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Luckaitztal Dienstag, 10 November 2009 von Gerd Laeser

Mit uns Niederlausitzer Wandergurken „Wider die saisonalen Depressionen“

Mit uns Niederlausitzer Wandergurken „Wider die saisonalen Depressionen“

Unsere Erfahrung ist, dass die Wanderung „Wider die saisonalen Depressionen“ seit Jahren einen festen Platz unter den Veranstaltungen im Naturpark Niederlausitzer Landrücken hat. Man kann sie durchaus schon als traditionell bezeichnen. Es gibt sie länger wie uns als Team „Die Niederlausitzer Wandergurken“!
Besonders zwei dieser Touren sind in unserem Gedächtnis haften geblieben. Zum einem die 2006er Tour mit fast 60 Teilnehmern, bei der sich die Wanderschar wie ein hunderte Meter langer Lindwurm durch die Calauer Schweiz zog, fotografiert für die Zeitung von Uwe Hegewald und zum anderen die 2008er Tour, die durch den nächtlichen Schneefall zuvor eine richtige Winterwanderung wurde. Von dieser Wanderung gibt es auch von uns bereits eine umfassende Bildreportage in der Online-Zeitung niederlausitz-aktuell.de „Bilder der Region - Oberspreewald-Lausitz : Luckaitztal“.
Auch für den 2009er Jahrgang laden wir gemeinsam mit Familie Gaumer für Sonnabend, den 21. November, wieder ganz herzlich ein zu dieser erlebnisreichen Wanderung in die Gemeinde Luckaitz-tal - Ortsteil Gosda-Weißag.
Ja, was hat die Gemeindegebietsreform an Struktuitis im kommunalen Bereich gebracht? In unserem Fall auch „Positives“. Wenn wir nur Weißag als Ort des Treffpunktes schreiben würden, könnte es sein, dass sich der Eine oder Andere wieder in Richtung Gemeinde Heideblick orientiert. Auch dieser Ort liegt im Naturpark Niederlausitzer Landrücken, schreibt sich allerdings mit „ck“, was natürlich nicht jeder gleich weiß.
Bis vor wenigen Jahren gab es sogar vier Orte in der Niederlausitz mit Namen Weißag oder ähnlich. Aus Weissag wurde 1937 Märkischheide. Später, 1959, wurde dieser Ort zu Vetschau eingemeindet und heutzutage hier nicht einmal mehr als eigenständiger Ortsteil erwähnt. Weißagk im Kreis Forst, vor 1945 sogar in einem der beiden westlichen Zipfel des Landkreises Sorau liegend und damals Weissagk geschrieben, wurde 1984/85 devastiert und musste dem Tagebau Jänschwalde weichen. Erinnert wird daran heute mit einem kleinen Heimatpark an der Straße von Mulknitz nach Gosda, was wiederum nicht das Gosda ist, zu dem der Ort Weißag in der Calauer Schweiz heute gehört.
Zwei Orte mit gleich lautendem Namen aber unterschiedlicher Schreibweise sind also geblieben. „Unser“ Weißag schreibt sich immer noch mit „sz“ und weichem „g“, gehört seit Jahrhunderten zu den so genannten Plinsdörfern, war einmal Küchendorf des Krummschen Spreekreises und liegt seit Jahr und Tag südlich der Calauer Schweiz und die wiederum südlich von Calau, das früher ja auch mal mit „K“ geschrieben wurde.
Unsere Erfahrung ist auch, dass Bewegung in der Gemeinschaft an frischer Luft ein probates Hausmittel gegen vermehrte Depressionen in dieser Jahreszeit sind, auch hervor gerufen durch die lange Dunkelheit an vielen Tagen, häufig schlechtem Wetter und auch durch die Tage der Trauer im Monat November. Deshalb meinen wir, dass dieser Slogan für unsere Wanderung durchaus seine Berechtigung hat.
Gewandert wird auf dem traditionellen etwa 16 Kilometer langen Rundkurs. Einem anfänglichen Kringel durch die Plinsdörfer Zwietow und Weißag folgt der Aufstieg auf den Landrücken und den Aussichtsturm in der Nähe des Spitzen Berges. Danach wandern wir zur Kies- und Tongrube Plieskendorf, um zu sehen, wie weit sich der Tagebau inzwischen von Norden in den Niederlausitzer Landrücken reingefressen hat. Vielleicht finden wir ja bei der Gelegenheit endlich einmal einen Halbedelstein, der dann, so wissen wir spätestens beim Fund, durch den früheren Senftenberger Elbelauf aus dem Riesengebirge bis hierher geschwemmt wurde.
Weiter führt der Weg auf dem Kuhringsberg (dort, wo einmal eine Skiabfahrt war). Von hier sehen wir auf Calau mit dem Fernsehturm und der Buckower Hochkippe – und, wenn es das Wetter ganz gut meint, sogar mit bloßem Auge die große Halle von Tropical Islands, wo zuvor einmal Luftschiffe gebaut werden sollten. Luftschiffe gibt es keine mehr – ein Luftschloss ist geblieben...
Das nächste Ziel ist der Goldborn, dessen Wasser schon zu Zeiten August des Starken heilende Wirkung für Wöchnerinnen gehabt haben soll und deshalb bis an seinen Hof geholt wurde. Der heiße Tipp dazu kam von seinem Hofnarren und der soll Kalauer gewesen sein – so die Legende. Ob so der Name Kalauer für Witze , Tipps und Legenden entstand, ist nicht überliefert.
Wenn wir Glück haben treffen wir in Werchow wieder Fleischermeister Karl Löschen kurz vor Ladenschluss, denn es ist ja Sonnabend. Da macht er gegen Mittag immer das große Tor zu. Für ein paar nette Worte ist er aber immer ansprechbar. Schließlich kennen wir uns schon seit einigen Jahren. Die Jahreszahl an seiner Fleischerei lässt errechnen, in welcher Generation er inzwischen schon das Geschäft betreibt. Quer durch den Ort , vorbei an der über hundertjährigen Schule, und über die Wiese führt der Weg dann zum Lugteich, der auch schon bessere Zeiten gesehen hat und an dessen Niedergang die Hand des Menschen nicht ganz unschuldig ist.
Der Cabel Gutspark mit Grube Andreas, Bergschlösschen, Ober- und Unterteich, Eiskeller und Ehestein sind weitere Stationen, bevor wir zum Cabeler Mühlteich (heute Feuerlöschteich) weiter wandern. Mehrfach wird von uns während der Tour nördlich des Landrückens, der oft auch als Grenzwall bezeichnet wird, die Trasse der früheren Tonbahn zur ehemaligen Ziegelei Cabel gekreuzt, zuletzt, kurz bevor der Weg nach Süden in das herrliche Kesselbachtal mit seinen Teichen und der Steinbank abbiegt. Der heute am Settinchener Weg liegende Feuerlöschteich soll einst der Mühlteich der Alt-Biehlener Wassermühle gewesen sein, einer Örtlichkeit, die schon 1527 wüst lag.
Bei allem Wandern werden wir natürlich auch wieder viele Augenblicke für die Tier- und Pflanzenwelt übrig haben. Das Ausforschen weiterer Standorte der Lausitzer Tieflandfichte gehört schon seit längerem zu unseren Tagesprogrammen.
Wenn wir dann den Feuerwachturm am Settinchener Weg sehen, kramen wir schon langsam das Handy raus, um in Gaumers Gasthaus anzurufen, damit die gusseiserne Pfanne für die Buchweizenplinse aufs Feuer kommt. „Heißer Kaffee und Plinse dazu“ heißt die jährlich gleiche Tour zwar immer erst im Januar, aber gut schmecken lassen kann man sich das kleine Gedeck auch schon im November nach einer schönen langen Wanderung mit viel frischer Luft in „Mutter Natur“.
Treffpunkt und Beginn werden wir wie immer bei der Anmeldung bekannt geben. Die Einkehr in Gaumers Gasthaus gehört nicht zwingend zur Wanderung. Die Einladung dazu wird aber nur selten ausgeschlagen. Trotz Einkehr bitte auch an Rucksackverpflegung und Getränke für einen Stehimbiss unterwegs denken. Keine Teilnahmegebühr. Um einen Obolus in unseren Fontane-Wanderhut wird gebeten. Urkunde für gutgelauntes und blasenfreies Mitwandern.
Wir werden auch wieder unser Wanderprogramm 2010 mitbringen, vorstellen und anbieten - diesmal sogar mit 93 Tourenvorschlägen und 1500 Wanderkilometern in der deutschen und polnischen Niederlausitz! Über 60 davon haben inzwischen schon ihre Besitzer gefunden...
Foto zum Text: Der Aussichtsturm bei Weißag - nach dem nächtlichen Kälte-einbruch wie mit Puderzucker bestäubt
Anmeldungen werden erbeten bis zum Vorabend unter Tel. 03542 – 3792.
Gerd Laeser
Gästeführer Niederlausitz
Lübbenau
Zur Erinnerung: Nochmals herzliche Einladung zur Gedenkwanderung am 15.11.09 in Jamlitz !

Blick vom Aussichtsturm bei Weißag über die Häuser des Dorfes nach Süden

Winterliche Stimmung im wildromantischen Kesselbachtal

Gasthaus Gaumer in Weißag. Beim Betrachten des Fotos läuft einem schon das Wasser im Munde zusammen, wenn man an die schmackhaften Buchweizen-plinse denkt...

Bildergalerie

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