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Brandenburg Sonntag, 28 März 2021 von [wp]

Der neue Glücksspielstaatsvertrag 2021: Was wird sich ändern?

Der neue Glücksspielstaatsvertrag 2021: Was wird sich ändern?

Ob die alten Ägypter bereits um Einsätze gewürfelt haben, ist nicht überliefert. Für ein Spielverbot um Geld im Mittelalter hingegen liegen Beweise vor – ebenso dazu, dass Karten- und Brettspiele im 19. Jahrhundert beim europäischen Adel zum guten Ton gehörten. Noch heute übt der Gedanke an Millionengewinne durch etwas Glück auf viele eine große Faszination aus – rund drei Viertel aller über 16-Jährigen mit Wohnsitz in Deutschland sollen bereits mindestens einmal den Versuch unternommen haben, beim Lotto oder Klassenlotterien, bei 17 aus 4 oder Roulette, bei Sportwetten oder an Spielautomaten den Jackpot zu knacken. Damit zählt der hiesige Glücksspielmarkt mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 14 Milliarden Euro zum größten in der EU. Und das nicht zuletzt dank Online-Casinos.

Den Online-Jackpot im Visier

Mit innovativen Sound-Effekten, aufregenden 3D-Grafiken und mehr als verlockenden Gewinnsummen ziehen insgesamt rund 230.000 Geldspielautomaten in deutschen Kneipen, Spielhallen und Co. Besucher in ihren Bann. Eine Zahl, die sich durch Slots in Deutschland gemäß Glückspielstaatsvertrag lizensierter Online-Glücksspielanbieter, wie Casino LilaPaloma.de, aus Bautzen noch einmal vervielfacht – die Kreisstadt punktet neben ihrer über 1000-jährigen Geschichte auch mit dem Angebot der OnlineCasino Deutschland AG. Nicht nur Lausitzer, sondern volljährige Einwohner aller Bundesländer können es nutzen – ab Juli allerdings zu neuen Regeln. Denn dann tritt der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) 2021 in Kraft, um der jahrelangen Grauzone von Internet-Glücksspielen ein Ende zu bereiten.

13 Jahre Grauzone

Trotz einer offiziellen Definition lassen sich Glücksspiele nicht immer klar von Spielen abgrenzen, die durch Fähigkeiten des Spielers beeinflusst werden – so gilt Poker als Glücksspiel, Skat hingegen nicht. In einer ebensolchen Grauzone befindet sich seit 13 Jahren der deutsche Glücksspielstaatsvertrag. Wurde auch die Ursprungsfassung vom 1. Januar 2008 vier Jahre später novelliert, fehlt es bis heute an einheitlichen Regelungen. Ab Juli soll sich dies ändern: Nach Jahren am Verhandlungstisch haben sich die Bundesländer schließlich geeinigt.

Status quo

Laut der noch geltenden Fassung dürfen sich Privatunternehmen um Lizenzen als Online-Anbieter für Glücksspiele bemühen – prinzipiell ausschließlich mit Sitz in Deutschland, denn nach EU-Gesetz sind ihren Bürgern Spiele in Online-Casinos anderer Mitgliedstaaten untersagt. Durch eine Gesetzeslücke wird Firmen jedoch in Steueroasen mit Zugang zum EU-Binnenmarkt auch ohne deutsche Glücksspiellizenz eine Marktteilnahme gewährt. Die Folgen:

  • Gewinne fließen ins Ausland – entgangene Steuereinnahmen
  • Keine Rechtssicherheit für Anbieter oder Spieler

Einzig Schleswig-Holstein gewährt bereits seit 2011, mit einem eigenen Gesetz Sportwettenanbietern und Online-Casinos, einen legalen Betrieb. Den aktuellen Änderungen wird sich das nördliche Bundesland allerdings ebenfalls anpassen.

Lizenz zum Spielen

Beziehungsweise: Lizenz zum Spielen lassen. Mit Inkrafttreten des GlüStV 2021 startet eine 10-monatige Frist, innerhalb derer Online-Casinos und Sportwettenanbieter deutschlandweit Lizenzen für einen Internet-Betrieb beantragen können. Mit der Abgabe erklären sie sich zur Einhaltung sämtlicher Anforderungen der Neufassung des Glücksspielstaatsvertrages bereit:

Spielerschutz und Datenschutz

Weiterhin dürfen nur volljährige Spieler an Online-Glücksspielen teilnehmen. Und das nach strengen Regeln:

Zur Verhinderung möglicher Spielsucht ist das monatliche Einzahlungslimit pro Person auf 1.000 Euro begrenzt. Erst mit Registrierung wird Zugang zu den Internetanbietern gewährt. Ein zeitgleiches Spielen über mehrere Webseiten ist verboten. Spiel- und Spielerdaten laufen bundesweit in einer Aufsichtsbehörde zusammen, ein Datenaustausch zwischen Anbietern soll die Einhaltung der Vorgaben garantieren. Bei versuchter Zuwiderhandlung können Zugänge gesperrt werden.

Einschränkung der Wahlfreiheit

„Alles in einem“ gilt bald nicht mehr, denn die breite Auswahlmöglichkeit aus Tisch- und Automatenspielen, Rubbellosen und Sportwetten wird stark beschränkt: Roulette, Blackjack und Baccara müssen ebenso ihren Platz räumen wie Live-Dealer.

Ein Euro für einarmige Banditen

Virtuelle Spielautomaten bleiben erlaubt, allerdings ohne Jackpot-Slots und Bonus-Spiele. Das Einsatzlimit beträgt pro Drehrunde einen Euro, zwischen den Einwürfen ist eine obligatorische Pause von mindestens fünf Sekunden angesetzt. 

Lenkungsfunktion statt Kundenakquise

Neue Zielgruppen werben? Nicht so bei Anbietern von Glücksspielen im Internet: Werbung zur Schaffung übermäßiger Spielanreize ist verboten – ebenso wie die Motivation von Nicht-Spielern, Minderjährigen oder gefährdeter Gruppen zu einer Teilnahme.

Wortspiel beim Glücksspiel

Schließlich: Die Verwendung der Begriffe „Casino“ oder „Casinospiele“ wird untersagt, sie bleibt analogen Spielbanken vorbehalten. In Zukunft wird es also „virtuelle Spielhallen“ geben – zu finden ausschließlich als „.de"-Domains.

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