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Guben Freitag, 28 Oktober 2016 17:55 |  von Redaktion

Museum verlängert Sonderausstellung „Fahrt beendet?“ im Hutcafé

Museum verlängert Sonderausstellung „Fahrt beendet?“ im Hutcafé

Das Stadt- und Industriemuseum Guben verlängert die Dauer der Sonderausstellung „Fahrt beendet?“ im ehemaligen Hutcafé. Ursprünglich nur bis Monatsmitte geplant, ist die Bilderausstellung des in Guben lebenden, syrischen Asylbewerbers Serdar Hesso nun noch bis zum 27. November 2016 zu sehen. Grund hierfür ist die große Resonanz auf die Schau, die in Zusammenarbeit mit den Museen und der Integrationsbeauftragten der Stadt Guben entstand, bestätigt Museumschefin Heike Rochlitz.  

Die Ausstellung bietet in bewegenden Bildern des syrischen Künstlers Einblicke in Fluchterlebnisse, Träume oder Visionen. Mehre Monate hat der 38-jährige Geflüchtete an den mehrheitlich düsteren, aber zuweilen auch aufgeheiterten, Malereien gearbeitet. Vieles an seiner Kunst ist Aufarbeitung des eigenen Schicksals, auch wenn er sich nicht gern darauf reduzieren lässt: „Ich bin nicht nur ein Syrer, ich bin Serdar“, sagt Hesso in gebrochenem Deutsch – den Großteil seiner Freizeit nimmt seit Längerem das Erlernen der Sprache seiner vorerst neuen Heimat an der Neiße ein. Wenn er von seiner Vergangenheit berichtet, fällt er jedoch mitunter in seine kurdische Muttersprache zurück und ist den Tränen nah: Aufgewachsen in bescheiden Verhältnissen, aber mit viel Lyrik und Musik, geht er mit seiner Familie nach Aleppo, um in einem kleinen Atelier Kleidung zu entwerfen, zu schneidern und zu nähen.  

Als sie dort der Krieg einholt, geht der Familienvater zusammen mit der Frau und den drei Kindern zunächst zurück ins Heimatdorf Qamischli im Nordosten Syriens. Nach Monaten ohne Wasser und Strom liegen schließlich auch das Haus und die Fabrik, in der Hesso bislang die Familie mit harter Arbeit durchgebracht hatte, in Schutt und Asche. Sie fliehen – und landen schließlich nach langer Irrfahrt im Herbst 2015 in Guben. Dort angekommen versucht Serdar Hesso seiner Entfremdung, Heimatlosigkeit und Trauer eine Stimme und ein Gesicht zu geben. Trost findet er in der Musik und eben der Malerei, die nun in einer Vielzahl bemerkenswerter Bilder der verlängerten Museumsausstellung mündete – „Fahrt beendet?“.  

„Krieg, Flucht, Hunger und Not verändern Menschen. Das Erlebte setzt sich in den Köpfen fest und lässt sie nicht mehr los. Serdar Hesso hat seinen Weg gefunden, um Schmerz und Vertreibung aufzuarbeiten und sich ein Stück weit zu befreien“, erklärt die Integrationsbeauftragten der Stadt Guben, Regina Bellack. Seine ausgestellte Malerei bietet den Betrachtern die seltene Möglichkeit, Einblicke diese Welt zu erhalten und sie besser zu verstehen. Das bestätigt auch die kunstinteressierte Besucherin Karin Häckert: „Mich hat das künstlerisch hohe Niveau der Bilder überrascht, aber vor allem ihre emotionale Wirkung aufgrund der Thematik“, sagt der Kerkwitzerin.  

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 27. November 2016 im ehemaligen Hutcafé zu den Öffnungszeiten des Stadt- und Industriemuseums Guben. Eine Finissage mit musikalischer Umrahmung ist für den 24. November geplant. Der Eintritt erfolgt nach aktueller Entgeltordnung. Die Ausstellung soll künftig auch an weiteren Orten des Spree-Neiße-Kreises gezeigt werden.

pm/red

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