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Luckau Freitag, 03 September 2010 von Gerd Laeser

Zum Tag des offenen Denkmals 2010

Zum Tag des offenen Denkmals 2010

Geführte Wanderung u. Fahrt zum Tag des offenen Denkmals am
12. September 2010
Nachdem wir, Die Niederlausitzer Wandergurken, uns im Internet das Angebot zum Tag des offenen Denkmals am 12. September 2010 angesehen hatten, kamen wir zu der Auffassung, dass wir auch an diesem Tag gegenüber der ursprünglichen Planung etwas Neues anbieten werden. Dabei haben wir uns für historische Sehenswürdigkeiten entschieden, die nicht so ohne Weiteres regelmäßig oder zu bestimmten Zeiten für öffentliche Besuche ihre Türen geöffnet haben.
So werden wir die meiste Zeit des Tages in Fürstlich Drehna verbringen. Unserer Devise treubleibend, dass bei unseren Unternehmungen das Wandern im Vordergrund steht, werden wir den Tag mit einer kleinen Geführten Wanderung „Rund um Fürstlich Drehna“ beginnen. Die etwa 7 Kilometer müssten eigentlich in ca. 2 Stunden zu schaffen sein.
Um 11.00 Uhr schließen wir uns dann einer Führung des örtlichen Kultur- und Heimatvereins an, die vom Vereinsvorsitzenden Ardo Brückner persönlich geleitet wird.
Treffpunkt dafür ist die Dorfkirche am Markt.
Dabei stehen die Entwicklung, Rettung und Neugestaltung des Landschaftsparks, die Restaurierung der Kirche mit der Orgel, die Alte Schule und das historische Gasthaus Zum Hirsch im Mittelpunkt. Wir haben an solchen Führungen mit Ardo Brückner schon teilgenommen und waren jedes Mal von seiner Kompetenz und Authentizität überzeugt und beeindruckt.
Gegen 13.30 Uhr wollen wir uns mit den eigenen PKW auf den Weg machen nach Groß Mehßow. Dort gibt es einen Tag der offenen Tür in der neogotischen Kirche sowie im Herrenhaus des Rittergutes derer von Patow. Hier wird auch Kaffe und Kuchen angeboten.
Von 14.45 Uhr bis 15.14 Uhr werden wir dann erneut mit den PKW unterwegs sein und nach Luckau, die einst heimliche Hauptstadt der Niederlausitz, fahren. Hier nutzen wir die Gunst der Stunde bzw. des Tages, um im Hausmannsturm aufzusteigen und einen Blick über die Dächer der Stadt zu werfen. Das Foto zu diesem Veranstaltungstipp wurde übrigens bei einem solchen Blick vom Hausmannsturm an einem Tag des offenen Denkmals vor drei Jahren aufgenommen.
Gegen 16.00 Uhr werden wir uns dann zur Freimaurerloge Zum Leoparden in der Brauhausgasse auf den Weg machen. Hier wollen wir uns mit der Geschichte und dem aktuellen Wirken der Freimaurer in Luckau vertraut machen. Diese Loge wurde 1809 als 131. Tochterloge der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ (Berlin) in Lübben gegründet und 1860 nach Luckau verlegt.
Etwa gegen 17.00 Uhr spazieren wir von der Loge wieder zurück zum Markt, um von dort mit den PKW die Heimfahrt nach einem überaus erlebnisreichen Tag anzutreten. Das vielleicht aber auch erst nach einem Besuch im historischen Cafe Graf, das sogar schon als Filmkulisse auserkoren war...
Weitere Angebote zum Tag des offenen Denkmals 2010 findet man im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de/laender/brandenburg
zum Luckauer Ortsteil Fürstlich Drehna unter Fürstlich Drehna – Wikipedia sowie
www.fuerstlich-drehna.info
www.schlabendorfer-felder.de
www.fuerstlichdrehna.de
www.schloss-f-drehna.de
www.schlossbrauerei.fuerstlich-drehna.de
www.schloesser-gmbh.de/05-fuerstlich-drehna.php
www.altekirchen.de/Artikel09/0903071.htm
www.bldam-brandenburg.de/index2.php?option=com_content&do...
zum Calauer Ortsteil Groß Mehßow unter Groß-Mehßow – Wikipedia sowie
www.gross-mehssow.de
www.calau.de
und zur Stadt Luckau selbst unter
www.luckau.de
Zur Wanderfahrt: Anreise und Fahrten in die einzelnen Orte auf eigene Kosten und Gefahr. Weitere Informationen, u.a. zum Treffpunkt und der Zeit des Beginns, bei der Anmeldung bis spätestens zum 11. September 13.00 Uhr unter der Rufnummer 03542 – 3792.
Bitte auch an Rucksackverpflegung und Getränke für eine Wanderrast im Freien sowie für den Tag insgesamt denken, denn eine Einkehr ist unsererseits während des Tages nicht vorgesehen. Keine Teilnahmegebühr - um einen Obolus in unseren Fontane-Wanderhut wird gebeten. Auf Wunsch - Urkunde für gutgelauntes und blasenfreies Mitwandern.
Foto zum Text: Blick vom Hausmannsturm in Luckau über die Dächer der Stadt zur Nikolaikirche
Weitere Fotos hier in der Bildleiste bzw. „Bilder der Region“ unter Dahme-Spreewald : Luckau und Luckau : Fürstlich Drehna sowie unter Oberspreewald-Lausitz : Calau : Groß Mehßow - Aufnahmen zu verschiedenen Jahreszeiten!
Gerd Laeser - Gästeführer Niederlausitz - Lübbenau
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Am Schluss dieser Information noch eine Episode aus der Historie des Schlossparks Fürstlich Drehna, die bereits im Luckauer Heimatkalender 1978/79 veröffentlicht wurde und über die ich bereits unlängst in der Lausitzer Rundschau berichtet habe. Zu einem Tag des offenen Denkmals sei es heutzutage wichtig und richtig, auf solche Episoden zu verweisen:
„Im Sommer 1875 weilte ich als Junge mehrere Monate bei Onkel Ente und Tante Malchen auf ihrem im Spreewald gelegenen Landsitz Drehna zu Besuch. In einem herrlichen Park, der sich allmählich in die großen Waldungen des Besitzers verlor, lag das alte, von einem breiten Wallgraben umgebene Schloss, welches einige runde Ecktürme und einen großen viereckigen Schlosshof besaß. Im Innern war das Schloss mit jedem Komfort der Neuzeit sehr geschmackvoll eingerichtet und enthielt auch sehr schöne Bilder, Waffen und sonstige Kunstsammlungen. Während des ganzen Sommers war das Schloss voller Gäste, welche sich ständig ablösten, denn, wenn der eine oder andere abreiste, so erschienen sofort dafür neue Gäste. Mehr oder weniger waren es meistens amüsante oder zum mindesten interessante Persönlichkeiten, welche die Gastfreiheit von Onkel Ente und Tante Malchen genossen.
Wie ich mich erinnere und heute noch aus meinem Tagebuch entnehmen kann, war kurz nach Pfingsten eine ganz besonders amüsante und interessante Gesellschaft, die sich aus den verschiedensten Berufen und Ständen zusammensetzte, in Drehna versammelt. Es waren anwesend: der Generaladjudant des Kaisers, Graf Heinrich Lehndorff, der talentvolle und leichtlebige Maler, Karikaturenzeichner und Herausgeber des damals sehr bekannten Witzblattes „Puck“, ein Herr von Grimm. Der als amüsante Erzähler berühmte Geheime Justizrat Primker aus Berlin. Der belgische Geschäftsträger Baron de Piteurs und mehrere andere jüngere Diplomaten. Der bekannte Rennstallbesitzer und Generalsekretär des Union-Klubs, Herr von Thielmann. Ein Major von Gayl vom Großen Generalstab mit seiner boshaft witzigen Frau, und mehrere andere.
Erwartet wurde auch der Dichter Theodor Fontane.
Als sich die ganze Gesellschaft eines Mittags in der Waffenhalle gerade zu Tisch gesetzt hatte, übergab plötzlich ein Diener meinem Onkel ein Telegramm. Onkel Ente öffnete es, las es wiederholt durch und murmelte vor sich hin: „Wer ist das eigentlich, dieser Chevalier Wollheim di Fonsecca“. Darauf wandte er sich an den Grafen Lehndorff, der ihm bei Tisch gegenüber saß, und las ihm das Telegramm laut vor. Es war von Theodor Fontane und lautete etwa folgendermaßen:
„Würden sie erlauben, lieber Baron, dass ich meinen Freund, den Chevalier Wollheim di Fonsecca, morgen abend nach Drehna mitbringe, er ist ein sehr amüsanter Causeur und wird Sie und die Baronin sicherlich interessieren.
Ihr aufrichtig ergebener Theodor Fontane.“
Graf Lehndorff lächelte und erwiderte; „Ich glaube zu wissen, wie die Sache zusammenhängt. Der Chevalier Wollheim di Fonsecca hat nämlich in einer Theaterangelegenheit ein Anliegen an mich. Wahrscheinlich hat er von seinem Freunde Theodor Fontane erfahren, dass ich hier zu Besuch bin, und diesen dann gebeten, ihn bei Ihnen einzuführen, damit er mich hier sprechen kann.“. Aber wer ist denn nun eigentlich dieser Chevalier Wollheim di Fonsecca“, warf Tante Malchen ein. „Das will ich Ihnen kurz erzählen“, erwiderte Graf Lehndorff. „Er ist von israelitischer Abstammung und, so viel ich weiß, in Breslau geboren. Etwa zu Anfang der vierziger Jahre war er in jüngerem Alter als Schreiber beim alten Kanzler Metternich in Wien tätig, man behauptet sogar, es wäre ihm beinahe gelungen, zum Geheimsekretär Metternichs ernannt zu werden. Da ihm aber dieser Coup schließlich nicht glückte, ging er auf Reisen und kam unter anderem auch nach Portugal, wo er geschäftliche Tätigkeit entfaltete. Dort heiratete er eine Madmoiselle di Fonsecca und nennt sich selbst seitdem Chevalier Wollheim di Fonsecca. Später ging er nach Dänemark, wo es ihm tatsächlich gelang, Privatsekretär des Königs Friedrich VII. zu werden. In dieser Stellung blieb er einige Jahre. Was er dann gemacht hat, weiß ich nicht. Während des Feldzuges (1870/71) tauchte er plötzlich bei uns im Hauptquartier auf. Durch die Vermittlung von Perponcher gelang es ihm, von Bismarck empfangen zu werden, und dieser wiederum empfahl ihn der Heeresleitung. Bald darauf sah ich ihn in Reims als Herausgeber unserer dortigen Kriegszeitung.“
„Ich kenne ihn aus Brüssel“, warf Baron de Pieteurs plötzlich ein, „er leitete dort ein Theater und machte mehrere Jahre hindurch von sich reden“.
„Auch ich kenne ihn ganz genau aus Leipzig, wo er sich längere Zeit aufhielt und eine große Tageszeitung zu gründen suchte“, sagte Herr von Grimm. „Man sagte damals von ihm; ’Er spricht vierzig Sprachen und lügt in fünfundvierzig’. Andere Freunde von ihm wiederum behaupten: ’Wenn man ihn ansieht, ist er ganz Wollheim, wenn man ihn aber reden hört, ist er der Chevalier di Fonsecca’.“ „Der Mann fängt an mich zu interessieren“, sagte Tante Malchen, „ich hoffe, Sie werden so freundlich sein, Herr von Grimm, und auch von ihm eine Ihrer herrliche Karikaturen für mein Geheimarchiv machen.“ „Selbstverständlich“, erwiderte Herr von Grimm, „er eignet sich wie wenig andere zu einer Hyperkarikatur für Ihr Geheimarchiv.“
Darauf erkundigten sich einige der anwesenden Gäste bei Herrn von Grimm, ob sie vielleicht auch als Hyperkarikaturen in das Geheimarchiv der Baronin gewandert seien. Herr von Grimm aber lächelte boshaft und schwieg.
Onkel Ente sandte nach dem Essen ein Telegramm an Theodor Fontane, indem er ihm mitteilte, dass er sich sehr freuen werde, den Chevalier Wollheim di Fonsecca als seinen Gast in Drehna zu empfangen.
Mit großer Aufmerksamkeit hatte ich der Unterhaltung bei Tisch zugehört und brannte natürlich vor Neugier, diesen so vielseitigen Chevalier Wollheim di Fonsecca so bald als möglich kennen zu lernen. Deshalb bat ich Onkel Ente, am folgenden Tag mit nach der Bahn fahren zu dürfen, um Theodor Fontane und den Chevalier abzuholen. Onkel Ente willigte ein, und ich fuhr am späten Nachmittag des folgenden Tages mit nach der Bahnstation Lübbenau, um die neuen Gäste dort zu empfangen. Als der Zug aus Berlin eintraf, erkannte ich auf Grund der Beschreibungen, die ich tags zuvor gehört, sofort den berühmten Chevalier.
Herr von Grimm hat ganz recht gehabt, dachte ich in meinem Innern, mit der Behauptung: „Wenn man ihn ansieht, ist er ganz Wollheim“. Ich begrüßte die beiden Herren und sagte, dass mein Onkel mich nach der Bahn geschickt habe, um sie zu empfangen.
Zum erstenmal in meinem Leben sah ich hier auch den damals bereits berühmten Theodor Fontane.. Die Fahrt vom Bahnhof Lübbenau nach Drehna dauerte im Wagen etwa eineinhalb Stunden. Da es regnete, hatte ich den Wagen schließen lassen. Fortgesetzt unterhielt sich der Chevalier mit Theodor Fontane auf das lebhafteste und sprach dabei deutsch, französisch und englisch, vielleicht auch einige andere Sprachen, die ich nicht verstand, durcheinander. Nach einiger Zeit sagte Fontane zum Chevalier: „Schnattern Sie nicht fortwährend so laut und ohne Unterbrechung, mein verehrter Freund, ich habe bereits Kopfschmerzen.“ Der Chevalier ließ sich aber nicht abhalten und schnatterte fortgesetzt weiter.
Als wir vor dem Schloss in Drehna vorfuhren, hatten sich die meisten Gäste vor Neugierde, den Allerweltschevalier ankommen zu sehen, in der Nähe des Schlossportals aufgestellt, und ich bemerkte, wie sie heimlich boshafte Bemerkungen machten. ( )...
Am Nachmittag des folgenden Tages hatte Onkel Ente zur Unterhaltung seiner Gäste ein Preisschießen mit Duellpistolen arrangiert. Auf einer Wiese im Park waren mehrere Scheiben aufgestellt. Die Pistolen waren sogenannte Vorderlader-Präzisions-Pistolen. Die Gäste machten untereinander Wetten, welche zum Teil ziemlich hohe Summen erreichten, und am höchsten von allen wettete Herr von Thielemann. Der Leibjäger von Onkel Ente sowie ein jüngerer Forstgehilfe luden die Pistolen, und ich half ihnen dabei.
Herr von Thielemann, eine große breitschultrige Gestalt mit einem langen wohlgepflegten Vollbart, war anscheinend infolge seiner hohen Wetten zeitweise sehr aufgeregt, und das Laden der Pistolen konnte für ihn nie schnell genug von statten gehen. Wiederholt beschimpfte er in harschem Tone den Leibjäger, den Forstgehilfen und auch mich selbst. Nachdem ich mir diese Beschimpfungen eine ganze Weile in Ruhe mit angehört hatte, sagte er plötzlich zu mir, als ich ihm wieder einmal nicht schnell genug lud: „ Man sieht ja eben, du bist so dumm wie alle Schlesier.“ Da stieg mir vor Wut das Blut in den Kopf, denn als geborener Schlesier besaß ich großen Lokalpatriotismus für meine Heimatprovinz, ja eine Art von furor teutonicus erwachte gewissermaßen in meinen Adern, und ich fasste den schnellen Entschluss, diese Beschimpfung zu rächen. Kaum war ich mit dem Laden der Pistole fertig, so richtete ich dies direkt auf die Stirn des Beleidigers und schrie, so laut ich schreien konnte: „Sie werden sofort zurücknehmen, was Sie eben gesagt haben, Sie werden umgehend Abbitte tun, Herr von Thielemann, oder ich drücke ab“ Lautlose, atemlose Stille entstand sofort unter sämtlichen Anwesenden, aber keiner wagte es, sich einzumischen oder gar zu versuchen, mir die Pistole aus der Hand zu nehmen, aus Angst, ich könnte wirklich abdrücken.
Herr von Thielemann selbst wurde kreideweiß im Gesicht und blieb anfangs sprachlos. Dann fing er aber plötzlich an zu stottern und sagte mit zitternder Stimme: „Sei nur gut mein Junge, sei nur gut, ich habe das ja nicht so gemeint, ich nehme alles zurück. Ihr Schlesier seid ja ganz gescheite und brave Kerls.“
Darauf setzte ich die Pistole ab, legte sie auf den Ladetisch und sagte zu Herrn von Thielemann: „Ich nehme Ihre Abbitte an, aber ich hoffe, dass Sie sich nie wieder ein derartiges Benehmen erlauben werden.“ Eine ganze Weile noch dauerte es, bis sich auch die Zuschauer dieses kleinen Intermezzos von ihrem Schreck erholt hatten. Herr von Thielemann war immer noch kreideweiß im Gesicht und zitterte an allen Gliedern. Da plötzlich stürzte sich Tante Malchen auf mich, gab mir ein paar ordentliche Ohrfeigen, nahm mich bei der Hand und führte mich stillschweigend in der Richtung des Schlosses ab. Sie führte mich auf mein Zimmer, und nachdem sie mich noch ordentlich ausgescholten hatte, schloss sie die Tür zu und sagte, ich dürfte nicht zum Abendessen kommen.
Als ich am nächsten Morgen zum Frühstück in den Eßsaal kam, hörte ich, wie die Gäste sich laut lachend über das Intermezzo des vorigen Tages unterhielten, und das Herr von Thielemann ganz plötzlich, bereits in aller Frühe, abgereist sei. Ich hatte das Gefühl, die Sympathien aller Anwesenden auf meiner Seite zu haben, denn Herr von Thielemann schien sich wegen seines hochfahrenden Wesens nicht gerade allgemeiner Beliebtheit zu erfreuen. Nach dem Frühstück nahm mich Theodor Fontane bei der Hand und sagte: „Komm, mein Junge, wir wollen jetzt zusammen einen Spaziergang durch den Park machen.“ Dann fragte er mich, ob ich wirklich die Absicht gehabt habe, die Pistole abzudrücken, falls Herr von Thielemann nicht Abbitte getan hätte. Ich erwiderte, dass ich nicht die Absicht gehabt, ihn wirklich zu erschießen, dass ich ihm aber wahrscheinlich durch einen Schuss in den Oberschenkel oder in die Wade einen kleinen Denkzettel gegeben hätte. Theodor Fontane lachte und schrieb im Stehen eine Bemerkung in sein Notizbuch. Nach einem langen Spaziergang durch den Park und bis tief in den Wald hinein, wobei der Dichter alle Augenblicke stehen blieb und sich schriftliche Notizen machte, kehrten wir kurz vor der Mittagszeit ins Schloss zurück. ( )...
Mit Theodor Fontane bin ich in späteren Jahren noch oft zusammengekommen. Wir trafen uns nicht nur im Hause von Onkel Ente, sondern saßen auch am runden Stammtisch der alten Berliner Weinstube von Lutter & Wegener in der Charlottenstraße öfters zusammen. Auch der Chevalier Wollheim di Fonsecca kam, wenn ihn seine Wege nach Berlin führten, an diesen Stammtisch, ebenso Herr von Grimm und der amüsante Geheime Justizrat Primker. Angeblich soll es derselbe Tisch gewesen sein, an welchem vor etwa hundert Jahren der berühmte Kammergerichtsrat Hoffmann zu sitzen pflegte, welchen Offenbach in seiner Oper „Hoffmanns Erzählungen“ verewigt hat. So manches geistreiches Wortgefecht wurde an diesem Stammtisch ausgetragen.
Viele interessante Persönlichkeiten lernte ich dort kennen, darunter auch den berühmten Geographen und Forschungsreisenden Freiherrn Ferdinand von Richthofen.
Eines Tages fragte ich Theodor Fontane, warum er nicht eine Beschreibung von dem Leben im Schloss Drehna in sein berühmtes Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ mit aufgenommen habe. Er erwiderte darauf: „Ich habe sehr oft die Absicht gehabt, dies zu tun, bei näherer Überlegung kam ich aber immer zu dem Schluss, dass das elegante Leben in Schloss Drehna und die dort verkehrenden Persönlichkeiten nicht in den eigentlichen Rahmen einer Schilderung märkischer Landhäuser passten. Oft überlegte ich mir, ob ich nicht ein eigenes Werk über Drehna, seine Insassen und die dort verkehrenden Gäste, welch allen im Gegensatz zur eigentlichen märkischen Gesellschaft eine äußerst liberale Geistesrichtung innewohnte, schreiben solle. Doch auch hier kam ich wieder zu dem Schluss, dass es besser sei, liebe gute Freunde, mit denen ich in regelmäßigem Verkehr stand, zum mindesten zu ihren Lebzeiten selbst im besten und wohlwollendsten Sinne nicht an die Öffentlichkeit zu zerren, da man doch nie weiß, wie der eine oder andere dies auffassen würde.“
So weit das Zitat – gefunden 1997 in besagtem Heimatkalender von 1978/79 und nach der Quellenangabe bei Recherchen zu Th. Fontane und Fürstlich Drehna im Internet wieder entdeckt:
Aus den „Lebenserinnerungen u. politischen Denkwürdigkeiten des Hermann Freiherrn von Eckardstein“ Bd. 1 Leipzig 1919.
Zusammenhang...!
„1793 kaufte Graf Moritz Ernst zu Lynar aus dem Hause Lübbenau die Herrschaft und wurde damit der Stifter einer zweiten jüngeren Linie dieses Hauses, welches italienischer Herkunft ist. 1807 erhob Kaiser Franz I den Grafen in den österreichischen Fürstenstand. Der Sohn des Fürsten, Rochus Otto Manderup Heinrich, überlebte seine Söhne und starb 1860. Die gesamte Herrschaft, die seine verwitwete Schwiegertochter Frau v. Gollmitz erbte, umfaßte das Schloß, 4 Vorwerke und 11 Dörfer mit rund 1900 Einwohnern. Der zweite Gemahl der Frau v. Gollmitz, Freiherr v, Eckardstein, verkaufte 1877 die 5000 ha umfassende Herrschaft für 1,8 Mill. Goldmark an den Reeder zu Bremen, Christian Heinrich Wätjen, dessen Sohn Johannes Carl 1884 den Besitz antrat und 1888 durch Kaiser Friedrich geadelt wurde.“ (Quelle: fuerstlichdrehna.de – Gasthof Zum Hirsch)
Besagter zweiter Gemahl der Frau v. Gollmitz, der auf Schloss Drehna residierte, war der Onkel des Chronisten und wenn das Jahr 1875 als Zeitpunkt der Episode stimmt, dann war dessen Neffe, der Chronist, nach eigener Darstellung in seiner Vita damals 14 Jahre jung...
G.L.

Wasserschloss Fürstlich Drehna

Immer wieder ein Hingucker - Trauerschwäne auf dem Schlossteich in Fürstlich Drehan. Ob wir sie wohl wiedersehen werden...?

Eingangsportal der neogotischen Kirche in Groß Mehßow

 

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