Cottbus Freitag, 09 Mai 2014 von Yulia Speich

Sahra Wagenknecht und Stern Combo Meißen in Cottbus

Sahra Wagenknecht und Stern Combo Meißen in Cottbus

"Der deutsche Staat und alle Regierungsmitglieder sind umgeben von einer zerbröckelnden Fassade – einer Mauer, die langsam zu zerfallen droht. Doch nicht nur diese, auch die Barriere zwischen der Regierungsführung und der des in sich gekehrten Volkes. Es passt einfach nichts mehr kompromisslos zusammen und wenn man um die Ecke schaut, sieht man nur noch exzellente Heuchler und egoistische Ausbeuter. Warum auch etwas ändern – denen geht es gut und der sozialschwachen Schicht geht es schlecht. Sie handeln ohne rot zu werden menschenunwürdig nach dem Motto: ,,Was geht uns fremdes Elend an‘‘ und dem muss schleunigst entgegengesteuert werden." Vor rund 1000 Zuhörern und Politikinteressenten versuchte am späten Dienstagnachmittag, den 06. Mai 2014, die Linke Frontfrau Sahra Wagenknecht im Europawahlkampf auf dem Cottbuser Stadthallen-Vorplatz mit diesen markigen Worten die Menschen zu überzeugen. Vorab trat der Bundesvorsitzende der Linken Bernd Riexinger auf die Bühne und schilderte den Bruch der deutschen Politik aus seiner Sicht.

Sahra Wagenknecht, die stellvertretende Fraktionschefin der Linken im Bundestag, ist das magische Juwel Deutschlands. Ihre Partei befindet sich zurzeit im Endspurt der Europa- und Kommunalwahl. Allen Bürgern und Bürgerinnen werden zutraulich ans Herz gelegt, sich den Wahlen nicht zu entziehen, sondern diejenige Partei zu wählen, die die eigenen Interessen gut möglichst vertritt und aufleben lässt. Sie sprach die vermeintlichen Sorgen und Ängste der Bevölkerung aus ihrer Sicht offen aus und ermutigte sie, sich den Kampf gegen die Ungerechtigkeit zu stellen und selbstbewusst in die Offensive zu gehen. Sahra schnitt einige gewichtige Fakten detaillierter an: Wo bliebe endlich die Angleichung der Mindestlöhne zwischen Ost und West – 8,50 Euro Mindestlohn seien zwar ein kleiner Anfang, doch ausreichend und zufrieden leben kann man auch davon noch lange nicht. Daraus resultierend strebt irhe Partei flächendeckend einen Mindestlohn von 10 Euro an. Zudem ließ sie das Thema "Staatsschulden" vehement nicht los. In Konterbereitschaft kommunizierte sie energisch zum Publikum und sprach über die unfassbare "Unbezahlbarkeit", wie es der deutsche Staat darstellt. Es ist menschlich gesehen unerträglich, wenn angeblich keine Finanzen für Kita- und Hortplätze zur Verfügung stehen und stets von Einsparmaßnahmen die Rede ist. Fakt ist, wenn die Geburtenrate steigt, muss doch klar sein, dass auch mehr Kita- und Hortschulplätze geschaffen werden müssen und mehr Personal eingestellt werden muss. Aber die Gedankenflüsse der oberen Politik scheinen rückwärts zu laufen. Viel Applaus fand auch der Aspekt der minimalen Rentenbeträge. Wie kann es im deutschen Staat sein, dass Rentner, die über Jahre knüppelhart gearbeitet haben, jetzt eine monatliche Rente bekommen, die nicht höher als Hartz 4 ist. Sie fühlen sich alle verarscht und sklavisch ausgenommen. Das kann’s in so einem Staat doch nicht ernsthaft sein. Kopfschüttelnd und unverfroren spottete Wagenknecht – aber die "Steuergeschenke der oberen Zehntausend" soll man belassen. Sie sagt "Wir wollen eine europaweite Millionärsabgabe", denn da liegt das Geld, mit der die Schuldenanhäufung ausgeglichen und die Finanzierungen der wichtigen Aspekte gedeckt werden können. Mit ihrer Rhetorik vermochte sie es, die Sichtweise einhellig zu erläutern, streng im Wahlkampfmodus.

Im Anschluss gab die Ostrockband "Stern Combo Meissen" ihr 50igstes Bühnenjubiläum und rockte den Stadthallenvorplatz mit vielen alten Hits. Die Zuhörer waren emotional gerührt und konnten die meisten Songs lautstark mitsingen. Das aktuelle Studioalbum Lebensuhr strahlt vor Innigkeit und Selbstbewusstsein. Die Titel regen zum Nachdenken an und tief im Inneren sprechen sie einem aus der Seele. Ein sehr gelungenes zeitloses Album, in dem sich Jedermann wiederfinden kann. Nach zweistündiger Gesangseuphorie standen Stern Combo Meissen ihren Musikliebhabern für Autogrammwünsche zur Verfügung und hielten mit den Einen oder anderen einen genüsslichen Smalltalk. Der Ostrock wandelt lebendig wie nie zuvor. Sie sind immer zu jeder Stunde herzlich willkommen.

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