Brandenburg Donnerstag, 18 Februar 2021 von [wp]

Fliegen nach Corona: Wie geht es mit der Luftfahrtbranche weiter?

Fliegen nach Corona: Wie geht es mit der Luftfahrtbranche weiter?

Die Coronakrise hat einige Branchen härter getroffen als andere. Zu den großen Verlierern der Pandemie zählt die Luftfahrtindustrie. Im April und Mai 2020 kam der globale Passagierluftverkehr annähernd vollständig zum Erliegen. Aktuell ist Fliegen zwar möglich, aber nur unter strengen Auflagen. Airlines kämpfen seit der Krise ums Überleben. Bis zu 90 Prozent der Einnahmen fehlten ihnen laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) während des ersten Lockdowns. Auch im Januar und Februar liegen die Passagierzahlen bisher nur bei einigen Prozent des gewohnten Volumens. Sogar Unternehmen haben ihre Reisetätigkeiten deutlich reduziert. Bis sich die Branche von Corona erholt, werden mehrere Jahre vergehen. Wird sich das Fliegen bis dahin verändern?

Corona als Chance für das Klima

Seit Jahren wird Mobilität immer grüner. Um die Klimaziele zu erreichen, haben Umweltschützer und Politiker nicht nur zum Umstieg auf E-Autos aufgefordert. Auch Reglementierungen des klimaschädlichen Flugverkehrs waren im Gespräch. Verbrauchern legte man klimafreundliche Urlaubsalternativen wie Bahnreisen durchs In- und Ausland nahe. Während der Coronakrise erreichte umweltfreundlicher Verkehr einen Höhepunkt. Das Auto blieb vorwiegend in der Garage. Lockdowns und Ausgangssperren schränkten den Bewegungsradius ein. Auch an Auslandsreisen war die meiste Zeit über kaum zu denken. Anstatt in entfernte Länder zu fliegen, plante man eher Radurlaube im eigenen Land. Die vereinbarten Klimaziele rücken durch diese Veränderungen in greifbare Nähe. Würden die Menschen auch nach Corona nicht zum gewohnten Vielfliegerverhalten zurückkehren, würde sich die Umwelt bedanken. Doch die Luftfahrtbranche hat andere Pläne.

Künftig weniger Flüge?

Branchenexperten gehen derzeit nicht davon aus, dass es nach der Krise kein Interesse an Flugreisen geben wird. Laut der Forschungsgemeinschaft Reisen und Urlaub sehnt sich schon Anfang 2021 jeder zweite Deutsche nach Auslandstrips. Der BDL will diese Sehnsucht so schnell wie möglich wieder stillen. Und am besten genauso weitermachen wie zuvor. Vielen Wissenschaftlern ist das ein Dorn im Auge. Corona sehen einige als perfekten Zeitpunkt, um die Luftfahrt umzustrukturieren. Auch künftig könnte es weniger Flüge geben. Gelingen würde dies, ohne dass Verbraucher auf Flugreisen verzichten müssten. Zum Beispiel mit sinnvoll vergebenen Flugslots und besseren Absprachen zwischen Airlines. Die Anzahl aller europäischen Flüge könnte sich so um bis zu 50 Prozent reduzieren. Dadurch ließe sich fast ein Viertel aller flugbedingten CO2-Emissionen einsparen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie zur Optimierung des europäischen Flugverkehrs. Von der Politik fordern die Studienautoren dahingehende Reformen. Auch für Geschäftsreisen könnte künftig ein anderer Wind wehen. Die Rufe nach einer staatlichen Reglementierung der Berufsreisetätigkeit werden seit der Krise lauter.

Flüge nur mit Impfpass?

Die Fluglinie Qantas hat angekündigt, bald nur noch Fluggäste mit Corona-Impfung zu befördern. Auch in Europa halten Experten den Impfpass als Flugbedingung künftig für wahrscheinlich. Wenn auch erst in einigen Jahren. Wie das Meinungsforschungsinstitut Civey ermittelt hat, ist auch die Mehrheit aller Deutschen für den Impfnachweis beim Fliegen. Vor allem unter 30- und über 50-Jährige sprechen sich https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/mit-impfpass-zum-check-in-mehrheit-der-deutschen-wuenscht-sich-impfpflicht-fuer-fluggaeste/26780456.html">laut der Umfrage dafür aus. Bis der Impfstoff flächendeckend verteilt ist, dauert es noch seine Zeit. Würden Einzelländer schon vorher auf einen Impfnachweis beharren, wäre dies laut Branchen-Insidern das Aus für die ohnehin gebeutelte Luftfahrt.

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