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Brandenburg Freitag, 16 Oktober 2020 von [wp]

Ein Unternehmen mit Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital finanzieren

Ein Unternehmen mit Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital finanzieren

Ganz gleich, ob nun Firmengründung oder Unternehmensausbau, steht nicht genügend Eigenkapital zur Verfügung, wird ein Kapitalgeber benötigt. Frisches Kapital kann über eine Fremdfinanzierung beschafft werden. Anders als bei einer Eigenkapitalfinanzierung haften Fremdkapitalgeber nicht für die Unternehmensaktivitäten. Eigenkapitalgeber wiederum haften abhängig von der Unternehmensform entweder voll, teilweise oder aber beschränkt mit ihrem Vermögen. Dafür erhalten Eigenkapitalgeber ein Mitspracherecht. Das Kapital verbleibt langfristig in der Unternehmung. Bei der Fremdfinanzierung besitzen die Kapitalgeber nicht über ein Mitspracherecht. Fremdkapital verbleibt nur für einen gewissen Zeitraum in einem Unternehmen. Bei einer Insolvenz haben Fremdkapitalgeber noch vor den Eigentümern und anderen Kapitalgebern einen Anspruch auf eine Darlehensrückzahlung. Beide Finanzierungformen bieten verschiedenen Vor- und Nachteile.

Eigenkapital oder Fremdkapital? Die Mischung macht es!

Neben der Eigenkapitalfinanzierung und der Fremdkapitalfinanzierung gibt es auch noch Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital: das sogenannte Mezzanine-Kapital. Hierbei wird einem Unternehmen bilanzielles Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Dafür erhalten die Kapitalgeber ein Kontrollrecht sowie ein Informationsrecht. In das operative Geschäft dürfen die Investoren dahingegen nicht eingreifen. Sowohl Großbanken als auch diverse Finanzdienstleister haben sich auf dieses Finanzierungsmodell spezialisiert. Der große Vorteil für Unternehmen besteht darin, dass sie zwar mit frischem Kapital versorgt werden, aber gleichzeitig ihre unternehmerische Freiheit behalten. Die Firma bekommt externes Kapital und gibt dafür Genussrechte, stille Beteiligungen oder Anleihen aus. Die Gläubiger haben bei der Mezzanine Finanzierung kein Mitspracherecht. Insbesondere für Unternehmen, die stark wachsen, aber aufgrund eines geringen Eigenkapitals keinen herkömmlichen Kredit aufnehmen können, bietet die Mischform aus Eigen- und Fremdkapital eine attraktive Alternative.

Die Vor- und Nachteile einer Mezzanine Finanzierung

Durch Inanspruchnahme von Mezzanine Kapital können Unternehmen die Bilanzstruktur verbessern und die Eigenkapitalquote stärken. Die fälligen Zinsen können steuerlich abgesetzt werden. Die Kapitalgeber besitzen keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Firmenpolitik und das operative Geschäft. Außerdem werden die Kapitalgeber nachrangig gegenüber über anderen Geldgebern und Gläubigern behandelt.

Als nachteilig erweist sich, dass die Zinskosten vergleichsweise hoch ausfallen. Außerdem müssen Unternehmen, die eine Mezzanine Finanzierung in Anspruch nehmen möchten, besondere Anforderungen erfüllen. Bei einem nur geringen Kapitalbedarf eignet sich die Finanzierungsform nicht. Die Laufzeit ist zeitlich befristet. Dazu können wegen der Komplexität hohe Transaktionskosten entstehen.

Wo kommt eine Mezzanine Finanzierung zum Einsatz?

Sehr häufig kommt diese Finanzierungsmischform in Wachstumsphasen, beim Unternehmenskauf, bei Projektfinanzierungen oder auch bei einem Management Buyout zum Tragen. Die Mezzanine Finanzierung kann ganz unterschiedlich ausgestaltet werden.

Die Formen einer Mezzanine Finanzierung auf einen Blick

Die stille Beteiligung: Die Investoren treten öffentlich nicht in Erscheinung. Sie sind für einen bestimmten Zeitraum am Unternehmen und an allen Gewinnen und Verlusten beteiligt.

Die Gewinnschuldverschreibung: Diese Anleihe verfügt neben der Nominalverzinsung über eine Zusatzversicherung, die vom Gewinn abhängt.

Die Aktienanleihe: Diese Anleiheform ist hochverzinst und wird zu einem vordefinierten Zeitpunkt fällig. Entweder es wird ein Aktienpaket oder der Nennbetrag ausgegeben.

Die Genussscheine: Genussscheine sind eine Mischform aus Anleihe und Aktie. Investoren sind am Unternehmenserfolg beteiligt und haben ein Recht auf Kapitalrückzahlung.

Die Hybridanleihe: Der Zins ist höher als bei einer normalen Anleihe. Die Laufzeit ist entweder unbegrenzt oder sehr lang.

Die Optionsanleihe: Bei dieser Anleihe können Investoren Aktien oder einen anderen Vermögensgegenstand innerhalb eines bestimmten Zeitraums zum Ursprungspreis kaufen oder auch verkaufen.

Das Nachrangdarlehen: Hierbei werden die Gläubiger nachrangig nach herkömmlichen Gläubigern behandelt.

Das partiarische Darlehen: Die Beteiligten erhalten den Umsatz oder den Gewinn, den das finanzierte Unternehmen erwirtschaftet.

Die Wandelschuldverschreibung: Die Gläubiger bekommen ein Bezugs- oder Umzugsrecht auf Aktien.

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