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Brandenburg Freitag, 24 September 2021 von [wp]

Photovoltaik: Brachliegende Freiflächen gewinnbringend nutzen

Photovoltaik: Brachliegende Freiflächen gewinnbringend nutzen

Westdeutschland hat die Auswirkungen des Klimawandels im vergangenen Sommer massiv zu spüren bekommen. Auch im norddeutschen Tiefland lässt sich die Klimakrise kaum noch verleugnen. Durch den im Klimaschutzplan vorgesehenen Umstieg auf erneuerbare Energien will die Bundesrepublik die Konsequenzen eindämmen. Klimaneutral bis 2045: Ein wesentlicher Bestandteil dieses Vorhabens ist der Ausbau der Solarenergie. Nicht nur auf Hausdächern: Auch Freiflächenanlagen sollen sich vermehren. Wegen ihrer Dimension bieten sie gegenüber Dachmodulen wesentliche Kostenvorteile.

Definition: Was genau ist eine Freiflächenanlage? Damit gemeint sind Solarmodule, die nicht auf Gebäuden installiert sind. Stattdessen stehen sie als fest montierte Systeme ebenerdig auf einer freien Fläche. Eine Unterkonstruktion richtet sie in optimalem Winkel zur Sonne aus. Die einzelnen Module sitzen im Abstand von einigen Metern auf Metallrahmen, deren Unterkante unmittelbar über dem Boden liegt. Wird die Fläche zusätzlich landwirtschaftlich genutzt, kommen höhere Gestellen zum Einsatz. Differenziert wird außerdem zwischen festinstallierten Modulen und Anlagen mit integriertem Nachführsystem zur automatischen Modulausrichtung.

Was Freiflächenanlagen so ertragreich macht

Alternative Energien boomen in deutschen Haushalten. Im vergangenen Jahr ganz besonders Solarstrom. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich laut dem Bundesverband Solarwirtschaft im Jahr 2020 sogar doppelt so viele Verbraucher für einen Umstieg auf grünen Strom in Form von Solarenergie entschieden. Neben gesunkenen Modulpreisen ist ein gestiegenes Umweltbewusstsein dafür verantwortlich, dass insgesamt mehr als 180.000 Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von fast fünf Gigawatt errichtet wurden. So konnten erstmals mehr als zehn Prozent des deutschen Jahresstromverbrauchs allein durch Solarenergie gedeckt werden. Im Vergleich zu Dachanlagen sind Freiflächenanlagen in der Bundesrepublik trotzdem noch immer relativ selten. Bis vor zehn Jahren lag ihr Marktanteil konstant zwischen zehn und 15 Prozent. Kurz vor Absenkung der Einspeisevergütung stieg der Prozentsatz. Im Juni und September 2012 wurde sogar deutlich mehr Leistung auf Freiflächen installiert als auf Dächern. Allerdings ging der Marktanteil Ende 2012 wieder massiv zurück. Angesichts der Klimaschutzziele muss sich das Experten zufolge verändern. Damit die Bundesrepublik irgendwann ausschließlich erneuerbaren Strom verbraucht, reichen kleine PV-Anlagen auf Dächern nicht aus. Zur Zielerreichung braucht es Freiflächen für die Solarstromproduktion. Denn Freiflächenanlagen bieten Vorteile wie:

  • geringere Kosten: Die Errichtung einer Freiflächen-PV ist günstiger als die Montage einer Dachanlage, weil sich bei großen Anlagen durch bessere Einkaufspreise viele Fixkosten reduzieren lassen. Sowohl in der Anschaffung als auch im Ertrag sind Freiflächenanlagen dadurch effizienter.
  • besseren Stromertrag: Bei Solarmodulen auf dem Dach müssen Bauherren vergleichsweise mehr Rücksicht auf die örtlichen Gegebenheiten und die Baumöglichkeiten nehmen. Dadurch lassen sich Dachanlagen im Gegensatz zu Freiflächenmodulen oftmals nicht optimal auf die Sonne ausrichten, womit der Ertrag sinkt.
  • einfachere Wartung: Ebenerdige Solarmodule sind frei zugänglich und dadurch schnell und kostengünstig zu warten.
  • höhere Lebendsdauer: Größer dimensionierte Solarmodule sind mit bis zu 40 Jahren Nutzungsdauer langlebiger als kleinere Dachanlagen.

Wie viel Ertrag PV-Anlagen auf Freiflächen genau erbringen, hängt von ihrer Dimensionierung und damit der verfügbaren Flächengröße ab. Pro Hektar liegt der jährliche Stromertrag bei bis zu 500.000 Kilowattstunden. Eine feste Einspeisevergütung gibt es seit 2014 nicht mehr. Förderungen werden seit Januar 2015 nur noch im Rahmen von Ausschreibungen vergeben. Wirtschaftlich bleiben Freiflächen-PV-Anlagen trotzdem. Die Anschaffungskosten sind im vergangenen Jahrzehnt um mehr als die Hälfte gefallen. Grundsätzlich sind größere Anlagen mit den verhältnismäßig günstigsten Preisen verbunden. Abgesehen von den Ertrags- und Kostenvorteilen bieten sie auch ökologische Vorteile. Mit ihrer Errichtung lassen sich Grünflächen langfristig sichern und Lebensräume vor Versiegelung schützen. Durch den Verzicht auf Fundamente bleiben der Boden und die Biodiversität des Standorts so gut wie unberührt.

Wo darf man Freiflächenanlagen errichten?

Um eine ertragreiche PV-Anlage auf Freiflächen zu errichten, benötigt man Platz. 20.000 Quadratmeter oder mehr eignen sich zur Errichtung eines wirtschaftlichen Solarparks, der gewerblichen Investoren vorgeschlagen werden kann. Kleinere Anlagen auf privaten Grundstücken spielen in der Praxis kaum eine Rolle. Das EEG fördert Photovoltaikanlagen auf Freiflächen ausschließlich, wenn es sich bei dem Standort um eine Konversionsfläche, eine bereits versiegelte oder landwirtschaftlich genutzte Fläche handelt. Als Konversionsflächen gelten frühere landwirtschaftliche und militärische Standorte, die zur Umnutzung vorgesehen sind. So beispielsweise wegen schadstoffbelasteter oder erschöpfter Böden. Idealerweise ist der Standort frei von Verschattungen, um optimale Effizienz bei der Stromerzeugung zu ermöglichen. Anders als private Anlagen auf Dächern erfordern Freiflächenanlagen übrigens stets eine offizielle Baugenehmigung. Ob eine solche erteilt wird, hängt von der jeweiligen Kommune ab. Einige geben Sonderauflagen bezüglich der möglichen Modulhöhe und -größe vor. Auch Ausgleichsbegrünungen können zu den Forderungen zählen.

Tipp: Energieberater zu Rate ziehen! Wer brachliegende Flächen zur Stromerzeugung zur Verfügung stellen will, bespricht das Vorgehen am besten mit einem Energieberater. Der Fachmann kann den möglichen Ertrag der Fläche abschätzen und bei der Abklärung des Plans mit der Kommune behilflich sein.

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