Landkreis Inzidenz
Cottbus Freitag, 02 April 2021 von [wp]

Langsame Entspannung: Cottbus als Pilotprojekt für Deutschland

Langsame Entspannung: Cottbus als Pilotprojekt für Deutschland

Mit den steigenden Inzidenzzahlen in ganz Deutschland und Brandenburg wird es immer schwieriger langersehnte Öffnungen zu ermöglichen. Ausgewählte Kommunen möchten nun eine Vorbildrolle für die gesamte Republik spielen und erproben Modelle, um dieses Jahr noch stetige Öffnungen von Geschäften und gesellschaftlichen Ereignissen zu ermöglichen. Das Land Brandenburg möchte nun zwei Pilotprojekte in Potsdam und Cottbus starten, die als Maßstab für Lockerungen in ganz Deutschland gelten sollten. Das wichtigste hierbei ist, dass die Öffnungen mit viel Vernunft und Verantwortung vorgenommen werden.

Begleitung geplant

Die Öffnungen werden wissenschaftlich durch die Technische Universität in Cottbus begleitet. Dieses Institut wird über den gesamten Zeitraum des Projekts die Inzidenzrate und auch die Kapazitäten der Krankenhäuser messen. Anhand dieser Erkenntnisse wird die Universität als prüfende Instanz genutzt, welche ihre Empfehlungen an die Kommunalpolitiker in Cottbus abgeben wird. Zudem werden von bestimmten Freiwilligen Kontaktprofile erstellt, anhand derer Kontaktmuster erkannt werden können.

Ein weiterer wichtiger Teil des Pilotprojekts ist die Teststrategie der Stadt: Hierzu soll die Zahl der ausgeführten Tests um ein Vielfaches zunehmen. Ausgeführt werden soll die Testoffensive durch das Aufstellen vieler kleinerer Testzentren die auch mit Hilfe von Zelten schnell an verschiedenen Orten aufgestellt werden können.

Diese Testzentren sollen an verschiedenen Orten wie zum Beispiel Einkaufspassagen oder auch an verschiedenen Sportplätzen aufgestellt werden. Das wichtigste Kriterium für die Durchführung der Strategie ist jedoch die Belastbarkeit des Gesundheitssystems der umliegenden Krankenhäuser, betont Bürgermeister Holger Kelch. Das Ziel der Öffnung ist es, ein normalisiertes Leben ohne eine Überlastung des Gesundheitssektors zu erzeugen.

Viele Cottbuser freuen sich bereits auf die Öffnungen vieler Geschäfte, aber auch anderer öffentlicher Einrichtungen in der Stadt. So ergab eine Umfrage, dass 68% der Studenten der Stadt sich den Unterricht im Vorlesungssaal wieder zurückwünschen, denn auch die Qualität der Bildung hat unter der Krise gelitten.

Digitale Alternativen

Allerdings gibt es auch Bereiche in denen sich einige Freuen, dass sie auf Online-Alternativen umgestiegen sind. So ist ein Großteil der Stammkundschaft von Spielhallen in Online-Spielotheken gewechselt, die ein besseres Angebot und transparentere Konditionen als die meisten traditionellen Spielhallen aufweisen. So hat die zwanghafte Digitalisierung verschiedener Gewerbe nicht nur schlechte Seiten an sich.

In Baden-Württemberg wurde bereits in der Stadt Tübingen ein ähnliches Projekt gestartet, durch das stufenweisen Öffnungen des öffentlichen Lebens zugelassen werden sollen. Erste Erkenntnisse aus den Testverfahren werden mit den Behörden in Cottbus geteilt um bereits auf den Erfahrungen der Tübinger aufbauen zu können. Der Plan der Tübinger ist es, auch als Kommune den Kampf gegen die Pandemie selbst in die Hand zu nehmen statt permanent auf die Empfehlungen des Landes oder Bundesregierung zu reagieren.

Die Kommunen können bei niedrigen Ansteckungszahlen eine Öffnung der Gesellschaft in die Wege leiten, die nachhaltig ist und die Gesundheitssysteme dazu nicht unnötig belastet. Die Politiker erhoffen sich durch die Pilotprojekte Rückschlüsse über die Lockerung der Bestimmungen in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens – wie zum Beispiel dem Sport oder auch Konzerten.

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