Krieschow Mittwoch, 09 Oktober 2019 von Redaktion

Klimawandelleugnung: Biounternehmen nehmen Spreewälder Hirsemühle aus Sortiment

Klimawandelleugnung: Biounternehmen nehmen Spreewälder Hirsemühle aus Sortiment

Das Krieschower (Gemeinde Kolkwitz, Landkreis Spree-Neiße) Unternehmen "Spreewälder Hirsemühle" muss derzeit Lieferkündigungen seitens Biosupermärkten, Fachmärkten und -ketten hinnehmen. Auslöser war das Unternehmen "BioMare", das in Leipzig Supermärkte mit 100 Angestellten betreibt. Deren Gründer Malte Reupert sortierte die Produkte aus, stattdessen hängt ein Schild an dem Platz der Produkte: „Der Inhaber der Spreewälder Hirsemühle ist AfD-Funktionär, diese Partei leugnet den menschengemachten Klimawandel. Damit stellt sich der maßgebliche Entscheider der Firma gegen die Werte von Biomare und der gesamten Bio-Branche.“ Betreiber und Gründer der Spreewälder Hirsemühle ist Jens Plessow, der auch im AfD-Kreisvorstand des Landkreises Spree-Neiße tätig ist. Dem Vorwurf, die Auslistung medial auszuschlachten entgegnet Reupert: "Wir haben bisher alle unsere Auslistungen wegen Grundsatzfragen unseren Kunden und Kollegen transparent gemacht. Dies tun wir selbstverständlich auch in diesem Falle."

Der Auslistung der Produkte schloss sich auch die Bio-Company aus Berlin und Alnatura an. Reupert sagte dem Handelsblatt: „Den Klimawandel zu leugnen, ist keine Meinungsäußerung, sondern eine Lüge. Wenn ein Unternehmer, der mich beliefern will, das Kernproblem Klimawandel leugnet, dann passen wir nicht zusammen.“ Alnatura rief zur Unterstützung der Friday for Future Demonstrationen am 16.09.2019 auf und verteilte kostenlos Bioobst und -gemüse. „Der Klimawandel ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen menschengemacht. Der Ökolandbau ist aus Sicht des Weltklimarats eine der Möglichkeiten, um dem Klimawandel zu begegnen. Deshalb gehen wir mit Akteuren Partnerschaften ein, die auf der Erkenntnis dieser wissenschaftlichen Grundlage diesen Weg konsequent mit uns gehen wollen.“ begründet eine Alnatura-Sprecherin den Schritt gegenüber dem Handelsblatt.

Auch der Cottbuser Biofachmarktbetreiber Alexander Schömmel, der den Ährenkranz betreibt, schließt sich der Auslistung an. In einer Stellungnahme schreibt er: "Wenn unsere junge Generation fordert: „Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, dann ist es höchste Zeit für jeden von uns, sein eigenes Tun und Handeln zu überdenken. Dem ist auch der Naturkostladen „Ährenkranz“ verpflichtet, unabhängig von Personen und politischen Überzeugungen. Nachhaltigkeit muss man leben und darf kein Werbegag sein, um Verkaufszahlen zu erhöhen. Diesem Grundsatz sind meine Belegschaft und ich verpflichtet. Dies tun wir und viele andere in unserer Branche mit Leidenschaft und Konsequenz, wenn es um die vielfältigsten Produkte in unserem Fachgeschäft geht. Meine Kunden begrüßen diesen Schritt und finden es wichtig, dass wir uns als Naturkostladen um das Thema Bekämpfung des Klimawandels und Nachhaltigkeit auch bei unseren Lieferanten kümmern." Nachdem die Auslistung in Cottbus bekannt wurde, gab es in lokalen Facebookgruppen von AfD-Anhängern teils harsche Kritik und den Versuch, es allein auf die Parteizugehörigkeit zu reduzieren, was aber sowohl Reupert als auch Schömmel verneinen. Reupert weißt darauf hin: „Wenn ein Unternehmer, der mich beliefern will, das Kernproblem Klimawandel leugnet, dann passen wir nicht zusammen.“. Auch Schömmel wird konkret: "Wir haben zum Beispiel auch die Firma „Logocos“ des Nestlekonzerns aus den Regalen genommen, da ihr Wirtschaftskonzept nicht unseren Vorstellungen eines fairen Handels zum gegenseitigen Vorteil entspricht. Vieles in unserer Gesellschaft sollte man neu denken, um unseren Planeten zu erhalten und der Menschheit ein friedliches und gesundes Leben zu ermöglichen. Nachhaltigkeit hört nicht an den Ländergrenzen auf und bezieht sich auch auf die Lebensbedingungen der Menschen auf unserem Planeten. Unseren Kunden garantieren wir so, dass die zum Verkauf stehenden Produkte diesem Grundsatz entsprechen. Wir unterstützen die Stellungnahme der Geschäftsführung und der Mitarbeiter vom Bio - Großhandel „Biomare“ zur Beendigung der Zusammenarbeit.". Nachdem er die Produkte aus dem Sortiment genommen hat, gab es von Kunden großteils positive Reaktionen, negative wurden in Gesprächen erörtert und sind laut Schömmel "gut auseinander gegangen".

Malte Reupert hatte Jens Plessow im Vorfeld der Auslistung zum Dialog aufgefordert, den E-Mailverkehr beider veröffentlichte der Unternehmer auf seiner Webseite. "Wir haben bisher alle unsere Auslistungen wegen Grundsatzfragen unseren Kunden und Kollegen transparent gemacht. Dies tun wir selbstverständlich auch in diesem Falle. Bis zur Veröffentlichung am 26.7. haben Sie gern Gelegenheit, eventuelle Irrtümer oder falsche Schlussfolgerungen aufzuklären. Wir hoffen, dass unsere klare Positionierung ein Denkanstoß sein kann. Für einen konstruktiven Dialog stehen wir zur Verfügung." heißt es in der E-Mail von BioMare. Plessow wirft Reupert Stasimethoden und eine linksradikale Einstellung vor. Auf den Vorwurf, den menschengemachten Klimawandel zu leugnen entgegnet er: "Glauben sie wirklich wir können das Weltklima mit Solaranlagen, Windkraftanlagen, ein paar Batterien in der Landschaft, Unverpacktläden, Papiertüten und völlig unpraktischen Elektroautos auf nationaler Basis in Deutschland retten? Sie sind niedlich. Das ist Spinnerei!" (Alles nachzulesen im E-Mailverlauf)

Unsere Redaktion hat derzeit eine Anfrage bei der "Spreewälder Hirsemühle" zur aktuellen Lage laufen. Wir berichten, sobald eine Reaktion eintrifft.

Alnatura:

Aktuell gibt es 133 Alnatura Super Natur Märkte in 61 Städten in 13 Bundesländern. Unter der Marke Alnatura werden rund 1.400 verschiedene Bio-Lebensmittel produziert. Vertrieben werden diese in den eigenen Alnatura Märkten, europaweit in rund 12.500 Filialen verschiedener Handelspartner und im Alnatura Onlineshop. Alnatura beschäftigt rund 3.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 175 Lernende. Im Geschäftsjahr 2017/2018 erwirtschaftete der Bio-Händler einen Umsatz von 822 Millionen Euro und damit ein Umsatzplus von 6,8 % zum vergangenen Geschäftsjahr.

BioCompany: 

Biocompany wurde 1999 in Berlin gegründet, betreibt deutschlandweit 58 Märkte und beschäftigt mehr als 1.600 Mitarbeiter aus 44 Nationen. Je nach Markt gibt es ein Sortiment von 8.000 bis 10.000 Artikeln.

BioMare:

BioMare betreibt in Leipzig drei Bio-Supermärkte mit 100 Mitarbeitern und wurde 2006 gegründet.

Spreewälder Hirsemühle:

Das Unternehmen „Spreewälder Hirsemühle“ ist auf das Angebot von Hirsekorn und Hirsekornverarbeitungsprodukten aus heimischem, regionalem Anbau spezialisiert. Kultiviert wird die Hirse im Spreewald und angrenzenden Regionen.

 

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