres Traumas zu bekommen. Dafür wandten wir uns an die Landesregierung und Abgeordnete des Landtags Brandenburg“, erklärt Sylvia Wähling, die geschäftsführende Vorsitzende des Vereins. Dem Engagement des Vorsitzenden des Menschenrechtszentrums und Landtagsvizepräsidenten Dieter Dombrowski sowie der Landtagsfraktion der Grünen ist zu verdanken, dass der Landtag Brandenburg am 16. Dezember 2106, dem Beispiel von Baden-Württemberg folgend, den einstimmigen Beschluss fasste, eine große Anzahl an schutzbedürftigen Jesidinnen und minderjährigen Jesiden in Brandenburg für eine angemessene medizinische Behandlung aufzunehmen.

Am Montag, dem 15. Mai, ab 16:30 Uhr werden der Mir und Baba Sheikh über die Situation der Jesiden im Menschenrechtszentrum (Bautzener Straße 140) berichten. Interessierte Bürger sind herzlich dazu eingeladen, aus erster Hand Näheres über den Konflikt und das Genozid gegen die Jesiden zu erfahren. Im Vortrag „Frieden für ein zerrissenes Land?“ können ab 18:00 Uhr Besucher aus dem Blickwinkel der Teilnehmer des kürzlich durchgeführten Friedens- und Versöhnungsmarsches durch das irakische Kurdistan einen Einblick in die Situation vor Ort und die Perspektiven für Frieden und Versöhnung bekommen. Neben Sylvia Wähling und dem Bildungsreferenten der Gedenkstätte, Johannes Näder, erläutern Matthias Katze und Christian Bürger, als ehemalige politische Häftlinge, ihre sehr persönlichen Erlebnisse und Erkenntnisse aus ihren Begegnungen während des Marsches. In den Biografien aller Menschen dieser Region, ob muslimischen Kurden, Jesiden oder Christen  steckt eine Verfolgungsgeschichte und eine Tragödie. „Politische Verfolgung verbindet über Grenzen hinweg die Opfer aller Diktaturen“, erklärt betroffen Matthias Katze, der 1979 in Cottbus inhaftiert gewesen ist. Bei diesen Gesprächen entstanden neue Ideen für eine Kooperation und einen Austausch zwischen Opfern der SED-Diktatur und der Diktatur von Saddam Hussein.

pm/red

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