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Cottbus Freitag, 20 November 2015 von Benjamin Andriske

Neue Brautradition in Cottbus

Neue Brautradition in Cottbus

Rechtzeitig vor Weihnachten soll es soweit sein. Mit einem Rampenverkauf sollen die ersten 1.500 Flaschen Cottbuser Bier an die Leute gebracht und damit wieder eine Cottbuser Brautradition begründet werden. Doch von Anfang an, Olaf Wirths ist eigentlich Rheinländer, doch er verfiel der Schönheit des Ostens. Zuallererst seiner Frau, gebürtige Cottbuserin, die er in Köln kennenlernte und mit der er vor zwei Jahren samt zweier Kinder in die Lausitz zog. Den Schritt hatten sich beide während einer Auszeit in Südostasien überlegt. Seine Frau Anja Braun ist in Cottbus aufgewachsen, er hat sich in sie und den Ort verliebt, schätzt die hohe Lebensqualität und die Nähe anderer Metropolen wie Dresden, Leipzig und Berlin. „Ich glaube, das Selbstbild der Cottbuser ist manchmal anders, aber ich habe hier nur positive Erfahrungen gemacht und fühle mich hier pudelwohl. Es wird Veränderungen in der Stadt und der Region geben, ich begreife sie als Chance und Potential, davon gibt es eine Menge hier. Man kann sich hier was trauen. Manche sollten einen Perspektivwechsel wagen um zu erkennen was hier alles möglich ist.“ sagt Olaf Wirths enthusiastisch.

Der gelernte Zimmermann ging nach seiner Lehre mehrere Jahre auf die Walz, lernte andere Kulturen und damit Biere kennen. „Ich habe gemerkt, wie kulturstiftend Bier weltweit ist. Als wir uns neu orientiert haben, habe ich mich entschlossen meine Leidenschaft fürs Bier zu vertiefen.“ Selbst gebraut hat er schon vorher, Mitte 2013 hat er eine Ausbildung zum Biersommelier absolviert, eine Art Botschafter des Bieres. Danach ging es los mit eigenen Rezepten.

Letzten Mittwoch war es dann soweit. Das erste Bier, welches an die Cottbuser Brautradition von 1385 anknüpft wurde gebraut. Seine neue Kreation, das „Alte Welt Ale“ ist ein obergäriges dunkles Bier, die es 1385 ausschließlich gab. Untergärige Hefe und damit Pils und Lagerbiere gab es erst später. Das Cottbuser Bier kommt einem aktuellen Trend entgegen, denn die Craftbierszene ist gerade stark im Kommen. Durch die Rauchröstung wird es eine leichte Rauchnote haben, aber auf Kräuter, die in den historischen Bieren enthalten waren, verzichten. Es soll nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut werden, Hopfen, Malz und Brauwasser sind die Zutaten. „Wir arbeiten mit zwei Hopfenarten um einerseits die Blumigkeit der historischen Biere hervorzuheben und andererseits auch einen markanten Geschmackscharakter zu entwickeln. Wir betrachten Bier als Lebens- und Genussmittel, es soll genossen werden und mit einer Geschichte glänzen können. Es soll Ecken und Kanten mit einem besonderen Geschmack haben.“ gibt Olaf Wirths seine Philosophie zu erkennen. Allein das es vier Wochen lagert ehe es verkauft, zeigt den Qualitätsanspruch für das Bier.

„Alle Sude werden in Cottbus vorgebraut, wir haben eine Idee für unser Bier und schauen uns die Rastzeiten und den Geschmack an. Wir probieren verschiedene Hopfenarten aus um unser Kunstwerk zu vollenden.“ beschreibt Wirths die Vorgänge. Das erste Bier wurde in Finsterwalde gebraut, „Braumeister Markus Klosterhoff hat uns sehr unterstützt und wir wissen, dass die Brauerei unsere Brauphilosophie vertritt.“ erklärt Wirths die Entscheidung. 1.000 Liter, die zu 0,75L Flaschen abgefüllt werden sind fertig und werden über einem Rampenverkauf vor Weihnachten an die Cottbuser gebracht. Wann und wo wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Olaf Wirths umreißt die weiteren Ziele klar: „Mittel- und Langfristig wollen wir eine eigene Brauerei in Cottbus. Dafür müssen wir herauszufinden, ob sich der Cottbuser mit unserem Bier anfreunden kann. Dann würden wir im nächsten Schritt eine eigene Tap-Bar (Bar mit frisch gezapften Bieren) samt Brauerei eröffnen in der wir unsere eigenen Kreationen verkaufen aber auch gute Biere aus aller Welt anbieten. Wir wollen das wieder über Bier geredet wird, über die Unterschiede und Qualitätsmerkmale.“

Weiterhin ist ein Onlineshop für Biere geplant, der neben den eigenen Biersorten insbesondere die osteuropäischen Brauereien berücksichtigten soll. Wer schon Lust auf mehr bekommen hat, kann sich unter www.bierversteher.de und www.labieratorium.de über Bierreisen, Verkostungen und einen eigenen Braukurs informieren.

Neben seiner Frau Anja Braun, die auch Biersommeliere ist, besteht das Team aus dem Grafiker Joe Kammer, Marketingfachmann Jörg Tudyka, Kulturgut Ulli Perske und dem Gastronomiekenner Attila Magyar. Zusammen arbeiten sie an der Premiere weiter, damit es auf einigen Geschenktischen zu Weihnachten wieder Cottbuser Bier gibt.

25.11.2015 Update: Das Bier ist nun online vorbestellbar

Fotos: Joe Kammer

Sie wollen Cottbus wieder zu einer Stadt mit eigenem Bier machen; Foto: bierversteher.de

 

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