Landkreis
Brandenburg Montag, 14 Juni 2021 von [wp]

Upcycling: Kunststoff muss nicht in den Müll

Upcycling: Kunststoff muss nicht in den Müll

Die Pandemie hatte trotz wiederholter Lockdowns kaum nennenswerte Auswirkungen auf den Klimawandel. Nur ein Dauerlockdown könnte die CO2-Emissionen ausreichend senken, meinen Klimaforscher. Sogar eine klimaschädliche Seite hat die Pandemie: das erhöhte Müllaufkommen im medizinischen Bereich und in Privathaushalten. Seit der Krise fällt vor allem mehr Kunststoff-Abfall an. Ob es um Einweg-Masken oder Verpackungsmaterial geht. Smarte Verwertungsideen sind daher wichtiger als je zuvor.

Schon vor der Krise haben sich viele Verbraucher um klimafreundliche Verhaltensweisen bemüht. Zum Beispiel mit Maßnahmen wie Zero Waste, regionalen Einkäufen, Slow Fashion, Upcycling oder energieeffizienten Leuchtmitteln. Eine repräsentative Umfrage von McKinsey & Company kam Ende des vergangenen Jahres zum Ergebnis, dass während der Pandemie fast 80 Prozent aller Deutschen beim Einkaufen auf nachhaltige Eigenschaften wie plastikfreie Verpackungen geachtet haben. Trotz dieses Nachhaltigkeitsschubs bleibt Kunststoffmüll weiterhin ein Problem. Mehr als eine Million Tonnen Kunststoffmüll hat die Bundesrepublik 2020 exportiert und gilt innerhalb der EU als Spitzenreiter. Dabei könnten Privathaushalte ihren Kunststoffabfall deutlich reduzieren. Nicht nur durch höheres Nachhaltigkeitsbewusstsein beim Einkaufen, sondern auch mit Upcycling-Ideen.

Upcycling-Boom im Lockdown

Seit der Corona-Krise verbringen die Menschen aufgrund von Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen wesentlich mehr Zeit in den eigenen vier Wänden. Wegen dieser Entwicklung hat die Wohn- und Einrichtungsbranche erhöhte Nachfrage verzeichnet. Zuhause will man sich heutzutage so wohl wie möglich fühlen und interessiert sich mehr denn je für Dinge, die dazu beitragen. Zum Beispiel Möbelstücke und Deko-Artikel. Gegenstände zur Verschönerung der eigenen vier Wände werden seit der Krise nicht nur häufiger gekauft. Auch die kreative Eigenproduktion nützlicher Einrichtungsartikel hat einen Aufschwung erfahren. Wenn man während der Pandemie eines hatte, war es Zeit. Angesichts limitierter Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb haben viele Bundesbürger die Tage daheim gestalterisch genutzt. Allerorts wurde gebastelt, renoviert und gebaut. Auch das Upcycling hat im Rahmen dessen einen Schub erhalten. Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt: In Ländern wie Großbritannien ist das Interesse an Upcycling-Projekten laut HGTV in der Krise sogar um mehr als 70 Prozent gestiegen. Scheinbar nutzlose Materialien und Gegenstände erhalten beim Upcycling eine neue Daseinsberechtigung. Zum Beispiel alte Flaschen oder Paletten. Viel braucht man für die Projekte nicht. Lediglich das richtige Werkzeug, Klebstoffe passend zum Material und etwas Kreativität. Auch für Kunststoff gibt es in Upcycling-Projekten Verwendung.

Verschiedene Upcycling-Möglichkeiten für Plastik

Von PET-Flaschen über Plastiktüten bis hin zu Kunststoffverpackungen fällt Tag für Tag allerlei Plastikmüll an. Teile davon lassen sich umweltfreundlich wiederverwerten, wodurch einem der Gang zum Wertstoffhof erspart bleibt. Folgende Upcycling-Ideen für Plastikmüll haben besondere Aufmerksamkeit verdient:

  • Mini-Gewächshäuser aus PET-Flaschen: Indem man den Flaschenboden abtrennt und über Sämlinge legt, sind Pflanzen vor Wettereinwirkungen und anderen Gefahren geschützt.
  • Blumentöpfe aus größeren Joghurtbechern oder Farbeimern: Zum Abfluss Löcher in den Boden stechen und den Becher anschließend mit Kieselsteinen, Sand und Erde befüllen.
  • Schaufeln aus PET-Flaschen: Boden und zwei Drittel einer Flaschenseite abschneiden, um die restliche Flasche mit einem stabilen Griff zu verkleben.
  • Taschen, Geldbeutel oder Hülsen aus Plastiktüten oder Kunststoffverpackungen: Bei Tüten ein Backpapier darüber legen und auf Stufe zwei zusammenbügeln, bis das Material die gewünschte Stärke erreicht. Druckknöpfe, Reißverschlüsse und Stoffteile lassen sich nachträglich anbringen.
  • Rasensprenger aus PET-Flaschen: Mehrere Löcher in eine Flaschenhälfte bohren und mittels Adapter einen Schlauch am Flaschenhals anbringen.
  • Schmuck aus kleineren Plastikteilen: Die Plastikstückchen mit einem Nagel oder einer Stecknadel durchbohren, um sie anschließend auf ein Band oder einen Draht zu fädeln und mit Garn umkleiden. Für Ohrringe zusätzlich Stecker ankleben.
  • Obstpflücker aus PET-Flaschen: In einer minimal größeren Abmessung als das zu erntende Obst ein Loch in eine Flaschenseite bohren und das Plastik hin zum Flaschenboden V-förmig einkerben. Anschließend eine Stange in den Flaschenhals stecken, und festkleben.

Vor dem Upcycling werden die jeweiligen Plastikteile am besten gründlich gereinigt. Wer es noch kreativer haben möchte, kauft zusätzlich Sprühlack und ein paar Schablonen. So lassen sich die hergestellten Objekte zum Abschluss individuell verzieren oder mit Schriftzügen versehen. Übrigens eignen sich selbst produzierte Upcycling-Projekte aus Plastik auch hervorragend als Geschenk.

Wenn gar nichts mehr geht: Richtig recyceln

Wer so wenig Plastik wie möglich kauft und möglichst viel Upcycling damit betreibt, setzt ein Zeichen der Nachhaltigkeit. Trotzdem kommen die meisten Verbraucher nicht vollständig um Plastikmüll herum. Wo sich Plastik nicht vermeiden lässt, sollte man zumindest auf die richtige Entsorgung achten. Sauberes Trennen ist Basis für Kunststoffrecycling. In die Gelbe Tonne gehört beispielsweise Plastikabfall wie

  • Becher
  • Tuben (Shampoo, Waschmittel, Spülmittel)
  • Eimer
  • Getränkekartons (Milch, Saft)
  • Plastikblumentöpfe
  • Einweggeschirr
  • Styropor

Das könnte Sie auch interessieren